Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 5 (27.1.1845)
- Date
- 1845-01-27
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Ein andres, trauriges Beispiel der Vergeltung, welches uns, als aufrichtige Deutsche, in vollen Anspruch nimmt, bieten die schleswig-holsteinischen Stände dar. Diese selben Vertreter, welche im Anfang des verflossenen Jahres den Juden dieser Provinzen das Deutschthum abgesprochen, sie für Fremde erklärt und vom Militärdienste ausgeschlossen haben — diese selben Vertreter müssen am Ende des Jahres bei einem fremden Könige (dem dänischen) bitten und bitten — um ihr Deutschthum! Nein! ein Gefühl der Befriedigung kann bei solchen Vorgängen nur gemeinen Seelen eiukommen — aber die Lehre, die Lehre! der Finger Gottes, der sckon Pharao gezeigt ward, und den neuere Pharaonen, kleine und große, noch immer nicht erkennen wollen! Liebe, und du wirst geliebt; säe Sturm, und du erntest solchen! Wer Vorurtheile nährt, gegen den müssen wieder welche erstehen! Wer Haß in seinem Busen hegt, wie anders, Haß muß auch ihm werden! Ja, die Vorsehung Gottes, sie wacht all' euren Menschenwitz zu Schanden! Die zweite Rabbinerversammlung. Stuttgart, 13. Januar. Unterm 21. Oktober v. I. wurde von Kirchenrath Maier in Stuttgart nachstehendes sub No. 1 enthaltene Schreiben an den Vorstand der israel. Gemeinde in Frankfurt am Main gerichtet und von diesem die sul» No. 2 enthaltene Antwort ertheilt. Diese Korrespondenz wird vorläufig denen, welche sich für die nächste Rabbinervrrsammlung interessiren, mit dem Anfügen mitgetheilt, daß die Erlaubniß der frankf. Behörde zur Abhaltung derselben mit Sicherheit erwartet werden darf. Die Stimmung des wohllöblichen Vorstandes und dessen guter Wille, für die Sache zu wirken, geht zu deutlich aus dessen Schreiben hervor, als daß es nöthig wäre, hierüber noch etwas hinzuzufügen. Eine Einladung zur Theilnahme an dieser Zusammenkunft wird von der durch die erste Rabbinerversammlung ernannte Kommission ausgehen, welcher hiermit nicht vorgegriffen werden soll. No. 1. An den wohllöblichen Vorstand der israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main. Wie ein wohllöbl. Vorstand aus den hier angeschlossenen Protokollen gefälligst entnehmen wolle, hat die erste in Braunschweig abgehaltene Rabbinerversammlung als den Ort der nächsten Zusammenkunft Frankfurt und als den Termin hierzu den 15. Juli d. I. bestimmt. Längst schon würde ich als Vorsitzender jener Versammlung eine jenseitige verehrliche Stelle hiervon in Kcnnt- »iß gesetzt haben, hätte ich nicht den Druck der Protokolle, aus welchen die Zwecke, welche diese Versammlungen anstreben, am deutlichsten zu ersehen sind, abwarten wollen, um ein Exemplar derselben beizulegen. Indem ich mich nun hiermit dieser Pflicht entledige, glaube ich nicht, einen wohllöbl. Vorstand auf die Wichtigkeit dieser Versammlnugen erst aufmerksam machen, noch die Bitte um Unterstützung derselben hinzufügen zu dürfen. Der Einsicht eines verehrlichen Vorstandes werden die fruchtbaren Keime, welche für die bessere Gestaltung des Judenthums in diesem jungen Institute enthalten sind, nicht entgangen sein, so wie von dessen Eifer für alles Gute die Unterstützung und Förderung dieser Anstalt vertrauensvoll erwartet werden darf. Aus eben diesem Grunde enthalte ich mich, unter Hinweisung auf H. 5 der Statuten (Protokolle S. 7) jedes weitern Vorschlages hinsichtlich der Anstalten, welche für diese Versammlung zu treffen sein dürften. Die Weisheit eines wohllöbl. Vorstandes wird das Zweckdienlichste vorzukehren wissen und der Edelsinn, welcher die Israeliten Frankfurts auszeichnet, sichert ohnehin jedem der an dieser Versammlung Theil nehmen wird, eine freundliche Aufnahme im Voraus zu. Verbinden würde mich übrigens die jenseitige Stelle, wollte dieselbe die Güte haben, mich von dem, was sie in dieser Sache zu thun für gut findet, in Kenutniß zu setzen. Mit ausgezeichneter Hochachtung rc. Kirchenrath Maier. No. 2. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main an Sr. Hochwürden den Herrn Kirchenrath Dr. Maier in Stuttgart. Aus Ihrer werthen Zuschrift vom 21. v. M. und den uns gütigst mitgrsandten Protokollen haben wir mit wahrer Freude entnommen, daß unsere Stadt als der Ort der nächsten Rabbinerversammlung bestimmt worden ist. Wir wissen die uns dadurch zugedachte Ehre vollkommen zu würdigen und es möchte wol kaum der Versicherung bedürfen, daß wir gerne bereit sind, ein Institut zu befördern und zu unterstützen, welches sich die durch die Zeitläufe so bedingte bessere Gestaltung des Judeuthums und den wahren Fortschritt unserer Glaubensgenossen zur Aufgabe gestellt hat.