Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 318 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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318 der Ehe ist? Ein Gang mitsammen, und daher muß er gewandelt , werden a) in Liebe und Frieden; b) >in. übereinstimmender Anstrengung; c) in Gottesfurcht. Korrespondenzen. Briefe aus Paris. I. Man hat es den Israeliten in letzter Zeit sehr oft zum Vorwurf gemacht, daß sie so viel von sich sprechen machen. Der Vorwurf ist gerecht, man kann es nicht läugnen. Seit mehreren Jahren beschäftigt sich die Presse sehr viel mit den Juden; man spricht und schreibt so viel von ihnen, daß sogar französische Blätter dann und wann etwas mittheilen. Hingegen wird von den französischen Juden nie gesprochen; -nicht in deutschen , nicht in französischen Blattern. . Und sicher, es kommen auch in Paris Tage im Jahre vor, an denen es dieser vielköpfigen Journalistik an Stoff fehlt, man zieht den Stoff bei den Haaren herbei, aber von den Juden spricht man nicht, während doch in Deutschland die Angelegenheiten der Juden ein stehender Artikel geworden. Woher das kommt? — zuvörderst, die französischen Juden sprechen nicht von sich, denn sie haben es-nicht nothwendig, und Andere sprechen nicht von ihnen, weil sie erst französische Unterthanen, dann Juden sind. Wozu sollten sie auch sprechen, da ihnen nichts mehr zu wünschen übrig bleibt. In Deutschland ist es anders: die Juden dürfen nicht aufhören, die Presse in Bewegung zu setzen, es ist das einzige Mittel, das ihnen zu Gebote steht, und sie dürfen sich am Ende noch glücklich schätzen, durch die Presse Sympathien erregt und errungen zu haben, die mächtiger für sie sprechen, als sie es selbst vermögen. Was auch die Juden in den verschiedenen deutschen Bundesstaaten Mehr oder weniger gewonnen haben, . , ich schlage es nicht so hoch an, halte es minder werth, als diese Sympathie, welche allgemein sich ausspricht, gegen welche einzelne! Stimmen, wie sie wohl noch hie und da sich laut machen, in den Wind verschallen, gegen welche alle Judenfeinde verstummen müssen. Ich spreche es offen aus: in eben dem Grade, in dem die Juden sich emanzipirt haben, hat auch das deutsche Volk sie emanzipirt, das Volk geht hierin den.Regierungen woran, und das ist der schönste Sieg, den wir errungen. Schlagen wir diesen Vortheil nicht gering an, die Zeit wird kommen, in der wir uns darauf berufen, und — den Glauben laß ich mir nicht nehmen ^— einst werden nicht mehr wir selbst, sondern das deutsche Volk wird für uns sprechen, und unsere Sache führen.— Und darum sagte ich, ist es recht und billig, daß die Presse sich mit uns beschäftigt. So kommt es auch, daß die Verhältnisse der deutschen Juden allgemein bekannt sind, wahrend ich über französische Juden Urtheile gehört und gelesen, die mir ein ganz anderes Bild vorgezaubert, als ich gefunden. Hier auf französischem Boden, sehe ich die Sache in einem andern Lichte, und eben dadurch werde ich bestimmt, Ihnen diese Briefe zu schreiben. Ich habe mir die strengste Wahrheit, die größte Unparteilichkeit zur Pflicht gemacht, und sollten vielleicht meine Urtheile mit den Erwartungen mancher Ihrer Leser nicht übereinstimmen, so bitte ich zu beden-' ken, daß ich nur schreibe, was ich selbst gesehen und gehört, und vor Allem habe ich stets die Wahrheit geliebt. Wenige Worte gestatten Sie mir gütigst noch über Unser liebes Deutschland. Ich wollte wenigstens einige der durch ihr Alter so berühmt gewordenen Gemeinden kennen lernen, und so kam ich nach Mainz und nach Worms. Beide Gemeinden dürfen gleich, stolz sein auf ihr Alter, sie sind so nahe an einander, gleiche Bestrebungen thun sich ln ihnen kund, und doch — welcher Unterschied! Hier Fortschritt, dort Stillstand, hier wahrhafte Religiösität,' ohne dabei das Geringste zu opfern, dort Zelotismus, der Alles beherrscht und bessere Bestrebungen niederdrückt. Mainz ist eine zahlreiche Gemeinde, und es fehlt nicht an reichen Leuten, die wohletwas thun könnten. Aber die Leitung fehlt, und daran liegt's. Laßt nur" immer die Zügel in den Händen solcher, denen starres Aufrechthalten des Alten, Unwesentlichen, Zeitwkdrkgen die wahrhafte Religion zu sein scheint, denen Ankämpfen gegen alles Bessere eine heilige Pflicht zu sein dünkt, und Ihr werdet sehen, wohin das führt. Anscheinend herrscht hier der größte Friede, und doch ist der Kampf lebhaft; thörichtes Bemühen! hemmen, aufhalten können sie wohl, aber nur immer eine Zeit lang.— Will man sich ein Urthekl über die Mainzer Gemeinde verschaffen, '. so braucht man nur in die Synagoge , zu gehen. Es ist wahr, das'Alte soll uns ehrwürdig sein, aber man könnte wohl hier vermittelnd einwkrken, und — ohne dieser. Achtung im Geringsten Abbruch zu thun — mindestens das Innere des Gotteshauses, wenn auch