Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1843)
- Date
- 1843-11-20
- Page
- Seite 698 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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698 un- Aeußerungen derselben benützt ein Korrespondent der D: A. Z., um Maßregeln, wie „striktere Alienbill und strengere Regeln für Lizensirung der speziell jüdischen Branchen (!) des Detailhandels" zu empfehlen Maßnahmen, die in — England un-' möglich sind. Frankreich. Paris. Herr I. Cohen, Advokat in Aix, derselbe, der eine Mission an die Israeliten in Algier übernommen hat, ist zum offiziellen Defensor in Algier auf den Vorschlag des 'Kriegsministers ernannt worden. Hierdurch ist derselbe befähigt, am Orte selbst für die dortigen Glaubensgenossen'wirksam zu sein. (Arch. isr. de Fr.) Rußland und Polen. Madegburg, 15. November. (Privatmitth.) Ein russischer jüdischer Jüngling, Bgry, hat jetzt eine Broschüre geschrieben, in der er erweist, daß noch nie. ein Akt größerer Humanität geschehen, als die Vertreibung der Juden aus den Orten fünfzig Werste von der Grenze. Es stnd uns nur Bruchstücke dieses Büchleins bekannt geworden, die aber, weil sie.überhaupt viel Insolenz zur Schau tragen, U.nd wol nur auf eine andre Weise zu gewinnen suchen, was sie verlieren zu müssen selbst verkünden, .nämlich das Vertrauen der Glaubensgenossen, für obiges. Urtheil wenig Ansehn erwerben. Wir haben so eben folgende Einsendung erhalten: Brody, 26. Oktober. (Privatmitth.) Unsere letzten Feiertage sind uns .in Trauertage verwandelt worden.. Am verwichenen Schlüßfeste erhielten wir die uns so sehr betrübende und tief erschütternde Nachricht, daß in dem zunächst unserer Gränze liegenden Städtchen Radziwillow vom dortigen Poli? zximeister in der Synagoge publizirt wurde, daß der früher erlassene Ukas, in Betreff der Entfernung sämmtlicher innerhalb von fünfzig Wersten an dör Gränze wohnenden Juden, Wirklich in volle Kraft und Wirksamkeit trete, und die Eigenthümer - blos zwei Jahre Zeit haben, ihre Hauser zu verkaufen. — Also nach so vielen Beruhigungen) daß diese Plage sich blos auf die Bewohner des stachen Landes erstreckt, mach so vielen Zusicherungen der Korrespondenten in der Augsburger Allgemeinen, die sonst aus authentischen Quellen schöpfen, daß die Städtebewohner von dieser Geißel verschont bleiben , müssen wir, die wir so unglücklich sind, das bejammetnswerthe Elend unserer Brüder vor Augen zu haben, auf einmal wieder von der Hiobspost aufgeschreckt werden, daß alle an der Gränze wohnenden Israeliten von ihrem heimathlichen Heerd, aus ihren Häusern vertrieben werden,- da.s große und mannichfaltige Elend, das dadurch Hunderttausenden von^ Menschen bevorsteht, läßt sich schon voraussetzen, und muß auch den Herzlosesten rühren. — Unftätt und flüchtig sollst du sein, und . mit dem Schweiße deines Angesichtes Brod essen, wird zwar beim russischen Juden sehr oft wiederholt und in Ausführung gebracht, aber von so einer umfangreichen allgemeinen Vertreibung, die solch' einer Masse Menschen Unglück zur Folge hat, haben wir selbst in früheren Jahrhunderten kaum ein Beispiel. — Dieses soll eine Präventiv-Maßregel gegen, den Schmuggel sein, kann aber unseres Erachtens keineswegs diesen Zweck erreichen; denn -wenn wir auch schon zugeben wollten, daß Diejenigen-, die dieses Handwerk treiben, sämmtlich russische Juden sind, was aber, besonders an unserer Gränze, wo die meisten Schmuggler gallizische Christen abgeben, gewiß nicht wahr ist, wenn wir das auch zugeben wollten, so ist dem Nebel durch diese Maßregel keineswegs abgeholfen, denn man kann als gewiß annehmen, daß die Christen, welche an die Stelle der Juden sich ansässig machen sollten, es keineswegs verschmähen werden, sich dieses illegalen Verkehrs zu bedienen, denn wo eine Gränze und ein Prohibitiv-System vorhanden ist, da wird und muß geschmuggelt werden. Die Welt bezahlt das Verbotene und Ausländische um so theurer und lieber, als das Heimische, vielleicht Bessere, daß es stets Wagehälse genug geben wird, es ihr zu verschaffen; und daß auch Christen sich nicht entblöden dieses Metier zu führen, haben wir doch hinlängliche Beweise. Wer schmuggelt in den Pyrenäen, wo keine Juden ansässig sind? Eger ist eine Stadt in Böhmen an der sächsischen Gränze, wo buchstäblich kein einziger Jude zu finden ist, und doch sind alle Kaufläden, mit herübergeschmuggelten sächsischen