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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-24 · Heft 13 (24.3.1845) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 13 (24.3.1845)
Date
1845-03-24
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 Zeitungönachrichleir. Großbritannien. London, 8. März. Sir Robert Peel hat im Unterhaus angekündigt, es sei seine Absicht, nächstens eine Bill einzubringen zur Abschaffung der bürgerlichen Unfähigkeiten (Jnkapazitäten) der Israeliten, vornehmlich bei Munizipal- und Korporationsanstellungen. Daß diese Bill vom Unterhause mit großer Stimmenmehrheit votirt werden wird, ist gewiß, und nur fraglich, ob das Oberhaus damit übereinstimmen wird, da die früheren Male die Regierung (allerdings aber die wigghistische) auch dafür war, und das Oberhaus die Bill dennoch verwarf. London, 10. März. Der heutige Globe äußert sich' in folgender Weise über die Aufhebung der bestehenden Hindernisse gegen die Zulassung der Juden zu Munizipalämtern: Die Bill zur Entfernung der bürgerlichen Beschränkungen der Juden,, deren zweite Verlesung heute Abend im Oberhause vorgeschlagen wird, ist eine jener Maßregeln, welche die Liberalen im Parlament durchzusetzen strebten, nicht nur weil sie von gesunder Politik geboten wird, sondern weit sie im Einklang. Mit dem Geiste ist, welcher, die Legislatur zur Entfernung der bürgerlichen Unfähigkeit der Katholiken und de? protestantischen Dissenter veranlaßte. Dadurch, daß die Munizipal-Korporationakte die Erklärung fordert, welche von jeder nach ihren Bestimmungen zu erwählenden Person zu unterzeichnen ist , und zwar vor! ihrem Amtsantritt^ — nämlich „auf den wahrhaften Glauben eines Christen", sind nothwendig Bekenner des jüdischen Glaubens von Korparationsamtern ausgeschlossen. Der neuliche Fall des Hrn. David Salomons, der, zum Alderman erwählt, vom Hof der Aldermen nicht zügelaffen wurde, weil er sich geweigert, die verlangte Erkkärungsformel zu unterzeichnen, stellte deren gehässigen Unterschied klar vor Augen.! Die Erörterungen, wozu jene Ausschließung dazumal Anlaß gab, hatten die Folge, daß sie die Aufmerksamkeit auf die gehässige, unpassende und ungerechte Wirkung jener Bestimmungen lenkte. Daß ein solcher Unterschied aufgehoben werden möge, muß der Wunsch eines Jeden fein, welcher das Bestehen bürgerlicher Unfähigkeit aus religiösen Gründen beklagt. Der Globe benutzt diese Gelegenheit, die Minister der Versatilität und einer großen Inkonsequenz anzuklagen, weil sie die Gewährung dieser Rechte an die Juden bekämpften, als die Whigs sie gefordert und sie noch nicht am Ruder waren, denn Herr Goulburn habe im Jahr 1841, als dieselbe Frage vom Lordkanzler ins Oberhaus gebracht wurde, sich dagegen erhärt, weil diese Einräumung an die Juden mit der „nationalen Christlichkeit" unvereinbar sei. Preußen. Kulm, 5. März. (Privatmitth.) Der' hiesige Domkapitular Herzog hat in einem von ihm redigirten katholischen Wochenblatt geradezu behauptet, die Juden in Schneidemühl seien Schuld an den dortigen Spaltungen, wenigstens an dem Gedeihen der neuen Gemeinde, und befördern diese namentlich durch Verbreitung von Lügen über die Vermehrung, Bestätigung der neuen Gemeinde ff. Der Dr. Jolowicz zu Kulm trat dem in einem offenen Sendschreiben in den „ostpreuß. Pronvinzialheften" entgegen, indem er den genannten Herrn auffordert, ihm die Gründe öffentlich anzugeben, auf welche hin er diese Verläumdung ausgesprochen. Der Herr Domkapitular ist bis jetzt die Antwort schuldig geblieben. — Dr. Jolowicz hält diesen Winter hier ebenfalls Vorlesungen „über die wissenschaftliche Ausbildung und Fortentwickelung des Ju!- denthums von seiner Entstehung bis auf unsere Zeit" — welche fleißig von Juden und Christen besucht werden. Magdeburg, 16. März. sDiepreußischen Landtage. Nach der A l lg. Preuß. Zeitung.) Auch an den Landtag der Provinz Brandenburg sind zwei Petitionen um die Gleichstellung der Juden ergangern — In der neunten Sitzung des rheinischen Landtags wurden wieder vier Petitionen, (eine von der Stadt W e se k, und' eine' von Düsseldorf)., um Emanzipation der Juden eingereicht, außerdem eine „die Israeliten zur Annahme, von Familiennamen anzuhallen. Ins der zehntew Sitzung verlas ein Abgeordneter eine Petition des israell Konsistoriums zu Trier, auf Gleichstellung

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