Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1843)
- Date
- 1843-12-11
- Page
- Seite 743 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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743 kommt, es aber im Interesse des Staates selbst liegt, Talente und Befähigung nicht unbenutzt zu lassen. Mag das Wort des freisinnigen Verfasser eine gute Stätte finden. — Hofagent Maier, der Jude des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Volksschrift für Israeliten (,) verfaßt von Simon Kramer, Lehrer. Nördlingen, 1844. Der Verfasser har schon früher eine ähnliche Erzählungsschrift, „die Schicksale der Familie Hoch," herausgegeben. Wir können in der vorliegenden einen unverkennbaren Fortschritt bezeichnen; der Faden der Erzählung ist einfacher, natürlicher, die "Sprache reiner, die ganze Haltung geschmackvoller. So ist das Schriftchen wieder ein Stein zu einer Volksliteratur, die noch zu den „frommen Wünschen" gehört. Und doch wäre diese so wirksam. Unsere Erzählung hat den Zweck, eine Menge von richtigen Ansichten über Erziehung und bürgerliche Stellung, so wie über die jüdischen Religkonsverhältnisse döm Volke auf gefällige Weise zugänglich zu machen. Als ein rother Faden zieht' sich dann die Mahnung, der Religion treu zu bleiben, und wie dies trotz den Forderungen des Lebens auszuführen sei, hindurch. Wir empfehlen daher das Büchlein recht dringend. — Vokabularium zum Pentateuch, zur leichtern Erlernung (?) desselben, nebst Bkegungstabellen der hebräischen Substantiva und Verba für Schulen und zum Prkvatgebrauch bearbeitet von Joel Nathan, israel. Lehrer zu Danzig. ' Nebst Vorwort des Herrn Dr. Bram, Direktor der israel. Freischule. Danzig, 1844. Das Büchlein giebt zuerst die Vokabeln jedes Kapitels mit der gewöhnlich angenommenen deutschen Bedeutung, dann das alphabetische Wortregister mit der Hinweisung, wo es zu finden, endlich Tabellen über die Haupt-, Zahl- und Zeitwörter. Jedem Schulmanne wird die nützliche Anwendung des Buches einleuchten, indem es beim Unterricht im Pentateuch, fo wie in der hebräischen Sprache überhaupt viel Erleichterung verschafft. — tnp ■»rns, Orientalische Dlüthen. Enthalt 52 Fabeln in Versen und zwei Heldengedichte: Gideon und Iiftach, in hebr. Sprache von B. Kewall, Erzieher und Sprachlehrer. Wien, 1843. Der Vecf. hat seine Erzeugnisse, für den - Kreis der Leser bestimmt, die, mit guter Kenntniß'des ausgerüstet, eine leichthinfließende Sprache und einen ruhigen Ideengang lieben und begreifen. Auf hohen poetischen Schwung und Flug macht er von vorn herein keinen Anspruch. Dieser Aufgabe hat er auch vollkommen genügt. Die Fabeln sind meist bekannten Inhalts, doch hat er die Form originell verändert, und namentlich ihnen oft eine, auf das Ende hin angenehm zulaufende, epigrammatische Spitze zu geben verstanden. In den beiden größeren Gedichten werden die Thaten Gideon's und Iiphtachs einfach, aber gemüthlich erzählt. Das Büchlein entspricht feinem Zwecke vollständig, und ist gut ausgestattet. — Belletristisches. Rabbi Juda Chasid's Mauer;u Nlarms. *) (Eine jüdische Sage von A. Tendlau.) Hin zur Frauen-Synagoge, Die zu Worms am Rhein, Führt ein Gäßchen, ihr zur Linken, Dunkel, schmal und klein. Hier verweilt dein Führer, deutet Auf die Mauer dran, „Rabbi Juda Ehasid's Mauer!" Sagt der alte Mann. Eine Blende ist es aber,. Was dein Aug' erblickt. Wie von einem Menschenkörper, Rückwärts eingedrückt. Und befragt dein Blick den Alten, . Was dieß heißen soll? . . So beginnt er, aufwärtsschauend, Leis' und wehmuthsvoll: „Dieß ist auch noch so ein Denkmal Aus der düstern Zeit, Wo zum Bösen uns der Gegner Allzeit war bereit." „Aber auch ein herrlich Zeichen Von der Macht des Herrn; Unsrer Zeit, ach, ohne Glauben, . Bleibt das Wunder fern." — °) Nach Maase Nissim No. 8. — Mit einiger Veränderung auch Scbalsch. Hakk. S. 42. — Der Rabbi starb 1217 zu Regensburg. — Aus einer noch ungedruckten zweiten Sammlung jüdischer Sagen und Legenden.