Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 23 (5.6.1843)
- Date
- 1843-06-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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VII'.Jahrgang. Allgemeine No. 23. Ein Allgemeine unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur^ Derlag von Nr. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 5. Juni 1843. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrige mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungserpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. in h alt. Leitende Artikel: Bemerkung. Aufforderung zur Gründung eines israelitischen Literaturvereines. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Frankfurt a. M., Hildburghausen. Preußen: Köln, Köln, Breslau, Erfurt, Aachen, Düsseldorf. Oesterreich: Lemberg. Personalnachrichten: Magdeburg. Literar. Nachrichten: Magdeburg fBibl. Exegese.J, Magdeburg fBiblische Geographie. Fortsetzung),, Magdeburg sBiographie.) Belletristik: Rabbi Chaninah. Korrespondenzen: Briefe aus Paris (Fortsetzung.). Leitende Artikel. Magdeburg, den 26. Mai. Was dem Judenthume Jahrhunderte lang gefehlt, das war — die That. Was daher am sorgsamsten zu pflegen, das ist — die That. Schrift und Wort haben lang genug ihr Zepter geführt, das nur zu Zeiten mächtig. Es ist Zeit, es ist unsrer Zeit, daß nur da ein kräftiges Leben, wo der Schrift und dem Wort sich auch die That vermählt. Wir geben es gern und offen zu erkennen, daß dies unser vorzüglichstes Streben ist, innerhalb der Schranken, die dem Judenthume gezogen sind, innerhalb des Gebietes, was sein eigen unabhängig ist, Thatkraft zu wecken, und stets Etwas, und dann immer mehr verwirklicht zu sehen, was, so lang es nur iu?Worte weilt, doch nur Schatten eines Lebens ist. Dieweil die Schranken des Judenthums in der Realität wirklich sehr eng gezogeWßUnd weil die ganze Gemeinde Jeschurun's in so unzählige Gemeinden zersplittert ist, ist dies sehr" schwierig. Denn manwar darum Jahrhunderte gewohnt, nur auf das Lokale und Augenblickliche zu sehen, für die Allgemeinheit Israels war kein Sinn vorhanden. Nun kam dazu, daß Jahrhunderte der Verfolgung eine Zaghaftigkeit hervorgebracht, die nichts mehr als ein männliches Auftreten fürchtete. Aber es ist jetzt eine Zeit der. That, und wer nicht durch die That erweist, daß frisches Leben in seinen Pulsen schlägt, dem wird das Leben abgesprochen, und dem vergeht das Leben. Das Todesurtheil spricht sich selbst, wer sich hingiebt dem widerstandslosen Sichgehenlassen. Und ganz materiell genommen: wofür interessirt sich am Ende das Individuum wirklich? Nicht wofür er spricht, denn der Rausch der Rede vergeht schnell: sondern wofür er handelt. Unsrer Väter Handeln bestand im Dulden; wo aber Dulden nUr noch ein kleines Maaß einnimmt, da muß ein thätiges Wirken eintreten, oder die Theilnahme erstirbt. Es war darum die Damasket Begebenheit ein Wendepunkt in unsrer Geschichte, wofür wir der Vorsehung sehr dankbar sein müssen. Wie in ihr die Abwehr ihre höchste und letzte Höhe erreicht: so begann in ihr zugleich eine wirksame Thätigkeit. Hier war es gegeben, daß das Interesse der einzelnen Gemeinden doch am Ende in das Interesse des Ganzen aufgeht, in dem letztern seine letzte Erledigung findet.