Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1843)
- Date
- 1843-11-27
- Page
- Seite 712 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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chenwagen^ alle christlichen Ornamente abnehmdn, und -Len Dahingeschiedenen unter zahlreicher Begleitung -in diesem mit vier Pferden bespannten Wagen durch und aus der Stadt führen, worauf die Leiche nach- Horic gefördert wurde. Und noch viele solcher schönen Züge lassen sich gewiß aus Böhmen .aufführen. Das Auffallendste, Schönste und Edelmüthigste bleibt aber immer unstreitig das Wirken und Streben -christlicher Vorstände für die siittliche, intellektuelle und religiöse Bildung des Juden. Daß .solche Leistungen dankbare Anerkennung und Aufmunterung von unserer Seite-verdienen, versteht sich von selbst. Daß es an dankbarer Anerkennung nicht fehlt ist gewiß; aber mit der Aufmunterung ist es unserer Seits wahrlich nicht am besten bestellt. Denn wovon man sich, w.enn als Aufmunterung dienend, den meisten Nützen verspricht , davon fürchte ich werden wir den größten.Schaden haben, nämlich von der sogenannten Reformation, von. den Reformfreunden und den Reformvereinen, welche allenthalben hie und da auftauchen- und nur innere Spaltungen Und' Zerwürfnisse Hervorbringen. Es ist ein großes Unglück für das Judenthum der Jetztwelt — verhüte Gott, daß es sich -auf die Zukunft erstrecke! — daß jene neuerungssüchtigen Männer bei dem Bestreben den Mosyismus zu verbessern und zeitgemäßer zu machen, das Kind, beinahe mit sammt dem Bade ausschütten. Denn wer will dasjenige verbessern, das in feiner,Vollendung da.steht, und wer will zeitgemäß machen , was für alle Zeiten paffend ist? Nur in dem Kopfe derjenigen, welche die mosaische Lehre in höchster Einseitigket aufgefaßt, konnte die Idee entspringen', Gegenstände, die wir — weil sie nur dem tiefer. Forschenden und besser Unterrichteten klar sind — wir ein Palladium verehren müssen — zu profaniren; und auf daß diese Gegenstände dem Nichtisraeliten zum Gespötte für uns dienen, wurde über selbe mit fast polemischer Stichelei in dem allgemeinsten aller gelesenen deutschen Blätter verhandelt. Verhandlungen dieser Art können uns selbst an den Augen der besser Denkenden herabwürdigen und mächtig dazu beitragen, daß Bruno Bauer und dessen Konsorten nur noch mehr Recht für ihre auf Verkehrtheit^ der Ansichten, auf Mißgunst und Falschheit basirten Aufsätze in Anspruch'nehmen werden. Aber auch in, der Gemeinde des Herrn können vergleiche Zeitungsartikels so wie Reformationen am Wesen des Mofaismüs überhaupt, mögen sie nun hypersöphistisch sein oder'nicht, nur doppelten Nachtheil anrichten. Wenn -irrende Schäfchenin der Heerde Jakob's sehen, wie ihre jungen Hirten sich weiser' dünkend als ihre Väter, alles was ihnen - schwerfällig scheint auf die Seite schieben;'und wenn sie sehen müssen, daß manche, die sich einbilden mit einem freiem. hellerdenkenden Geiste begabt zu sein, diese Hindernisse nicht mehr auf die Seite schieben, sondern daß sie wegreißen, was für sie nur den Schein der Hinderlichkeit hat — wie leicht ist es da möglich, daß irrende Zweifler zum Abfälle gebracht werden. Aber auch auf den wahren frommen „Zionswächter," welcher bei der Anhänglichkeit an den Glauben seiner Väter sich eifrig bestrebt die äußerliche Form des jüdischen Gottesdienstes, unbeschadet seinem innern Wesen, dem jetzigen Zeit^eiste anzupassen; auch auf solche Ehrenmänner, die mit-Recht das Lpitlietou ornans: Zionswächter verdienen, können solche Reformversuche*), mit den durch sie entstandenen Erklärungen u. s. w. nur paralysirend in' ihren Bestrebungen einwirken. - In der Gemeinde zu Nachod konnte es lange nicht gelingen, daß man den Bestrebungen der Israeliten der Jetztzeit dort Eingang verschafft; endlich wird es doch gelingen, denn das Gute dringt ja überall durch. Schon hörtman vor der zahlreichen Versammlung von Zeit zu Zeit-das Wort Gottes in deutscher Sprache verkünden, und ich komme gewiß dem Wunsche sehr Vieler nach,, wenn ich dem angehenden Rabbiner Herrn I. E. Wiesner, eben aus Nachod für seine gelungenen und oratorisches Talent beurkundenden Vorträge hiermit öffentlich danke, und um öftere Fortsetzungen ersuche. Wie schnell aber können ähnliche Zeitungsartikel, wenn dies auch in Nachod nicht der Fall sein wird , vielleicht , aber in andern Gemeinden, so einen jungen Redner verdächtigen, daß er jenen Reform verbreitenden Sektionen angehöre; und das Gebäude, daß er mit Mühe leider nur. auf schwachem Grunde aufzuführen begonnen, wird durch einen solchen Aufsatz bis auf den Grund niedergerissen. . *) S. Augsburger Allgemeine Zeitung vom heurigen Jahre No. 234. .