Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 2 (6.1.1845)
- Date
- 1845-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ix. Jahrgang. Allgemeine No. 2. Zeitung des Zudenthums. Ei» unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur: Verlag von »r. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. KU Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 6. Januar 1845, Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes d.etselüen die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (I Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 221 Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt wordelr. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhal t. Leitender Artikel: Skizzen über das Alter der jüdischen Gebete. Harfenklänge zu den Wochenabschnitten der Schrift. II. Waera. Zeitungsnachrichten: Nordamerika: Rodenberg. Rußland: St. Petersburg (Schluß), St. Petersburg. Preußen: Berlin, Königsberg. Oesterreich: Wien. Deutschland: Frankfurt am Main, Hamburg, aus dem Würtembergischen. Literar. Nachrichten: Magdeburg sNachbiblische Literatur und Sprache). Leitend er Artikel. Leipnick, den 22. Dezember. Skizzen über das Alter der jüdischen Gebete, von D. Oppenheim, Rabbinatskandldat. Zu den wichtigsten Monumenten der jüdischen Geschichte gehören unstreitig die Gebete, welche sich von allen anderen, durch hohes Alter, eigenthümliche Färbung und wahrhaft nationalen Charakter vortheilhaft auszeichnen. Unverkennbar sind den meisten jüngeren Gebeten die traurigen Züge der noch traurigem Geschichte des niedergebeugten Volkes eingedrückt; aber auch an den älteren und sogar ältesten Gebeten sind deren Spuren nicht zu verkennen. Es gehört recht oft zum wichtigen Verständniß derselben eine genaue Kenntniß von deren Entstehung und Entwickelung, und in der Thal kann man wirklich jedem einzelnen Gebete seine Geschichte, wie es entstanden und sich ansgebildet und an seinen Platz in dem Gebetzyklus, gekommen ist, beifügen. Das Judenthum hat seine Basis in der Geschichte, seine ganze Lebenskraft pulsirt darin, alle seine erhaltenden Elemente entströmen ihrem reichen Borne. Auch die Gebete tragen fast durchgehends diesen Charakter an sich. Die Erinnerung an unsere Leidensgeschichte, an Aegypten, an andere denkwürdige Perioden, machen die wichtigsten Theile derselben aus und spielen darin die Hauptrolle. So sind viele Psalmen, als die erhabensten Muster wahrer nationalen Begeisterung und echter Volkspoeste entstanden (Psalm 78, 105 ff.); dahin gehören die kräftigen Gebete in der Chronik K. 16, 8 — 37, Nehemias K. 9, 6 — 35, und die zur Legion angehäuften Pintim,. worunter viele auf Klassizität mit Recht Anspruch machen; z. B. das schöne Ahalela, am Mussaf des Neujahrs, von Jose ben Jose (viele Rapepurts Biographie des Kalir Nota 20, die wir oft Gelegenheit haben werden zu zitiren). Es sind aber eben die Letzteren, nämlich die Pintim, welche in »euerer Zeit, seit dem sich ein regeres Leben für Geschichtsstudium entfaltete, am meisten und gründlichsten bearbeitet worden. Man übersetzte, kommentirte, kritisirte an den Pintim mit regem Eifer. Die Werke eines Heidenheim, die historischen Arbeiten eines Rapoport, Zunz, Luzato und Dukes thaten darin das MögL lichste. Desto weniger erfreueten sich bisher die täglichen Gebete einer tüchtigen Bearbeitung; die doch ^hres hohen Alters und allgemein angenommenen Ge-