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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-11-27 · Heft 48 (27.11.1843) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 48 (27.11.1843)
Date
1843-11-27
Page
Seite 719 (sequence 15)
Language
German
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müssen aber zwei Kretschmis neben einander liegen, damit ‘jnfi und nicht unter einem Dache bleiben). Nun beginnen die Konferenzen» Zuerst wird der Chusin (Bräutigam) geprüft , aber mol zu merken! nicht etwa ob er eine Frau ernähren kann, ob er überhaupt reif genüg ist, in einer so hochwichtigen Sache ein freies und angemessenes Urtheil äbzugeben, sondern: ob er aus einem gegebenen talmudischen Thema ein gutes Pschetil herausspinnen kann..-— Doch der Examinator, der eigens zu diesem Zwecke mitfährt und gewöhnlich ein befreundeter Lamdan aus der Gemeinde des Brautvaters ist, wird vom Schadchen bald gewonnen, und sein. xioüa.- ium est macht heutiges Tages gewöhnlich keine Schwierigkeiten. Anders ist, es jedoch mit den Geldangelegenheiten. Die guten Leute erfahren nun zu ihrem wahrhaften Mißvergnügen, daß sie vom Schadchen recht ordentlich dupirt wurden. Das Mißvergnügen steigert sich zum Aerger und was können nicht ärgerliche Leute thun? Der Schadchen indeß ist wohlweise nicht lange Zeuge dieses Gespräches, denn er nimmt im Stillen sein Reißaus, versteckt sich auf dem Heuboden des Wirthshauses oder sonstwo in einem abgelegenen stillen Plätzchen und legt sich da kganz gemüthlich schlafen, um jene Prüfungsstunde so recht eigentlich zu verschlafen. Während dem wird unten im Konferenzsaale ziemlich laut gesprochen und zwar in so eigenthümlichen Ausdrücken, daß Jeder schwören würde, man zanke sich da recht derb und — gemein. Die Verlobungskandidaten sind wohlweislich dabei nicht zugegen. Die Familienglieder und Jnvitirten beiderlei Geschlechts helfen natürlich ihrem Verwandten oder Freunde mitschreien und zwar recht herzlich. Die Sarwers (Festmeister) stehen bei ihrem Back- und Bratwerk bestürzt, aus Furcht sie möchten es unberührt nach Hause, zurück führen. Die Fuhrleute (Baal-Agules) sind müßige Zuschauer. Plötzlich erschallt eine Donnerstimme. , Jeder Mechiten donnert seinen Leuten zu: einpacken, einspannen und heimfahren! und man fängt wirklich sich zur Heimkehr zu rüsten an. Der Schadchen schläft, allein sein Geist wacht; denn er war auf diesen Moment vorbereitet und hat seine Einrichtungen darnach getroffen. — Eines der einflußreichern Familienglieder nimmt nun den einen Mechiten zur Seite und stellt ihm vor, welche unselige Folgen für ihn, seine Kinder und Kindeskinder bis in's vierte Geschlecht eine solche schmähliche Heimkehr haben müßte. Es ist wahr, heißt es, er ist vom Schadchen hintergangen, er ist gegenwärtig nicht im Stande eine so große Summa zur Aussteuer eines seiner Kinder zu verwenden, allein was ist zu machen? Die Hochzeit wird ja ohnedieß erst nach 4—5 Jahren statt findenman zahlt die Nedan - Raten jährlich in geringen Summen, wenn man zu Ende eine Rate schuldig bleibt, Mah-raasch? (d. h. thut auch nichts) und endlich: 's ja Gott aVuter! — Der zweite Mechiten wird von einem vertrauensvollen Glieds seiner Familie auf ähnliche Weise persuadirt, dabei fehlt nie das Refrain und von Geldwegcn gehet doch kein Schiduch ab! -Kurz und gut es wird so lange gesprochen (aber schon in einer tkefern Oktave), vermittelt und pazifizirt, bis der allgemeine Frieden hergestellt und die Aussöhnung der Mechitunkm sammt. der Verlobung, ihrer Kinder zugleich gefeiert .werden. Nun ist Freude und Jubel. Töpfe werden an die Erde geworfen (eine eigne Sitte'bei jüdischen Verlobungen in Polen) und ein tausendfältiges Maseltow! betäubt die Ohren. Mitten unter diesen erschallt ein Alles überragendes, gewöhnlich — zweifaches Masel- . tow! Alles siehet sich um und erkennt — den Schadchen. Man. ist' mit einander ausgesöhnt, also natürlich auch mit ihm, ja sein Manöver wird belachter nimmt nicht geringen Antheil an der Gesellschaft und. besonders, an. Teller und Glas, Md man fährt nach ausgewechselten Geschenken an das Brautpaar vergnügt und zufrieden nach Hause, wenn nicht wieder der Schadchen, wegen seiner Schadchuis (Hekcathsprüvision (!) über Feld bis fünf von Hundert vom Nedan des mehrgebenden), das er in seiner, ganzen Integrität und ganz allein behalten will (ohne wie es Mechitunim und ihre Anverwandten wollen, mit ihrem resp. Hausgesinde und besonders mit dem Melamed des Chusen zu theilen) wieder ein Mördspektakel verursacht und unter die eben verbundenen Familien den Saamen der Zwietracht säet, um .später die Verbindung rückgängig zu machen, wobei der Schadchen gewiß nicht im Geringsten verlieren wird, da er ja wieder zwei freie Verlobungskandidaten hat. Denn, beiläufig gesagt, die Beschäftigung des Schadchens ist nicht nur zu binden, sondern , auch zu , lösen, verstehet sich dann, wenn ein verhaßter Konkurrent einen Bund zu stiften im Begriffe ist (das nennt man in Polen, einen Schidech kalia machen). Ja, mancher Schadchen scheuet keine. Mühen und, Kosten und macht meilenweite Reisen zu diesem löblichen Zwecke. (Fortsetzung folgt.)

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