Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1843)
- Date
- 1843-05-29
- Page
- Seite 328 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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328 nommenen, so unbegründeten, so unchristlichen Anklagen; wie die verhöhnenden Aeußerungen des Uebermuthes und deS Haffes; wie die getäuschten Hoffnungen der Bessern so schmerzlich auf I h r edles , weiches Gemüth gewirkt haben müssen, auf das Gemüth dessen, der so unermüdet, so uneigennützig, so aufopfernd für die Veredlung Israels arbeitet..... Und doch verlaßt der Herr sein Volk nie und nimmer! Und doch führt er Israel durch alle Leiden und Sünden hindurch, einer bessern und Hellern Zeit entgegen! Und doch werden alle falschen Lippen verstummen, die von dem Splitter sprechen, den sie in den Augen des Bruders sehen, und des Balkens unerwähnt lassen in dem eigenen Auge! Und doch wird Gott seinen Arm enthüllen vor den Augen der Völker und Israel helfen, rief mir mein Jesaka zu — und ich hielt das Wort fest und befolgte den Ruf: „Predige auch an diesem Passah von Freiheit!"— Die Predigt selbst spricht nach Jes. 52, 9—12 über den Werth der Freiheit, welche Hochgedanken uns in der Knechtschaft aufrecht erhalten müssen, wie die Langsamkeit des Erfolges uns nicht irre machen darf, ja selbst wenn wir darüber . hinwegsterben — in gewohnter Trefflichkeit.. Be lletriftik. Raschi und Gottfried vou Bouillon^). ( Eine jüdische Sage von A. Tendlau.) Eh' Godefried von Bouillon einst, Der grausam starke Held, Mit auserlesner Heeresmacht Hinzog ins blut'ge Feld, Die heil'ge Stadt, das hekl'ge Land, Zu lösen aus der Türken Hand, Da schickte er nach Salomo, Auch Raschi sonst genannt, Deß Weisheit und Gelehrsamkeit Dem Herzog war bekannt, Und der, wie ein Prophet verehrt, *) Aus einer noch ungedruckten zweiten Sammlung jüdischer Sagen und Legenden. — Von dem Verfasser ist bereits erschienen: Das Buch der S a g en ü n d Legenden j ü d i s ch e r V o r z e i t rc. Stuttgart Cast 1842. Von weit und breit ward viel begehrt., — Verehrt man doch noch heut'gen Tags Zu Worms, der Stadt am Rhein, Die -Stätte, wo der Rabbi einst Von Schülern, Groß und.Klein, Begriffen auf der Wanderschaft, Bekundet seine Gotteskraft. Und ist doch noch auf diese Stund' Ein Aleph da zu fchau'n. Nicht fern von seinem Meisterstuhl In einen Stein gchau'n, Wohin er streng den Schüler wies, Der keinen Fortschritt ihm verhieße — Der Rabbi aber kannte wohl Des Herzogs Art und Weis', Und mochte dessen Willkür sich Nicht selber geben Preis. Da kam der Ritter, zornentbrannt, Mit seinen Mannen hergerannt. Er dringt in Raschi's Wohnung ein, In dessen Lecngemach, Und findet offen jede Thür' Und offen jedes Loch; Die Bücher lagen offen da, Obfchon man keinen Menschen sah. „He Salomo! He Salomo!". So ruft der Herzog laut, Indem er rings mit Ungestüm In jeden Winkel schaut. „Hier bin ich," riests zur Antwort, „hier!" Was führt den Herzog her zu mir? — „Wo bist du?" frug der Fürst zurück Und blickte rings umher; . „Hier! ganz in deiner Nähe!" riefs, „Sag, Herr, nur dein Begehr!" . . Da eilt der Fürst, weil nichts zu schaü'rr. Zur Thür hinaus, erfüllt, von Graun, : -Und ruft: „Ist nicht ein Jude hier, Der mich bedeuten kann? . —" Es wagt ein Schüler Salomo's. Zum Fürsten sich heran. „Geh," spricht er,. „saA dem Rabbi drin, Daß seinethalben ich hier bin. Er zeig', sich dreist und -unverzagt Un&; höre: mein /Begehr';