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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-12-04 · Heft 49 (4.12.1843) · p. Seite 734

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 49 (4.12.1843)
Date
1843-12-04
Page
Seite 734 (sequence 14)
Language
German
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Hauses. Dieses Spital, das vordem, wegen der Unordnung, Saumseligkeit and Unreinlkchkeit, die in demselben herrschten, den Juden selbst zum Sprüchwort diente, wurden ineinigen Jahren, durch den rastlosen Eifer und die unerschütterliche Ausdauer I. Epstein's, vorzüglich aber durch die beträchtlichen Beiträge, die er theils aus eigenen Mitteln, theils durch. Aufmunterung und AnfeUerung von Anderen zusammenbrachte, zu einer Anstalt ^erhoben, die, wo nicht die erste, doch ohne Widerrede^zu den ersten dieser Art in Warschau gezahlt wird; ja mach dem Ausspruche berühmter Aerzte und urteilsfähiger Reisenden, ja selbst zu den besten von ganz Europa gerechnet werden kann. Welchen Ankampfungen und Widerwärtigkeiten I. E. auch hier ausgesetzt war, dürfte schwerlich zu beschreiben sein; doch jedes Hindrrniß mußte an seinem Glaubensmuthe und an seiner eisernen Beharrlichkeit'scheitern. Ein neues Prachtgebaude wird erbaut, eine vortreffliche Apotheke eingerichtet, tüchtige Aerzte angestellt, die kostbarsten Instrumenten und Uten-' silien angeschafft, und so gewann diese Anstalt ein solches Ansehen, daß selbst mehrere von bedeutendern Christen nach monatlangen Leiden in andern Krankenhäusern, zum jüdischen Hospital ihre Zuflucht nahmen, und dasselbe nach völliger/ Genesung mit dankerfülltem Herzen verließen. Se. K. K. Majestät Nicolaus der Erste, der dieses Institut zu besuchen geruhete, die bleibenden Verdienste I. Epstein's uro dasselbe anerkennend, würdigte denselben zum Ehrenbürger zu ernennen, eine Ehrenstufe die, meines Wissens, noch kein Israelite vor ihm in Polen erreicht hatte. In spätem Jahren, nach glücklicher Verhekrathung aller seiner Kinder, zog sich I. E. von allen kaufmännischen Beschäftigungen zurück, und widmete den größten Theil seiner Zeit blos den Angelegenheiten der Gemeinde und der Aufsicht über das Hospital. Er besuchte dasselbeinsofernihn nicht.Gesundheitsumstande zucückhielten, mehremal täglich; untersuchte alles mit eifriger Aufmerksamkeit; nichts entging seinem Scharfblicke; die mindeste Unordnung oder Unreinlichkeit unterlag der Verantwortlichkeit; an keiner .Bequemlichkeit durfte es dem Kranken mangeln, und - die geringste Vernachlässigung zog eine strenge Rüge nach sice - In diesen und ähnlichen Beschäftigungen wirkend, erreichte -I. E. sein 72stes , Lebensjahr.. Eine. Krankheit, an-der .er jahrelang zu leiden hatte, .nöthigte ihn nach den Bädern von Warmbrunn zu reisen. Mit dem besten Erfolge gebrauchte er dieselben wahrend der ganzen Kurzeit; schon nar alles zu seiner Heimreise vorbereitet; schon freuten sich die Seinen der baldigen Ankunst des Genesenen; nur das letzte Bad sollte er noch nehmen —: da überraschte ihn plötzlich der Tod, und machte so seinem verdienstvollen Leben ein Ende. Die Liebedie Achtung und das Ansehen, deren sich I. E. bei seinem Leben zu erfreuen hatte, bewahrten sich, noch mehr nach seinem Tode. Mit Blitzesschnelle durchlief die Trauerbotschaft, daß^er nicht mehr lebte, die hie-' sige Gemeinde, und erfüllte/den größten und bessern Theil derselben mit der tiefsten.Betrübniß. Selbst seine Neider mußten,' wenn auch nur aus' Furcht vor der öffentlichen Meinung, die Größe des Verlustes, eingestehen, und ihr Bedauern laut zu-erkennen geben. Die in Warmbrunn beerdigten Gebeine des Hingeschiedenen, wurden auf das dringendste Verlangen der Seinen aus dem Grabe genommen Und feierlich -nach Warschau exportirt. Nur giftiger Neid oder finsterer Fanatismus dürften es verargen, wenn eine trostlose greise Gattin, in verzweifelnder Trauer versenkte Kinder, und eine, von dem ihr unersetzlichen Verluste tief durchdrungene Familie, alles anwandte, um die theuern Reste des Heißgeliebten und Hochverehrten in ihrer Nahe zu wissen; auf der Grabstätte desselben ihre Gebete zu verrichten, und von dort aus ihr von Gram zerrissenes Herz vor dem Geiste des Seligen auszuschütten. Bei der Nachricht von der Ankunft der Leiche strömten mehr als zwei Theile der hiesigen Gemeinde derselben entgegen. Die so belebten von Juden bewohnten Straßen standen menschenleer da, und schienen so an der allgemeinen Trauer Theil zu nehmen. Der höchst geräumige Begrabnißplak und die umliegende Gegend waren mit Menschen und Wagen überdeckt. Ohne Widerrede ist, so langem die jüdische Gemeinde zu Warschau existirt, keine so große Menschenmasse bei dem Leichenbegängnisse.irgend eines Israeliten gesehen worden und obgleich der Trüuerzug und die Todesfeier über acht Stunden dauerte, und die Sonnenhitze drückend war, verließ doch keiner den Begrabnißplatz vor dem Hinabsenken der Leiche. Auch Christen höher» Ranges begleiteten dieselbe bis auf-den Gottesacker und wohnten der Zeremonie bis zum Ende bei. Ein angesehener Rabbiner hielt in jüdischer Sprache, eine, das Lob und die Verdienste des Seligen auseinander-- setzende Leichenrede. Sodann trat Herr vr- Goldschmidt, Prediger an der genannten deutschen Synagoge, vor die Bahre, und anfänglich mit tieferschütternden, herzergreifenden Worten die Größe. deserlittenen Verlustes schildernd, tröstete er nachher die tiefbewegten Zuhörer mit dem Hinblick auf jenes Dasein, wo die Thronen von jedem Angesicht Hinweggewischt. werden und der Tugendhafte und Gerechte sich nur unvergänglicher Wonne zur Rechten Gottes erfreuen. Aus Rücksicht auf das Zartgefühl der schätzbaren Familie Epstein's übergeht Referent mit Stillschweigen die Massen Geldes, die nach dessen Tode zu wohlthatigen Zwecken verwendet wurden. Doch kann er die Erwähnung nicht unterlassen, daß der -Geist I. E's. bis jetzt in seinen Kindern segensreich fortwirkt, und die Bedrängten und Nochleidenden in denselben Stellvertreter ihres würdigen Vaters mit Zuversicht erwarten, und zuversichtlich auch finden werden. I. M. El..na. Druck von I. B. Hirschfeld.

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