Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1843)
- Date
- 1843-12-04
- Page
- Seite 733 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Durch, den am 16. August erfolgten Tod des. Herrn Jacob Epstein, Ehrenbürgers, Mitgliedes des Oberaufsichtsraths der Wohlthätigkeitsanftalten, Oberpräsiden- Len des jüdischen Hospitals und Vorstehers der israelitischen Gemeinde zu Warschau, hat dieselbe einen Schlag erlitten,< von dem sie sich-nicht so leicht erholen dürste. Ein kurzer Abriß des rastlosen und segenreichen Wirkens dieses merkwürdigen Mannes muß wohl das, Interesse eines jeden, seine Nation liebenden Israeliten erregen, und wird daher auch in Ihrem schätzbaren Blatte eine günstige Aufnahme finden. Jacob Epstein wurde 1771 in Zarki, einem unbedeutendem Stäbchen in Polen, von zwar frommen und angesehenendoch unbemittelten Eltern geboren. Wer sich des, Bildungszustandes der Juden in Polen, selbst noch vor zwanzig, Jahren zu erinnern vermag, wird sich leicht einen Begriff machen, von welcher Beschaffenheit derselbe erst vor siebzig Jahren gewesen sein mußte, und welcher Erziehung I. E. in seiner Kindheit und frühem Jugend genossen'haben konnte. Doch eben dieserin allen Finsternissen des Aberglaubens und unter den mißlichsten Verhältnissen erzogene Knabe hat sich späterhindurch eigene Geisteskraft,, unermüdete Thätigkeit und edelmüthiges Betragen zu einer Stufe emporgeschwuvgen,. die, vor ihm, noch, kein Jscaelite zu erreichen vermochte. Um seinen dürftigen Eltern nicht beschwerlich zu fallen, sah sich.J E. genöthigt seine Vaterstadt in früher Jugend zu verlassen, und in Warschau, ein spärliches Unterkommen zu suchen. Mit unsäglichen Schwierigkeiten in den ersten Jahren kämpfend, brachte er es doch späterhin so weit, daß er ein kleines Vermögen sammelte, und auf eine zwar mühsamedoch redliche Weife, seine Lage und die seiner armen Familie, die er stets'nach allen Kräften zu unterstützen suchte, ziemlich verbesserte. Ein wohlgefälligeseinnehmendes Aeußere-, ein angeborner feiner Takt im Umgänge mit Hohem' und-Niedern., ein durchdringender, klarer Gegenstand und endlich eine rastlose, unermüdete Thätigkeit, gewann ihm? in Kurzem nicht nur das Zutrauen und die- Zuneigung der angesehensten Israeliten jener Zeit, sondern auch die Wohlgewogenheit vornehmer Christen, ' ja selbst den Eintritt in den Kreis des hohem Adelstandes. Wichtige Geschäfte wurden ihm anvertraut; sein Scharfblick fowol im' Auffassen als auch seine Umsicht in der Leitung und Ausführung derselben, wußten alle Schwierigkeiten,, die. sich ihm,_im Lause derselben darbieten mochtenzu besiegen, und selbst äußerst verwickelte Angelegenheit brachte er mit glücklichem Erfolge zu Ende. Bei solchen Empfehlungen dehnte sich der Kreis seiner Bekanntschaften immer mehr aus; seine Beschäftigungen nahmen an Bedeutenheit und Umfange immer mehr zu, wodurch nicht nur seine Vermögensumstände, sondern er selbst an geistiger Bildung und zeitgemäßen Ansichten, bedeutend gewinnen mußte. So war er einer der ersten unter den hiesigen JfMlitett, der die alte jüdische Tracht verwarf, seine S'öhve die öffentlichen Schulen Gesuchen ließ (beides zu damaliges Zeit als höchste Ketzerei bei den Juden verpönt) Und' überhaupt alles anwandte, seinem Hause eine dem Zeitgeist entsprechende Umstaltung angedeihen zu lassen. Ob nun wohl I.' E. im Wohlstand, Ansehen Md Ehre immer mehr emporstieg, richtete er fortwährend sein Augenmerk auf seine arme Familie und seine greisen Eltern. Aufs reichlichste wurden sie von ihm unterstützt, und so oft sich nur die Gelegenheit darbot, gab er ihnen' Beweise seiner dauernden Liebe und kindlichen Verehrung. Dochauch nicht zu seinen Verwandten Gehörigefanden bei ihm, ohne Unterschied des Glaubens, Üntlekstützung und Beistand, und wer ihn nur darum ansuchte, dem ging er mit Rath und That liebreich an die Hand. Von der' ksraelitischen warschauer Gemeinde zu einem ihrer Vorsteher erwählt, leitete er deren Interessen mft staatsmännischer Klugheit und Umsicht, und suchte stets die Rücksichten der Gemeinde mit denen der Negierung in Einklang zu bringen. Tiefer als die andern in die' Erfordernisse des Zeitgeistes eindringend, hatte er nicht selten mit Obskurantismus und Scheinheiligkeit, mit Mißgunst und Neid einen harten Kamipf zu kämpfen 5' doch mußten Mich sie sein Uebergewicht an tiefer Einsichttreffenden Rath schlagen .und vielumfassender Sachkenntniß anerkennen und. sich wider Willen seiner Leitung ergeben. Solche Verdienste und Vorzüge konnten den Augen' einer väteclichgesinnten Regierung nicht lang verborgen bleiben. Se. K. K. Majestät Alexander der Erste belohnte ihn mit den, den Juden in Polen so schwer zw' erlangenden Privilegien 1>es Bürgerrechtes. Durch feine Menschlichkeit und sein liberales Betragen überall' geächtet, ernannte ihn der nur aus vornehmem Christen M stehende Oberaufsichtsrath der Wohlthätigkeitsanstaltm -zu seinem Mitglieds, und nicht wenig trüg I.-E. zw dessenheilsamen Zwecken bei. Auf solcher Chrenstufe stehend-' schämte er 'sich dennoch seines vorigm ärmlichen: ZüstÄNdes nicht. Wie oft unterhielt er: sich nicht mit ftimw verzagenden Glaubensbrüdern von seimm früherN LebeUs-' laufe; von dm i Mühseligkeiten, die er' zu bMmpfen hatte; wie ihn Gott, aus so vielen Bedrangn!ffen<erkettet- und in einen, solchen Wohlstand' zu versetzen gewüröiM Und wohl mochte dieses eine Belohnung von' obenher" sein, für die seltene Kindesliebe die I E. jeder Zeit gegen seine Eltern hegte, und die sich selbst nach ihr6ru- Tode fortwährend bekundete. So oft er von ihnen zu' reden Gelegenheit hatte, strahlte sein Angesicht von-der! innigsten Zärtlichkeit und der tiefsten Ehrfurcht; ebendiese Gefühle wußte er auch feinen Kindern für dieselben: und daher auch für sich selber einuzflößen; sein Mink war ihnen Gebot, sein:Wort prophetischer'Aussprüchi. Das Hauptverdr'enst aber, daß M I. E. um die' hiesige Gemeinde erwarb, ist die Restauration oder vielmehr die gänzliche Umgestaltung des jüdischen Kranken-