Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1843)
- Date
- 1843-05-15
- Page
- Seite 303 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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303 A. zu K... t in Ung. ein solches Bild vorgeführt, und wir könnten hier noch mehre solcher Mantelhänger nahmhaft machen, wenn es von Nutzen oder wenigsten der Mühe werrh wäre, sie zu nennen. — Sähe man daher unsere Stimme nicht als eine unbescheidne an, würden wir uns erlauben, nach 'unsrer Ansicht die Meinung auszusprechen, daß eine jede Gemeinde, die von nun ab in die Lage käme, eine Rabbinenwahl zu treffen, sie hierbei durchaus nicht „die goldne Mittelstraße" einschlagen möge, sondern ihr Augenmerk auf einen der beiden hier vorhandnen Außenenden richte, entweder-auf einen Rabbinen, von dem es notorisch, ist, daß er mit Leib und Seele der alten, oder auf einen Rabbinen — je nachdem die größere Stimmung in der Gemeinde für die Wahl spricht — von dem es evident sei, daß er kein Mantelhänger, sondern von ganzer Seele und ganzem Herzen, der neuen Schule anhangt. Nur durch eine so getroffne Wahl könnten die Wahl- Vollstrecker ermöglichen, die Partheiungen, die Spaltungen, die hierbei in der Neuzeit.'in den Gemeinden häufig zu entstehen pflegen, zu verhüten, und wo sie dennoch entstehen sollten, werden sich, kurze Zeit nach einer so geschehenen Wahl, die Gegner, die Feinde — lal e la forza della yera Yirlü — in Verehrer, in Freunde umwandeln. Herr Löw gehört kn Rücksicht seiner Kenntniffe und seines Bekenntnisses unstreitig in die Kategorie der letzt bezeichneten Rabbinen. Darum wunderte es uns nicht, daß sich auch gegen ihn so manche Stimme, eine sogar öffentlich, mit Anschuldkgen erhoben, die man sich nicht gescheut hat, auch gegen einen Rapaport, Schwab u. A. mit Unverschämtheit zu führen. Das Publikum, es versteht sich das verständige, nimmt aber heutzutage alle diese frommen Anschuldigungen für weiter nichts, als was sie gewöhnlich seien, für Hyperbolisch warmen Religionseifer, oder, für kalte Verleumdung, und beachtet sie -auch nur nach diesem Werthe. So wurde auch die Stimme, die sich — im Orient No.27. v. I. — in religiösen Anklagen gegen Hrn. Löw ergossen von der ganzen Gemeinde und Umgegend nur als infame Jnvektive angesehn, und ihr frommes Geberden nur für ein solches gehalten, unter dem sie ihre Schalkheit zu vermasken gesucht. Ein wahrhafter Ehrenmann, ein Mann von echtem religiösen Sinne, darf, wenn er einem Menschen Ehre, Glauben gegründet abspricht, das Tageslicht nicht scheuen, sonst setzt er sich des höchst wahrscheinlichen Verdachtes aus, daß da ganz anderweitige Absichten zum Grunde liegen müssen. — Der Herr Verf. kann es also Niemanden verargen, daß man ihn eines solchen Verdachtes bezüchtkgt. — Der fromme Spruch der Väter: b2 1N722NÄ bs*), n^pn» 1!1722N in?32nb n?:mp 182N rw'pma iw22N 'pa 182N riNVb n»mp den er gleichsam zum Belege eines frommen Sinnes angeführt, ist noch für dessen eigne, wirkliche Frömmigkeit keine gnügende Währleistung. — Im Loes selbst haben gegen die Aufnahme des Hrn. Löw nur sehr wenige, wohl aber gegen die definitive eine ziemlich große Anzahl Gemeindeglieder gestimmt. Eine Stimmenmehrheit entschied jedoch, nachdem Herr Löw mehre Studien - und; Empfehlungszeugniffe von hochgestellten und renomirten Männern vorgelegt, und nachdem er zu wiederholten, Malen, bei vorgegebenem Thema und bei nur sehr kurzer Vorbeceitungsfrist, die Rednerkanzel betreten, und jedesmal sie zur vollkommenen Befriedigung feines ganzen, sehr ^zahlreichen Auditoriums verlassen, zu seinen Gunsten. Das Predkgertalent besitzt in der That Herr Löw in einem entschiedenausgezeichnet hohen Grade. Seine Stimme ist kraftvoll, gemülherschütternd, dabei hell-, reinvoll-und wohltönend, und versteht er überdies sie in allen Nüaneen der Redekunst so kunstvoll, so geschmeidig zu lenken, zu handhaben, daß er hierdurch, als durch den Gehalt seines Vortrages nicht minder bisher noch immer der Gemüther seiner Zuhörer sich zu bemeistern gewußt. — Seine Einbildungskraft ist eine sehr lebhafte, schöpferisch- und bilderreiche, und sein Gedächtniß ein so glückliches, daß er beim Predigen «von seiner Predigt nie mehr als den Entwurf derselben vor hat, und ungeachtet fein Vortrag gewöhnlich über eine starke Stunde dauert, so strömt dennoch — selbst bei ganz unvorbereitetem Kanzelbetreten — seiner Rede breiter Fluß ununterbrochen in gleicher Kraft und Fülle, und überströmt nie, selbst im kleinsten die Ufer nicht, die Grammatik und Logik ihr anweksen. (Fortsetzung folgt.)