Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1843)
- Date
- 1843-06-26
- Page
- Seite 384 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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384 noch recht viel Rühmliches und Ausgezeichnetes zu Stande bringen wird. Der Wunsch, den Hr. A. C. zuletzt ausspricht, man möge nur akademisch gebildete Rabbinen anstellen, ist sicherlich ein gerechter, in den jeder Biedere einstimmt, dessen Realisirung wir aber auch nicht vergebens entgegensehen, denn unsere humane Regierung erließ bereits, wie wol bekannt, das Edikt, daß künftighin nur solche Rabbinen anzustellen sind. Schließlich noch ein Wort aus dem Herzen. Ist die Verläumdung wo immer ein gefährliches, verabscheuenswürdiges Laster; so sollte sie am allerwenigsten in Israel gegen Israel wüthen. Bei aller Humanität unserer Zeit ist man doch immer noch so froh, an den armen Juden nur recht viele schwarze Flecken zu finden; wie laut wird noch immer triumphirt, wie so freudig in die Hände geklatscht, wenn über Israel zu lachen, zu spotten, zu tadeln Gelegenheit ist! Wie sehr müssen wir uns darum hüten diesen Triumph zu befördern. Ich meine zwar nicht, man müsse deßhalb über alle die Fehler, die sich etwa in unserer Mitte vorfinden, den Mantel der Nachsicht ausbreiten, und schweigen; — nein, wol weiß ich, daß Salomo sagt: wohlthätig und heilsam ist die offene Rüge; auch kenne ich die siegende Macht eines kräftigen Wortes; weiß, wie viel schon durch eine freimüthige Sprache gewirkt worden; wie viele unwürdige, abergläubische Gebräuche und Mißbräuche dadurch verbannt worden; weiß, wie der eifrigste Mann in Israel durch sein begeistertes, unermüdetes Wort selbst in die finstersten Gegenden rufet: Es. werde Licht! und es wird Licht. Und wenn es nicht gleich das erste Mal wirket, so wirkt es das zweite Mal, das dritte Mal; ja endlich muß es wirken, den Sieg davon, tragen, denn Gutta cavat lapidem sacpe cadendo; — doch Verleumdung, Wahrheitsverletzung, lügenhafte Berichte, und noch dazu gegen autorisirte, ehrwürdige Seelsorger, der Gelehrsamkeit wie des biedern Charakters halber hochgeachtete Geistliche, gegen die Rabbinen einer ganzen Provinz sich so beleidigend aussprechen, und das in diesen Blättern, denen die große Tendenz vorschwebt, die Völker um uns her zu bewegen, von uns zu sprechen: „Wahrlich, es ist dieß ein weises und vernünftiges Volk!" — das ist in der Thal der strengsten Rüge selbst werth. Dixi. M. T. Frankreich. Straßburg, im Juni. Wir haben in voriger Nummer aus den Auszügen, welche die Arch. isr. de France aus dem Bericht des Großrabbinen über seine Rundreise durch feinen Sprengel bringen, Einiges mitzutheilen versprochen. Diese Berichterstattung ist in Frankreich selbst etwas Neues, und von der Art und Weise, wie die israelitischen Angelegenheiten eines ganzen Landstrichs mit einem" Blicke übersehen zu werden angefangen werden, ein löbliches, erfreuliches Zeugniß. In der Einleitung setzt der Großrabbine auseinander, wie erst von der Bestimmung dieser Rundreisen an sich ein näheres, unmittelbares Verhältniß zwischen dem Konsistorium und den ihm zur seelsorgerischen Obhut Anvertrauten datirt. Alsdann geht er die einzelnen Gemeinden durch, und bezeichnet, - was sie für ihre Synagogen- und Schulanstalten gethan; insbesondere bemerkt er auch, was sie zu diesen von den städtischen Gemeinden an Unterstützung erhalten. — Bouxwiller giebt 1400 Fr. für seine Schule aus, und erhält 500 Fr. von der Stadt und frei Lokal dazu; 47 Schüler. Der Rabbine ist alt und blind. — Brumath hat nur eine Privatfchule, wozu die Stadt 250 Fr. giebt; 33 Schüler. — Dambach giebt dem Lehrer 600 Fr., wozu die Stadt 200 Fr.; 40 Schüler. — Dettwiller erhält nichts, giebt dem Lehrer, der zugleich Chasan und Schochet ist, 430 Fr.; 26 Schüler. — Duttlenheim hat einen ausgezeichneten israel. Lehrer; 950 Fr., wozu die Stadt 250 Fr.— Fegersheim mit einer guten Schule; 800 Fr., wozu die Stadt 250 Fr.; 54 Schüler. — Haguenan hat einen ausgezeichneten Lehrer, die Stadt giebt eine bedeutende Summe dazu, der Unterricht ist fast ganz umsonst, die Gemeinde sehr zahlreich, und doch nur von 50 Schülern besucht, obgleich die schulpflichtigen Kinder die Zahl 100 übersteigen. Dagegen veredelt sich daselbst der Gottesdienst immer mehr. — Hatten, „der religiöse Unterricht der Mädchen ist eben so vorgerückt wie der Knaben, selbst in der hebräischen Sprache." — Hachfelden, schlechte Schule. — Lauterburg, eine treffliche Schule, in der der Rabbiner Ullmann selbst den Religionsunterricht ertheilt. Dieser ist so geliebt, daß, als er das Rabbinat in Bayonne erhalten sollte, die Gemeinden sofort das freiwillig zusammenschossen, was er dort an Gehalt