Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 12 (17.3.1845)
- Date
- 1845-03-17
- Page
- Seite 179 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225402--06762-3236610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
179 selbst. Um Kenntnisse und Lektüre bekümmert sich die Spaniolin blutwenig, ja sie weiß in der Regel nicht einmal hebräisch zu lesen und so die täglichen Gebete herzusagen (wie das in Polen in der Regel jedes verheirathete Frauenzimmer wohl verstehet), daher die Spaniolinnen in der Synagoge hinter ihrem dichten Gitterwerk, den ruhigen passiven Zuschauer, wenn nicht gar den gähnenden Schläfer abgeben müssen *). Die Verlobungen und Hochzeiten der Spaniolen bieten ebenfalls viele Eigenthümlichkeiten dar.— Die Verlobungen geschehen nämlich wie in Polen durch Vermittler (Schadchunim), die aber hier keine Profession damit treiben, sondern es sind meistens Familiengliedec des Brautpaares,- die die Sache von Gotteswegen (Leschem-Mizwäh) arrangiren.— Die Brautleute sind gewöhnlich noch sehr jung (16—18 Jahre). Die Verlobung dauert höchstens ein Jahr. (Früher (d. h. noch vor zwanzig Jahren) durfte der Bräutigam seine Braut bis zum Vorabend vor der Hochzeitswoche nicht gesehen haben, und erst an jenem vechängnißvollen Tage wurde seine spätere Lebensgefährtin entschleiert. Jetzt hat zwar dieser Rigorismus bedeutend abgenommen, indessen gehörtes noch immer zur guten Sitte, daß der Bräutigam seine Braut bis zur Hochzeit nie gesprochen, ja die Schwelle ihres Hauses nie betreten haben soll. — (Fortsetzung folgt.) *) Jetzt erst fängt hierin an, ein Fortschritt sichtbar zu werden; jetzt erst haben einige vornehme Spaniolen angefangen ihre Töchter in Pensionen zu schicken und sie europäisch erziehen zu lassen. Das ist alles recht gut, schön und erfreulich, jedoch aber so lange keine israelitische Schule für Knaben und Mädchen gegründet wird, wird eine solche Erziehung für jüdische Mädchen etwas Halbes und Unvollständiges bleiben; und in der That, .wie soll mansich auch eine Kindererziehung ohne Religionsunterricht denken, und wie soll ein jüdidischer wahrer Unterricht anders als von einer jüdischen Schule Herkommen? Ferner ist keine öffentliche Schule da, was sollen die Armen, die nicht für jedes Mädchen zwei Dukaten monatlich bezahlen können, mit ihren Kindern machen? Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen iV.Ngr. (i gGr.) Gebühren für die gespaltene Aeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. So eben ist erschienen uyd durch C. L. Fritzsche in Leipzig zu beziehen die erste Lieferung des neuen Aion (’j'V'S)/ heransgegebe» von Dr. Goldenthal. Der Preis für zwölf Lieferungen ist ein Thaler xrällumeraväo. Bekanntmachung. Die hiesige zweite Lehrerstelle ist vakant geworden. Qualifizirte Subjekte wollen sich unter Vorzeigung.ihrer Zeugnisse behufs Abhaltung einer Probe-Lektion bei dem Unterzeichneten Schulvorstande persönlich melden. Mit dieser Stelle ist ein Jahrgehalt von 160 Thlr. bis 175 Thlr. verbunden; es wird jedoch zur Bedingung gemacht, daß der Bewerber gleichzeitig gründliche Kenntnisse nach dem jetzigen Zeitgeist in der hebräischen Sprache zum Unterricht in beiden Klassen besitze. Schönlanke im Marz 1845. . Der israelitische Schulvorstand (gez.) vr. Kohn. Lövy. Abrahamfohrr. Anzeige. Einem auch im Hebräischen und Französischen tüchtigen jüdischen Philologen weist nach frankirter Einsendung kompetenter Zeugnisse eine sehr vortheilhafte Hauslehrerstelle nach.' Dr. A. Wiener in Grünberg. Anzeige. CJf“ Einige Gemeinde-Mitglieder Hierselbst wünschen einen jüdischen unverheiratheten geprüften Lehrer gegen ein Gehalt von 200 Thlr. jährlich vom 1. Mai d. I. zu engagiren. Hierauf Reffektirende belieben sich, unter Beilegung von Zeugnissen an mich zu wenden.' Lauterburg im Mär; 1845. M. G. Santowski.