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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-03-10 · Heft 11 (10.3.1845) · p. Seite 158

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 11 (10.3.1845)
Date
1845-03-10
Page
Seite 158 (sequence 14)
Language
German
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15 8 muß, indem dieser der Gefahr nicht entgehen kann ln derselben ganz und gar aufzugehen. Aber außerdem, daß die Erfahrung und die Geschichte der. Menschheit diese Hypothesen Lügen straft, so ist zunächst diesem Quasizeloten der Vorwurf zu machen, warum sie denn wenigstens ihren Kindern nicht eine echt-jüdische Erziehung zu Theil werden lassen, wenn ihnen die Religion ihrer Väter so nahe am Herzen liegt; warum der jüdische ' Knabe schon, kaum den Kindesjahren entrückt, bevor ihm noch vom Leben und Wissen, von Religion und Moral etwas beigebracht worden war, selbst von bemittelten Eltern mit in den Strudel der Geschäfte hineingeschleppt wird? — Was für Bestrebungen und Entwürfe zur Veredlung und Verbesserung der Volkserziehung inmitten der Ungarn zu' Tage gefördert werden, so glaubt der Jude seine Pflicht hierin hinreichend erfüllt zu haben, wenn er seinen Sohn bis in's fünfzehnte Jahr die Schuie besuchen läßt und ihn alsdann mit auf alle Märkte mit sich führt, um ihn in eine Weise des Erwerbs einzuüben; und dieses soll die Basis zu einer künftigen Generation sein, der hoffentlich weniger täuschende Erwartungen offen stehen als der jetzigen. . (Schluß folgt.) Literarische Nachrichten. Magdeburg, im Februar. Rees Sprachverhältnisse der heutigen Juden. (Schluß.) Unpraktisch ist der Verfasser nun ferner gerade in den praktischen Theilen seiner Schrift. Anstatt ausführlich und im ganzen Detail die jüdische Mundart zu bearbeiten — und dies fst um so wichtiger, je mehr Diele diese Eigenthürnlkchkeiten als solche nicht kennen, und je mehr der Lehrer und Familienvater, um ihnen entgegenzuwirken, sie vollständig kennen muß — giebt der Vecf. ein dürres Schema, das nicht einmal vollständig ist. Denn während der Verfasser soviel von den Sprachorganen spricht, übersieht er den jüdischen Volks charakter, der sehr viel an der Inkorrektheit der Sprache, selbst bei den Schriftstellern, Schuld ist. Der Verfasser sollte einwaleine Zeitlang eine jüdische literarische Korrespondenz -z. B. mit Oesterreich unterhalten-, um zu erfahren, wie Bombast, Bilderkcam, und zwar der groteskeste ff. in der jüdischen Ausdrucksweise einen enormen Bestandtheil üusmacht. Am unzulänglichsten aber erscheint der Verfasser da, wo er die Mittel zur Bekämpfung dieser Mundart bespricht. Zuerst: er berücksichtigt allein die Schule, vergißt aber;— das Haus. Und doch iss die Familie noch viel wichtiger hier, denn alle Bemühungen der Schule werden durch das Haus vereitelt. Nun kann z. B. der Familienvater recht gut sprechen, aber die Frau, oder die Großmutter, oder sonstige Glieder des Hauses sprechen jüdisch — wie wichtig ist es da, dem Familienvater Winke zu geben, wie er dem Verderbniß der Sprache bei seinen Kindern entgegenzutreten habe. Wie unbedeutend aber ist das Mittel, welches der Verfasser selbst für die jüdische Schule angiebt, indem er öfters Prosaisches hersagen lassen will. Nein! der Lehrer muß immerfort und durchdringend dagegen ankämpfen. Ec muß den Kindern zum Bewußtsein bringen, wie nothwendig die richtige Sprache ist, und dann unter ihnen, nicht allein selbst darüber wachen und korrigiren, sondern einen Wetteifer entzünden. Wer falsch spricht, kömmt einen Platz niedriger; das richtige Sprechen muß einen Platz in der Zensur erhalten; wer sich darin auszeichnet, eine Prämie in einem guten Buche bekommen; die Schüler müssen sich selbst gegenseitig überwachen, es muß ein Gegenstand ihres Ehrgeizes ff. werden. Wir haben geglaubt, dem Vecf. unsere Achtung nicht besser zu bezeugen, als indem wir die schwächeren Theile seines Buches um so mehr hervorheben. Wir bemerken, daß wir unser Blatt gern zur weitern Besprechung dieser Angelegenheit anbieten. Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen l V»Ngr. (I gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Anzeige. In eine Pension in Frankfurt am Main wird ein israelitischer Hülfslehrer, welcher in allen Schularbeiten und in der fcanzös. Sprache erfahren ist, gesucht. Anfragen sind tranco bei Herrn 0r. I. M. Jo ft zu machen.

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