Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1843)
- Date
- 1843-09-25
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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578 die, nach vorwärts führen anzuzeigen haben, so wolle^Hir noch Folgendes mittheilen, welches uns HoffnunK.Mt> düß unsere Enkel .Aussicht zrff EMnzipation in Breslau haben, denn Breslau, ist beinahe in Allem hundert Jahre zurück. Wie vielleicht bekannt, ist jeder Bürger, Jude und Christ, in Breslau uniformirter Soldat, die Uniformen scheiden sich in Schützen- und Gardeuniformen; das ganze Bürgerregiment besteht aus 22 Kompagnien, jede Kompagnie, hat gebührende Unteroffiziere, Feldwebel, Oberoffiziere und Oberste. Den Generalstab bilden der Oberbürgermeister und Bürgermeister und, einer der Herren Stadträche. Die Pflichten der Bürgerregimente bestehen ganz in den Pflichten des stehenden Heeres und hat zur Zeit, wenn das stehende Heer zur Revue ausmarschirt, das Bürgerregiment die Posten, Dienste und Verpflichtungen des stehenden Heeres zu übernehmen, als die Wachen zu beziehen u. s. w. — Vor drei Wochen ist die fünfzehnte Kompagnie des Garde-Regiments, welche ca. aus 4 Christen und 4 Juden besteht, auf hiesigem 'Rathhaussaale versammelt worden, um aus ihrer Mitte drei Offiziere zu wählen, um die entstandenen Vakanzen zu ergänzen. Die Kompagnie schlug aus ihrer Mitte neun Kandidaten vor, vier Juden und fünf Christen. Hierauf wurden aus diesen neun 'Kandidaten durch Stimmenmehrheit zu Offizieren gewählt: der jüdische Kaufmann Herr A. Krakauer, der jüdische Kaufmann Herr Joseph Flatau und ein christlicher Kaufmann. Mittwoch den 6. September wurde der Lieutenant Flatau als dienstthuender Offizier beordert (Oificier du Jour). Nachdem die Staatstrompeter ihrem neuen Lieutenant ein Morgenständchen gebracht und demselben das Patent als Offizier übergeben worden, begab sich Lieutenant Flatau um zehn Uhr auf seinen Posten und mit Freuden sahen das versammelte Publikum und mehrere der anwesenden Herren Offiziere von der Linie die pünktliche Ausführung der Kommando's und den Parademarsch mit klingendem Spiele mit an. Der schwerste Posten als Offizier du Jour besteht darin, 3% und Nacht alle Wachen in der ganzen Stadt zukontrolliren und auch dieser Posten ist vom Lieutenant Flatau bestens ausgeführt worden. — ÄIMM, August. (Privatmitth.) Das hiesige Ober-Vorsteher-Kollegium der Jsraeliten-Gemeittde hat sich veranlaßt gefühlt än die Herren KackMergerichtsrath A R üst ne und Ober-MMesgLrichts-Assessor S im Hst 'als Herausgeber des' vor Kurzem erschienenen , mit so großer Lheilnahme aufgenommenen Werkes über „die Verhältnisse der Juden"^) nachstehendes Schreiben zu richten: Hochgeehrteste, Hochzuehrende Herren! Lange hatte Unkenntniß der gegenwärtigen Rechtszustände der Juden im preußischen Staate, wie die Nichtbeachtung der unzweideutigsten Rechtsgrundsatze nach willkürlichen subjektiven Deutungen sowol theoretisch als praktisch unsere bürgerliche Stellung mißgestaltet und' noch in jüngster Zelt hatten so manche nur hieraus zu erklärende Erscheinungen die Aussichten desjenigen Theils der jüdischen Bevölkerung, der in der vollen Anerkennung seiner Menschenwürde und seiner Bürgerehre sein höchstes und heiligstes Gut erstrebt, zuumdüstern angefangen. Da erschien Ihre vortreffliche Entwickelung der jüdischen Rechtsverhältnisse in Preußen,, gleichsam wie ein Lichtstrahl das trübe Gewölke durchbrechend und belebte von Neuem unfern Muth und unsere. Hoffnung. Mit freudigem Erstaunen sahen wir hier, wie zwei hochgeachtete-Staatsdiener mit edler das tiefste Rechtsgefühl bekundender Wärme unsere Ansprüche auf Menschen- und Bürgerrechte in Schutz nahmen, mit furchtloser Freisinnigkeit die Sünden, welche Völker und Staaten im Laufe der Zeiten an uns begangen, enthüllten, und mit siegreichen Waffen die Gehässigkeit unsrer Gegner bekämpften und es trat gewiß in Lausenden die beruhigende Uelstrzeugung hervor, daß eine Sache, die solche Vertreter findet, keine verlorene, ein Streben, daß solcher Stütze sich erfreut, kein vergebliches sein könne. Wol wissen wir, daß Sie, Hochzuverehrendd Herren,-in dem schönen Bewußtsein, eine Sache det Humanität und des Rechts um ein Bedeutendes gefördert zu haben, sowie in der glücklichen und gelungenen Vollendung eines Werkes, das nicht blos *) Die früheren und gegenwärtigen Verhältnisse der Juden in den sämmtlichen Lcmdestheilen des preußischen Staates; eine D'MsteArnK -ürD Revision der gesetzlichen Bestimmungen über ihre staats- und privatrechtlichen Zustande. 540 S. gr. 8. Aderhokz.