Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1845)
- Date
- 1845-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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Frühstück und Abendbrod, wofür sie 10V* Sgl. erhielten; sowie mit Bädern, Douchebädem und der nöthigen Arznei; wozu jedem noch von der wohllöblichen Badedirektion ein dreiwöchentlicher Zuschuß, von je wöchentlich 5 Sgl. gereicht wurde. Diesen fehlte am Nötigsten nichts, und einige Mängel abgerechnet, da der erste Versuch bei so schwachen Kräften nicht vollkommen sein konnte, kann das Loos dieser, während der Kur, nicht zu den bedauerlichen gezählt werden. Letztere hingegen, deren Zahl ebenfalls 15 Personen war, mußten bei dem Zustande, wie es in früheren Jahren war, belassen werden, und erhielten sie Freibäder, Douchebäder, und eine wöchentliche Unterstützung von 15 Sgl. mit einem dreiwöchentlichen Zuschuß von der wohllöblichen Badedirektion von je 5 Sgl. wöchentlich. Daß wir das Loos dieser Letzteren nicht verbessern konnten, daß sie, wie schon früher, mit Elend und Noth kämpfen mußten, hat uns tief betrübt; konnten aber bei dem besten Willen nicht mehr für sie thun. Unsere Bilanz hat gezeigt, daß kein bedeutender Ueberschuß war; und dabei mußten wir noch kargen, um nur unser einmal begonnenes Werk nicht im ersten Versuche fallen zu lassen. Jene Gemeinden aber, die diese Kranken mit Armenattesten versehen, hierher gesendet; die da wußten, welchem Elend dieselben entgegengehen, haben sie recht gehandelt, sich dem wohlthätigen Gesammtinteresse zu entziehen, während sie ihre Lasten dem Gesammtunternehmen ausbürdeten? Heißt es nicht dem Armen Hohn sprechen, wenn man ihn in gewisses Elend ziehen läßt, während sein ohnedies trübes Loos durch ein geringes Opfer gemildert, ja leidlich gemacht werden kann? Jene Gemeinden würden gewiß nie einen ihrer armen Kranken dem Elende aussetzen, so lange er in .den Mauern ihrer Stadt weilt; ist er aber ihrem Gemeindeverbande weniger zughörkg, weil er denselben aus kurze Zeit verläßt, um im Bade seine Gesundheit zu suchen; seine Gesundheit, durch die er vielleicht auf immer ihre Unterstützung entbehren kann? Muß ihm nicht hier am fremden Orte, die Unterstützung seiner Gemeinde noch eher werden; bedarf er derselben nicht noch mehr als zu Hause, wo ihn jeder kennt, jeder gerne hilft? Jene Gemeinden sollten mit Freuden eine Stiftung begrüßen, die ihnen Gelegenheit giebt, ihre Armen auch in der Fremde zu stützen! Gemeinden, die nie arme Kranke hierher geschickt, die vielleicht die Hoffnung haben, nie welche hierher zu schicken, solche Gemeinden haben sich durch nnsern Ausruf bewogen gefunden, unser wohlthätiges Unternebmen zu fördern; und Gemeinden, die noch nie verfehlt, und vermöge ihrer örtlichen Lage zu den hiesigen Bädern, nie verfehlen werden uns ihre Armen zuzuschicken, diese Gemeinden haben es für nnnöthig, vielleicht gar für unnütz gehalten einer Anstalt beizustehen, die ihre eigene Arme unterstützt! Und doch waren es ja nur freiwillige Gaben, um die wir baten, die, wenn sie auch noch so gering gewesen, mit Freuden und herzlichen Dank ausgenommen worden wären. Aber wir-müssen überhaupt bewundern, daß unser Aufruf im Allgemeinen so wenig Anklag gefunden, daß von mehr als 150 Gemeinden der diesseitigen Provinzen unseres Staates, an die wir uns direkt gewendet, sich nur 25, und von Privatwohlthätern sich nur zwei der leidcndenden Armuth hier angenommen haben! Ein so lauliches Aufnehmen und Nichtbeachten einer so wichtigen Sache haben wir nicht erwartet, nicht erwarten können. Vertrauend der stets bewährten edlen Theilnahme des Israeliten an die Leiden seiner Brüder; überzeugt, daß Mildthätigkeit.zu üben er nie läßkg gefunden worden, haben wir die schönsten Hoffnungen gehegt, uns mit den glänzendsten.Erfolgen geschmeichelt; aber leider, dem war nicht so'.! Die größten, berühmtesten Gemeinden die sonst mit gutem Beispiel voran leuchten; die sonst nie vergebens um Unterstützung der Leidenden angegangen worden, selbst diese haben unsere Bitten unbeachtet, die Noth ihrer Glaubensbrüder unberücksichtigt gelassen. Und doch dürften die Opfer, die sie bringen sollten, nur klein sein! Wenn sich die Gemeinden nach Verhältniß ihrer Mittel mit 2, 5, 10 bis höchstens 15 oder 20 Thaler jährlich interessiren wollten, so wären dies gewiß keine beschwerten Ausgaben; da sie durch Sammlungen aufgebracht werden könnten; unsere Armenkasse aber würde dadurch zum besten Gedeihen gelangen. Und liegt es nicht im Interesse jeder Gemeinde dies Unternehmen zu fördern? Es liegt in der Möglichkeit, daß jede Gemeinde für ihre Armen die hiesigen Bäder uns daher auch die Unterstützung unserer Armenkasse einst beansprechen könnte; die Beiträge aller Gemeinden sind demnach, abgerechnet der edlen Förderung eines allgemein mildthätigen Zweckes, als ein Zusammenwirken zur gegenseitigen Unterstützung ihrer Armen zu betrachten. Und mir wagen zu behaupten, daß es kaum eine wohlthätigere Anstalt giebt, als die in Rede stehende. Jede Gemeinde hat ihr Krankenhaus, und sei sie noch so klein, noch so arm, sie wird ihre dürftigen Kranken versorgen und sie vor Mangel schützen; denn das ist ihre Pflicht. Hat aber der Arme des Bades nöthig, muß er, um seine Gesundheit zu erlangen-, in die Fremde unbekannt und verlassen seinen siechen Körper tragen, welch Ungemach, welcher Kummer erwartet ihn da! Die ihn in seiner Heimath unterstützt und versorgt, die sind fern, und er begegnet nur fremden, unbekannten Leuten, die, wenn sie auch Mitleid fühlen und gerne helfen möchten, doch nicht allen, nicht durchgreifend Helsen können. So steht er denn da, entfernt von seiner Heimath, von seinen Lieben, jeder Stütze Lar, dem Elend und der Noch preisgegeben! Giebt es noch eine größere Wohlthat, als hier helfen; als den leidenden, hülflosen Mitmenschen von so drückender Noth befreien? Ist es nicht Pflicht jeder Gemeinde, jedes edlen, wohlthätigen Israeliten ein solch Werk der Barmherzigteit zu fördern? Wir aber im Bewußtsein unseres rechtlichen Streben, mit der festen Ueberzeugung für das Wohl armer, kranker Glaubensbrüder wirken zn wollen, wir werden nicht ermüden, nicht zurücktreten, wenn auch unser erster Versuch nicht ganz geglückt; beharrlich wollen wir unser begonnenes Werk fortsetzen, stets das schöne Ziel Menschenglück, Menschenwohl vor Augen haben, und so Israel noch seinen Charakter, den der Mildthätigkeit und Barmherzigkeit bewahrt, wird unser Streben nicht vergebens sein. Wir wenden uns demnach nochmals an alle wohllöblichen Vorstände jüdischer Gemeinden unseres Staates, so wie an alle wohlthätigen, barmherzigen Glaubensbrüder mit der ergebensten Bitte: Die Noch und das Elend der jüdischen, armen Badegäste hier erwägen, und durch Beiträge an unsere Armenkasse deren Abhülfe fördern wollen. Möchte sich unsere Bitte diesmal eines größern Erfolges zu erfreuen haben; und möchten sich auch recht viele Privatwohlthater durch milde Gaben und fromme Legate für unser Unternehmen interessiren, damit hier, was sehr nöthig ist, endlich auch einHospital erbaut werden könnte, dann wäre das Werk der Wohlthätigkeit befestigt, und jene edle Geber würden sich ein ewiges Verdienst, ein nie verlöschendes Andenken stiften. Schließlich ersuchen wir alle wohllöblichen Gemeinde-Vorstände ihre geneigten Beschlüsse uns bis ultimo Febr. k. I. zukommen zu lassen, damit wir unsere Anordnungen darnach treffen können. Den wohllöblichen Gemeinden, die uns vorige Saison mit ihren milden Gaben unterstützt, danken wir nochmals, hoffend, daß sie auch ferner unserer Armenkasse ihrer Unterstützung nicht entziehen. Warmbrunn im December 1845. Die Verwaltung der jüdischen Badearmenkasse Hermann Schneller. W. Frankel. Druck von I. B. Hirschfeld.