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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-01-27 · Heft 5 (27.1.1845) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 5 (27.1.1845)
Date
1845-01-27
Page
Seite 65 (sequence 13)
Language
German
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65 ihrem bevorstehenden Schicksale erhalten. Ohne des Generalgouverneurs, Grafen v. Bibikow, dessen edle Gesinnung hinlänglich bekannt ist, zu erwähnen, können wir nicht umhin, den Vorsteher des Adels, Freiherrn von Lonschefski, zu nennen. Dieser ehrwürdige Greis, geschmückt mit der Liebe seiner Mitbürger und der Achtung der Regierung, nahm keinen Anstand, die Juden seines Distrikts gegen die Anfälle seines eigenen Vorgesetzten, von dem sie in ihrem Schicksal nicht unabhängig sind, mit hohem Edelmuth zu vertreten; er detaillirte den Gegenstand mit solcher Energie und Wahrheit, überzeugte mit solchen positiven Gründen, wie das Leerwerden der Städte von Juden auch auf die christlichen Mitbürger nachtheilig wirken wird, daß er demselben das Geständniß abnöthigte: „Nach Ueberlegung scheine das Gesagte wirklich einzuleuchten." Nun sprach der edle Mann die Meinung aus, er wolle von Seiten des Adels um die Erlaubniß anhalten, Bitte und Vorstellung darüber an die hohe Regierung verabfolgen zu können. Und auf sein Ermulhigen fand sich der ganze Adel bereit — komme es darauf an — Fürsprache für die Juden bis zu den Stufen des erhabenen Thrones zu wagen. Königsberg, im Januar. (Br. Z.) Die Nachricht, daß für die gewaltsame Uebersiedelung der Juden in Polen gnädige Modifikationen eingetreten, bestätigt sich, und man hofft, da mächtige Fürsprache obwaltet, daß das Herbste nicht zu Stande komme. Personal- und Lokalnachrichten. Kreslau, 16. Januar. (Privatmitth.) Am 6ten d. beging der Lehrer und Inspektor an der hiesigen königl. WilhklmSschule, Herr Moritz Schlesinger, sein fünfzigjähriges Amtsjubilaum. Viele Beweise der Anerkennung, der Liebe und Dankbarkeit wurden ihm dargebracht. Die Anstalt mit ihren Lehrern und erstem Inspektor, Herrn Dr. Francolm, eine Deputation der jungem, und eine der altern Generation.der ehemaligen Schüler, das Obervorsteherkollegium, die Vorsteher der israel. Krankenverpflegungsanstalt, endlich eine Deputation des Magistrats, bestehend aus dem Oberbürgermeister; Bürgermeister und einigen Stadträthen, brachten >^nach einander dem Jubilar ihre Glückwünsche und Ehrengeschenke dar. Eine sehr ergreifende Feierlichkeit war darauf in der Schule selbst veranstaltet, wo Dr. Francolm die Festrede hielt. Des Abends ward ihm noch eine Serenade gebracht. Literarische Nachrichten. Leipzig, 12. Januar. (Hebräische Zeitschrift.^ Der Dr. I. Goldenthal läßt eine Fortsetzung der hebräischen Monatsschrift die Jost vor einigen Jahren herausgegeben, erscheinen. Monatlich einen Bogen, Preis für den Jahrgang 1 Thlc. Leipzig, 16. Januar. (Privatmitth.) Das Verzeichniß der hebräischen Verlagsactikel der Herren Franz Edl. v. Schmid und I. I. Busch, welches dieser Zeitung beigelegen, setzt gewiß Jeden über den Umfang dieses Geschäftes in Erstaunen. Neben einer Menge Artikel, die dem täglichen Gebrauche angehören, sehen wir auch ausgedehnte, kostspielige Unternehmungen, die in unsrer Zeit, wo jedenfalls der Bedarf an hebräischen Werken sich vermindert hat, zu den verdienstvollen gehören. Wir rechnen z. B. hierher die neue Prachtausgabe des Talmud in 36 Bänden gr. Folio, von denen bereits 18 Bände fertig sind. Schreiber dieses besitzt dieselben, und lassen sie seiner Ansicht nach wirklich Alles in dieser Art hinter sich. Ferner die 1839 fertig gewordenen neuen Alses; die so eben vollendete köstliche Ausgabe von der npm t in 8 Theilen. Die Ausgaben des Moreh, mehrer Wessety'schen Schriften, des Ozac hafchoroschim, die vielen Bibelausgaben, Gebetbücher nach allen Ritus, bis zur Fibel herab — bilden ein Ganzes, das den guten Grund zu einer hebräischen Bibliothek legen kann. Berlin, 17. Januar. (Privatmitth.) Der Herr Dr. S. Stern hat eine Reihe von Vorlesungen „über die Aufgabe des Judenthums und der Juden in unserer Zeit" angefangen, die mit Beifall ausgenommen, und von einer zahlreichen Versammlung im Lokal der Gesellschaft der Freunde besucht werden. Schade, daß der Redner nicht zu freiem Vorträge sich bestimmt hat, sondern wirklich vorliest. Seine Richtung ist die reformistische, indem er die Aufgabe des heutigen Judenthums darin findet, die Lehre des Judenthums aus der Verpuppung, in welche sie der Talmud zur Aufbewahrung

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