Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 4 (20.1.1845)
- Date
- 1845-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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IX. Jahrgang. Allgemeine No. 4. -es Zu-enthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: irr. Ludwig Philippson, Rabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung . zu Leipzig. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 20. Januar 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. f. w. mnfaffen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit S Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22 £ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Ieitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Erklärung. Skizzen über das Alter der jüdischen Gebete. (Schluß). Harfenklänge zu den Wochenabschnktten der Schrift. IV. Beschallach. Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Algerien: Algier. Oesterreich: aus Ungarn, Czernowitz. Preußen: von der polnischen Grenze, Breslau. Personal- und Lokalnachrichtenr Paris, Braunschwekg, Weiskirchen. Leitende Artikel. Magdeburg, den 13. Januar. Eine Erklärung. Es giebt nichts Skandalöseres, als die Streitigkeiten, die an so vielen Orten zwischen Rabbinen und Gemeindemitgliedern vor sich gehen, wenn nicht die Art und Weise, wie sie geführt werden. Dieses gegenseitige Zerfleischen, daß auch kein gutes Haar daran bleibe, diese Wuth, sein Müthchen sogleich im Oeffentlichen zu kühlen, geht über alle Begriffe und unter alle Würde. Und dies nicht in einem Lande, sondern in allen. Es ist über alles Maaß, was wir damit geplagt werden. Da ist Neustadt au der Waag in Ungarn, wo wir seit acht Tagen zwölf Schwähbriefe von beiden Parteien auf einander in der barbarischesten Sprache, daß es ein Greuel ist, erhalten haben*). Da ist Mühlhausen im Elsaß, wo uns eben ein zweites Libell von der Wahl'fcheu Familie gegen deu dortigen Rabbinen, der darin des Ungeheuerlichsten gezeiht wird, hergesandt worden. Da ist Breslau in Preußen, doch wir bedecken diese Korrespondenz mit Schweigen —; da ist Heidelberg in Baden, wo mehre Gemeindemitglieder erklären, daß die Darstellung des dortigen Rabbinen in Ro. 50 u. 51 d. Zeit, von Unrichtigkeiten wimmle; da ist.... doch wozu noch mehre Beispiele. Genug davon. Wir erklären hiermit, daß, wie wir seit Jahren eifrigst bemüht waren, all' dergleichen von uns fern zu halten, auch in Zukunft die Spalten der Allg. Zeitung des Judenthums diesen lokalen und zumeist persönlichen Streitigkeiten nicht eröffnen werden. Es ist schlimm genug, daß man oft dazu kömmt, Parteilichkeiten das Wort zu leihen, man weiß nicht wie, so daß jS die Gerechtigkeit verlangt, dem Widerpart auch einmal das Wort zu geben. Allein so weit wir nur irgend absehen können, werden wir eS unnachsichtlick zu vermeiden suchen. ES ist dies schon darum uothwendig, weil ein zum Druck gelangter Krieg ein ewiger, eine Versöhnung der Gemächer da unmöglich wird. Wir bitten hiervon allseitig Notiz zu nehmen. _ > Die Redaktion. *) Der eine Brief, unterzeichnet „Israel. Gemeiudevorstand Philipp Kornitzer, Kantor hiesiger Gemeinde" droht sogar uns bei der Regierung zu denunziren, wenn wir etwas wider den Rabbiner aufnehmen! l!