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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-07-03 · Heft 27 (3.7.1843) · p. Seite 399

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 27 (3.7.1843)
Date
1843-07-03
Page
Seite 399 (sequence 11)
Language
German
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Majestät unseres allergnädigsten Kaisers und Herrn, erfolgte die Aussteckung der Baulinien zur Gründung des israelitischen Tempels auf dem durch die Bereitwilligkeit, des löbl. k. Stadtmagistrats der. Gemeinde überlassenen wohlgelegenen Bauplatze snk Nr. 431 3/4im Beisein des für alles Gedeihliche in der Gemeinde eitrigst und werktätigst bemühten Hrn. Bürgermeisters Gerard v. Festenburg, des Hrn. Bauinspektors Salzmann und des isr-el. Gemeinde- Vorstandes." Zur Verherrlichung der himmlischen Majestät ward also in Lemberg am Namensfeste Sr. Majestät des allergnädigsten Kaisers und Herrn Ferdinand des I, das erhabene Werk begonnen, zur Anbetung des Höchsten Wesens im schönen Gewände des lebendigen Wortes, zur Veredlung des Kultus. Der menschliche Geist gefiel sich von jeher in der Begründung von Anstalten, deren Bestehen weit über sein Grab hinausreicht. — Die Völker leben in ihren Denkmalen der Pietät ewig und unverwüstlich. Allmälich schwinden die Zeiten, in denen Vorurtheil und Lieblosigkeit immerfort herauf beschworen wurde, der Geist vindizirt sein Recht, und überall sehen wir Licht und Sonne die Wolken durchbrechen. Die Geschichte unserer Provinz kann kein Beispiel aufweisen, daß so viele wohltätige Institutionen so schnell und so gedeihlich unter unseren Brüdern emportauchten, als es seit einem Jahre der Fall ist. Aber zur Ausführung jeder erheblichen That, wirken nach den Worten eines großen Mannes drei Potenzen „Andacht, Arbeit und Anfechtung" — vorzüglich sind es die letzten zwei Kräfte, die hier den Hebel zur Emporbringung wichtiger Vorfallenheiten bildeten. Kein Schritt von Wichtigkeit geschah, wo nicht das Hauslein der Obskuranten in den Weg trat —> wo nicht Produkte fremder und feiler Federn, Bittschriften und' verläumderische Jnvektiven flogen -— ja der verderbliche Pesthauch der auf ihren Mammon vertrauenden Gegner, suchte alles anzugeifern, was nicht ihren Verkehrtheiten , ihrem Eigendünkel zusagte! Und^ was taten sie für ihr Volk! Womit füllen sie ihr Dasein? \ Wie haben manche derselben ihre Gemeinde, vertreten? Wer giebt ihnen gegenwärtig das Recht,, im Namen der Gesammtheit zu sprechen, und zu handeln? Diese Fragen mögen sie sich selbst beantworten — aber die Ueberzeugung wird bald klar hervortreten, daß sie eine ohnmächtige Ruine dastehen,, die Gewißheit wird sich bald bewahrheiten, daß sie von jeher ein Hemmschuh des so nötigen Volksfortschrittes gewesen, daß die Motive ihres Handelns nie eine Ueberzeugung, sondern weltliche oder pekuniäre. Rücksichten zux Unterlage hatte. Mögen nun immerhin die von der Patronanz der Reichen und den Aussichten auf ihre Erbschaften geblendeten Halbwisser, die aus der Schächterbude zum Rabbinate luggenden Altgesellen, mit schwachen Händen ihr Glaubensfähnlein schwingen, ihr ohnmächtiges sie voll» sie jubeo zurufen, so ist doch schon längst bei der Masse das Bewußtsein zur Klarheit erwacht, daß das Thema der Gegner stets darüber varkire: „jeden Lichtstrahl „der Aufklärung dem Volke abzusperren, es in Rohheit und Schmutz groß zu ziehen , seiner Armut „und Niedrigkeit zu höhnen, damit sie die. Patrizier „mächtig werden in Israel, und zum Unterschiede „von den Plebejern bessere Geldpartien finden sollen „in Israel!!" — Zu keiner Anstalt steuern sie bei — und dennoch blühen sie Alle — Beweis, daß die Geldmasse mancher dem allgemeinen Wohle wenig fromme/ Beweis/ daß der reichere Jude nicht immer der Bessere, nicht immer der Wohltätigere sei *). Gegen alle Institutionen der Neuzeit verfassen sie Klaglibelle, allein alle ihre Anstrengungen, das Rad der Zeit zu hemmen, sind fruchtlos — ihre Doktrin gehört mit ihnen dem verwichenen Jahrtausend an. Mit der Rekrutenstellung und dem Simpelsteuerausweise ist noch nicht Alles gethan. Jetzt weht ein andrer Geist, und gestaltet sich äußerlich das Leben anders; kleiden sich , aber die orthodoxen Frauen nicht wie ehedem, rauschen Sammt- und Seidengewander im modernsten Zuschnitte auf öffentlichen Promena- *)' Als cs sich hier um die Reform der. armen Gemeindeschule handelte und zu diesem Zwecke eine Beratung mit den Reichern vorgenommen wurde —- subskribirte einer derselben, der sich die Diktatur in dieser Sache anmaßen wollte , und dessen Vermögen man auf. 250,000 fl. C. M. anschlagt, einen wöchentlichen Unterstützungsbeitrag von 12 schlechten Kreuzern! '

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