Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1843)
- Date
- 1843-05-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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vii. Jahrgang. Allgemeine No. SS. Zeitung -es Zu-enthirW. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: - Verlag von L-r. Ludwig Philippson, Baumgärtners Buchhandlung Rabbiner zu Magdeburg. Leipzig» (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 29. Mai 1843. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 86 Bogen in Quart incl. des Titels, Registers u. f. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig» mit 3 Thlr. für den Jahrgang; — I Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22^ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sächs. wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. . : Inhalt. Zeitungsnachrichten: Preußen: Saarbrücken, Stettin« Deutschland: .Dresden, Frankfurt am Main, Kassel, Deßau. Oesterreich: Proßnitz, Mähren, Prag. Italien: Rom. Palästina: Rechnungsablage (Fortsetzung). Literar. Nachrichten: Magdeburg (Biblische Geographie. Fortsetzung), Magdeburg (Emanzipationsliteratur), Magdeburg (Homiletik). Belletristik: Raschi und Gottfried von Bouillon. Korrespondenzen: Briefe aus Paris (Fortsetzung.). Zeitungsnachrichten. Preußen. Saarbrücken, l6. Mai. (Privatmitth.) Ich habe Ihnen heute eine angenehme Nachricht zu geben: die Bürger der Städte Saarbrücken und St. Johann und der Umgegend haben eine Petition um bürgerliche Gleichstellung her Bekenner des mosaischen Glaubens an den Landtag der Rhein-Provinz gerichtet; und ich gestatte mir, eine Abschrift derselben Ihnen zu übersenden. Zwar ist dies keine einzeln stehende Erscheinung unsrer, man mag sagen, was man wolle, an Hoheit des politischen Sinnes und Pegriffes ausgezeichneten und reichen Zeit: aber es bekundet doch abermals, daß der wahre, gesunde Kepn des b rutschen Volkes von jener Engherzigkeit, von jener Ausschließungssucht der deutschen Literaten und Professoren, Stubengelehrten und Skribenten, so wie so vieler deutschen Politiker frei ist. Es kömmt hierzu ein besonderer geschichtlicher Umstand, der diese, ganz freiwillige That der hiesigen Bürgerschaft in's hellste Licht stellt, der, ihr einen Hintergrund giebt, auf welchem der Geist unsrer Zeit, auf welchem der Fortschritt des Geistes in etwas mehr als einem halben Jahrhundert auf's markirendste sich kund giebt. Im Jahre 1776, am 8. Juli, erkauften die Bürger der genannten Städte vom Fürsten zu Nassau-Saarbrücken das Recht, daß kein Jude ferner in ihnen und in einem Umfang von zwei Stunden wohnen dürfe — für 7a Louisd'or, indem die Stadtkaffe fünfzig, und die Kaufmannschaft 25 Louisd'or entrichtete! Noch sind nicht 67 Jahre verflossen, und — die Söhne derselben Bürger petitioniren um unsre Gleichstellung! — — Vor solchen Thatsachen schwindet aller Zweifel, jedes niederdrückende Gefühl, jede Besorgniß. Welchen Weg mußte der allgemeine Geist zurücklegen, um. von dem einen Ende zum andern zu gelangen! und wie siegreich und kräftig hat er ihn zurückgelegt! Ja, vor solchen Thatsachen schwindet Vorurtheil,^ Entfremdung, Jsolirung,-und die Verbrüderung der Menschen nimmt den Herrschersitz ein, den so lange Haß und Trennung inne hatten. — Das ' Gesuch' 'der Städte Saarbrücken/ St» Johann und Umgtzgend an die Stände der Rhein-Provinz enthält-sechs Punkte; sie betreffen: ■ --