Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1843)
- Date
- 1843-11-20
- Page
- Seite 696 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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696 steigender Begeisterung vor der vor ihm offen liegenden K!ora eine lange gehaltvolle Rede, welche sichtlich aus die ganze Gemeinde einen solchen Eindruck machte, daß kein Auge thränenlos blieb, und jeder gestand, daß nie eine so. ergreifende Freude und erhebende Szene in hiesiger Synagoge stattgefunden. Des Nachmittags versammelte sich bei dem Herrn Oberrabbiner ein großer Theil der Gemeinde, welcher, um die Glückwünsche darzubringen , gekommen war, und blieb spät in die Nacht zusammen in herzlicher Fröhlichkeit und inniger. Freude °). Deutschland. Mittelfranken, im September. (Privatmitth. Verspätet.) -Kaum von einer Reise zurückgekehrt, kann ich nicht umhin, Ihnen die freudigen Gefühle auszudrücken, die sich meiner während meines Aufenthaltes in meiner Vaterstadt Fürth bemächtigten. Ich gestehe es offen, vor mehreren Jahren hielt ich mich ungern dort auf, ob des leidigen Jndifferentismus, der dort allgemein herrschte. Die heiligsten Angelegenheiten des Lebens suchte man mittelst kalter Sophismen hinweg zu demonstriren, den warmen Frühlingshauch, der über die Harte Eisdecke morscher, alternder religiösen Formen wehte und sie umzugestalten versprach, schien man kaum zu fühlen, die Reformbestrebungen und die Richtung, die-das Judenthum in neuerer Zeit bekundete, suchte man zu bespötteln und deren wohlthätige Folgen zu ignoriren u. s. f. Seit dem ist es aber anders geworden. Wenn auch namentlich von jungen Leuten die religiösen Institutionen fast nicht beachtet, mit der größten Frivolität so Sabbat als Feiertag begangen werden und nur der Wollust und Vergnügungssucht so wie dem Haschen nach Reichthümern gestöhnt' wird: so ist ein Besserwerden doch schwerlich zu laugnen. Suchen gleich die Alten etwa noch im Trüben zu fischen, so ist doch ihre Verfolgungssucht gemildert, ihr Verketzerungseiser herunter gestimmt, ihre Verurtheilüngswuth gekühlt, der Vater durch die Neigung des Sohnes zur Mildern Ansicht gestimmt, *) Der Pokal trägt die Inschrift: NWN1 Vs tferm "ö'hnb "fn 2-wb msw i-MM (Kahn). Korresp. und gär Mancher mag zu der Einsicht gelangt sein, daß den Zeitideen und den Anforderungen der durch die großartigen Erfindungen , der Neuzeit, umgeformten Welt manch' Opfer unwillkürlich gebracht werden müsse. Andererseits aber sind auch die Neuern von ihrer vormaligen Antipathie gegen jedes kirchliche und religiöse Statut zurück gekommen. Ihr die Interessen Israels konzentrirendes Journal wird in vielen Kreisen gelesen, in dem jüdischen Kaffeehause S. mancher Artikel besprochen, mit manchem witzigen Einfälle gewüxzet, und nicht selten hörte ich den gelehrten O., den wackern Z. und manchen Jugendfreund, obgleich der neuen Richtung angehörend, dey chaotischen Zustand beklagen, in welchem dermalen das Judenthum befangen , ist und die Folgen beseufzen, die nothwendig daraus entstehen müßten. Seid unbesorgt, o Ihr Guten! Schon Euere Aussprache hierüber, die Empfindung, die sich dieferhalb in Euerm Herzen reget, giebt mir den zuversichtlichen Beweist, daß das Wort des Herrn geläutert aus -dem Prüfungstiegel und dem Schmelzofen kommen und, gleich dem Phönix, schöner gestaltet hervorgehen wird. Nicht nur in der physischen, auch in der geistigen Natur zieht es der chemischen Entwickelungsprozesse manche, deren Lösung heilbringend und förderlich ist. Auf welche Weise? — Das überlassen wir Dem, welchem nichts zu wunderbar ist. — Euch aber sei mein Dank, daß ich durch Euch eine bessere Ansicht mehr von meinen Glaubxnsbrüdern erworben habe. Ueber die Angelegenheit des Rabb. vr. Löwi hört man nichts Zuverlässiges. Nach einem Gerüchte hätte das Ministerium eine andere, für die Sache des Fortschritts günstigere Ansicht bekommen, nach einem andern wäre der referirende Regievungskommiffär Löwi nicht zugethan. So wenig man indeßüber Löwi vernimmt, eben so wenig hört man von ihm. Er läffet sein Licht gar spärlich leuchten und erfreuet so selten mitseinen Predigten, die noch immer so gerne gehört werden. Dadurch aber, daß er sichs zum Grundsätze (?) gemacht haben soll, den wackern, biedern und charaktervollen Talmudlehrer Herrn Heidecker auch nicht predigen zu lassen, stehet die Kanzel fast ganz verwaist, während Letzterer es höchlich bedauert, fei*! nen erweiterten Wirkungskreis zu haben. Sch.