Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1845)
- Date
- 1845-01-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
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10 schränkungen; vor Allem aber färbt sich der kleingeistige Sinn, das kleinftadter Leben, das hier noch in voller Blüthe steht, im Judenhasse ab. Es giebt keine judengehässigere Blätter als die drei; „der Allgemeine Anzeiger, die Dorfzeitung und der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts." Alles, was Judenthum ist, ist diesen drei ein Dorn im Auge, fo wie es kein Land giebt, in welchem die jüdische Religion eine gewaltsamere Mißhandelung erlitten hat, als im Großherzogthum Weimar. Es giebt dort Gemeinden, die, unter dem Rabbinat des Herrn Heß, seit vielen Jahren keinen öffentlichen Gottesdienst geübt haben, indem der gebotene deutsche Gottesdienst ihnen ein solcher nicht ist, und der von ihnen hinterdrein angestellte nach altem Schnitt nicht ein öffentlicher genannt werden kann. —- Selten ist daher in jenen Landchen eine Stimme zu Gunsten der Juden, ihres Rechts und der Wahrheit. Als solche können wir den „Neustädter Kreisboten" bezeichnen, ein in Neustadt an der Orla erscheinendes Wochenblatt. In No. 91 und 92 desselben steht eine kräftige Widerlegung eines in No.2v9 des Allg. Anzeigers befindlichen Juden-Schmähartikels, die wir der Gesinnungsfestigkeit wegen, die diese Erwiderung auszeichnet, nicht unerwähnt lassen wollen. Sie ist unterfertigt „Adalbert Prokop," und, wie 'wir bestimmt wissen, dieser pseudonyme Name deckt einen Christen. Der Schluß des Aufsatzes ist. „Fürsten und Landstände! setzet die Juden in die Rechte der Menschen und Staatsbürger ein und sie werden gewiß das Vertrauen bestens rechtfertigen, wie dieß allenthalben der Fall ist, wo man sie der Emanzipation gewürdigt hat. In derselben liegt weder jetzt noch künftig die geringste Gefahr jund das Geschrei der falschen Frömmler und boshaften Seelen gleicht dem Unkenrufe in den Leichen, das keiner Beachtung würdig ist. Die Emanzipation der Juden wäre ein Triumph des Zeitgeistes, dessen Schwingungen sich durch keine Fessel und äußere Form aufhalten lassen. Geschehe dieß aber dennoch, so wäre es ein Mißgriff, den die jetzigen und künftigen Geschlechter vielleicht schwer büßen müßten, denn die Vergeltung bleibt nicht aus: der Bürgerkrieg, der jahrelang das schöne Spanien vor den Augen des gebildeten und angeblich aufgeklärten Europa zerfleischt — was 'ist er anders, als die Wiedervergeltung der verübten Gräuel bei der Entdeckung Amerikas? Ebenso ist die Zurückhaltung' der Judenemanzipation ein Gräuel vor dem Forum der Vernunft und Gerechtigkeit, der sich nie und nimmer und durch Nichts rechtfertigen läßt. Der blendende Glanz der Scheingründe gegen die Judenemanzipation verdunkelt sich an den fleckenlosen Lhatsachen der Gegenwart, die klar und ruhig prüft, aber auch bedächtig und sicher vorwärts schreitet. Auf ihrem Wege begegnet ihr auch demüthig der Emanzipation der Juden, in deren Mitte sich ebenso viele brave und kluge Leute befinden, als bei jeder anderen Partei. Die Gegenwart würdigt ihre bescheidenen Bitten und setzt sie in die alten Rechte und Würden ein, welche ihnen die Unvernunft entzog, die ihnen aber schon von Gott und Rechtswegen gebühren. Das helfe Gott!" Literarische Nachrichten. Leipzig, 15. Dezember. So eben wird die 19te Lieferung des Bandes II. des Philippso n'schen Bibelwerkes ausgegeben.. Dieselbe reicht bis Kap. 13 fin. des Jefchajah. Der Kommentar unterzieht den Propheten einer abermaligen Kritik, deren Ergebnisse den bisher von der Kritik ausgestellten Ansichten zumeist widersprechen. Eine kühne Lust des Zerstörens und Zerreißens hatte sich gerade dieses gewaltigsten Erzeugnisses der Pcophetenwelt bemeistect, und trotz der schwachen Kenntniß der damaligen asiatischen Verhältnisse und Geschichte, wo nur mühsam und schwankend die Berichte der Griechen mit denen der Schrift ausgeglichen werden können, auf diesen hohlen Grund hin, die Kapitel, ja Verse des Jeschajah auseinandergelöst und in die verschiedensten Zeiten verwiesen. Eine Revision dieser Kritik war nothwendig, um den falschen Schimmer, mit dem sie sich zu umgeben gewußt, zu zerstören. In der eben fertig gewordenen Lieferung kann man z. B. auf Kap. 13 (und 14) verweisen, wo fast V. nach V. die Echtheit erwiesen worden. Die Uebersetzung sucht, ohne modern metrische Messung, dem rhythmischen Gange des Originals sich anzupassen. Aus Mittelfranken, im November. Der Lehrer S. Krämer in Altenmuhr, Verf. der auch in diesen Blättern rezensirten „Familie Hoch" und „Hof-