Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1843)
- Date
- 1843-05-22
- Page
- Seite 313 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225303--05238-3235879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
313 und in Wien, für seine vielfachen Verdienste um das dortige Schulwesen und besonders uw die daselbst neu begründete königl. israelitische Realschule, durch allerhöchste Gnade Sr. Majestät die goldene Zivil-Ehren-Medaille verliehen worden, welche Auszeichnung damals , den Ungarischen Blättern und auch ter k. k. Wiener Zeitung Anlaß gegeben, die rühmenswenhen Verdienste, die sich der Dekorirte in einer langen Reihe von Jahren um den Volksunterricht erworben, in besonder» Artikeln zu besprechen. Seither hat der edle und uneigennützige Eifer dieses echten Menschenfreundes nicht aufgehört, dem Werke der Jugenderziehung in seiner Vaterstadt die thatkräftigste Sorgfalt zu widmen, und statt, nach dem empfangenen Lohne, in seinem milden und geräuschlosen, aber gewiß höchst segenreichen Wirken zu erkalten, schien es fortan die Aufgabe seines Lebens geworden zu sein, das jugendliche Institut, von dem so viel Gutes ausgeht, und welches in seinem Kreise eine wohlthätige Reaktion in dem Israelitischen Leben bewirkt, in jeder Hinsicht zu fördern, und zu diesem Zwecke kein Opfer zu scheuen. Bei der weisen Ansicht, womit unsere Regierung den Fortgang der Volksbildung überwacht, und bei der großherzigen Gesinnung, die das Gute und jedes Verdienst überall und ohne konfessionelle Rücksicht anerkannt, kam es, daß durch Anordnung der hohen königl. Ungarischen Statthalterei am 6. April 1841, No. 12.710, dem löbl. Magistrate der königl. Freistadt Arad die Allerhöchste Entschließung eröffnet wurde, wornach Se. Majestät zu befehlen geruhet haben, daß in Ansehung der vielfältigen Verdienste des k. k. privil. Großhändlers, Moses Hirschl, in der Araber israelitischen Realschule dessen Bildniß im Schulgebäude zum Andenken für die Nachwelt und als Aufmunterung für Andere an einem passenden Orte für immerwährende Zeiten angebracht werde. Sonntag den 20. März l. I. fand die feierliche Vollziehung dieses allerhöchsten Befehles statt, wozu der Stadthauptmann, Herr Gabriel v. Jünkovits, von Seite des löbl. Stadtmagistrats abgeordnet worden war, und sowol der Bürgermeister und Schuldirektor-, Herr Franz v. Schärfeneder, viele Notabilitaten des löbl. Komitats und der Stadt, nebst einem gewählten Publikum gegenwärtig waren. — Nachdem das wohlgetroffene, aus dem Atelier des Künstlers Adalbert Suchy in Wien hervorgegangene Bildniß des Zelebrirten im Hauptsaale des Schulhanses eine bleibende Stelle gefunden hatte, rühmte der Herr Stadthauptmann in einem lichtvollen und würdigen Vortrage die zahlreichen Verdienste, die Herr Moses Hirschl um das Wohl der Gemeinde und den Jugendunterricht ' insbesondere'erworben, und dieser konnte die Wahrheit des Gesagten nicht kräftiger bestätigen, alsindem er in seiner einfachen und gerührten Gegenrede sogleich wieder ein Geschenk von 1000 fl. W. W. als Stifrungsfond für Schulprämien darbrachte. Hierauf ergriff der Senior und Katechet der Anstalt, Herr 8. Skreinka, das Wort, und verbreitete sich über das segenreiche Wirken des Ausgezeichneten und über die preiswürdige Huld einer väterlichen Regierung, .die das wahre Verdienst auf diese Art belohnt. Eine Kantate vom Professor und Chordirigenten, Herrn I. Beck, undein vom Herrn Professor L. Jeitteles verfaßtes Gedicht, das unter die Anwesenden vertheilt wurde, verfehlten ihre Wirkung nicht; zum Schlüsse wurde die National-Hymne in Ungarischer Sprache von der Schuljugend unter wiederholtem Eljen-Ruf abgesungen. So endigte diese erhebende Feier eines bescheidenen, aber segenvollen Verdienstes, das in vielen glücklichen Menschen fortleben, und lange unvergeßlich bleiben wird. Königsberg, 8. Mai. Die hiesige Zeitung enthält von ihrem gewöhnlichen musikalischen Referenten folgenden Bericht. „Gesang in der hiesigen israelitischen Synagoge. Man weiß, daß vor etwa fünf Jahren der neu angekommene Vorsänger, Herr Weintrau b, mit seinen Gesangsgehülfen nicht allein' eine lebhafte Theilnahme der mosaischen Gemeinde, sondern die Aufmerksamkeit der ganzen Stadt erregte, durch den schönen harmonischen Chorgesang und die reine Intonation, so wie den kunstreichen rezitativischcn Vortrag des mit klangreicher Tenorstimme begabten Vorsängers selbst. Dieser Gesang ist-nun durch die musikalische Kenntniß des Hrn. Weintraub, und seine eifrige fortgesetzte Bemühung noch mehr veredelt und vervollkommnet worden. Auch hat Herr Weintraub, als tüchtiger Kirchenkomponist, viele Hymnen und sonstige;um Kultus gehörige Gesänge selbst in Musik gesetzt. Zeuge davon war ich bei meinem letzlichen Besuch der Vorfeier des Sabbats, und innig erfreut, nicht allein einen reinen, feierlichen, vierstimmigen Psalmenchor zu. hören, der das religiöse Gemüth andachtsvoll erhebt, sondern auch zu bemerken, wie diese würdige Ausübung des Kultus und eine veredelte Kunst eindringeud auf die ganze Versammlung wirkte, welche in der anständigsten Stille und Sammlung dem altehrwürdigen Gottesdienste beiwohnte. Mir als Befreundeten jeden religiösen Kultus' war es noch besonders werth, zu bemerken, wie nach den Merkmalen/dieses alten Gesanges zu schließen, die Antiphonie in den griechischen und lateinischen Kirchengefang übergegangen, wovon den Elementen nachjuspüren, mir ein besonderes Interesse gewährte.- Am Schlüsse der Sabbätsvorfeier wurde noch ein vom Vorsänger komponirter Chorgesaog angestimmt,- der ganz im Geiste der frühern Liturgie ' sich durch Einfachheit und würdige religiöse Erhebung auszeichnete. Nicht allein sind sämmtliche Gesänge streng musikalisch geordnet, sondern sie enthalten, bei aller Einfachheit, die ihren Reiz ausmacht, doch mehrere kunstvolle harmonische Verschlingungen und fugirte Sätze. Der Eindruck ist wahrhaft schön und erhebend zu nennen, da alle Gesäuge-von reinen klangvollen Stimmen, von Hellen sonoren Diskanten und Altett, von gutem Tenor, eben solchem Bariton, und vön der ausgezeichneten Stimme, des Vorsängers aüsgeftthrt werden. Sehr zu wünschen wäre, daß der Knabenchor verstärkt würde, theils um das Ganze zu heben, theils um die Ausführung des Vorsängers zu erleichtern, dessen Stimme und Vortrag zwar gewonnen, dessen Gesundheit 21*