Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1843)
- Date
- 1843-05-15
- Page
- Seite 299 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Syrien. Damaskus. Der Lniivers, das orthodoxe Blatt Frankreichs, enthält einen Theil der Akten aus dem blutigen Prozeß von Damaskus unseligen Angedenkens. Es sind die Folterprotokolle, und auch diese nur zum Theil, der wichtigere Theil ist in dem Portefeuille des Herrn Thiers verblieben. Neues ist gar nicht gegeben. Trotzdem die Nichtigkeit dieser Protokolle, das unter den höchsten Schmerzen Erzwungene, und Entrissene ihres Inhalts sonnenklar ist, expekto-' rirt sich dennoch die Allg. Augsb. Zeit., spricht zwar — (sehr gütig) — die Juden in der zivilisirten Welt von einem solchen Greuel frei — (wie freundlich!) — aber man wisse ja, wie der Aberglaube — (ist das Aberglaube? oder ist es das Scheußlichste, das nur Kannibalen ersinnen können?) — oft lokal sei, und so sei doch nicht ausgemacht, ob nicht im Morgenlande hie und da bei den Juden er doch vorhanden sei. Die zivilisirte und vielunterrichtete Allg. Augs. Zeit, mag denn nun diesen Wahn behalten. Sie muß wirklich, die alte Dame, alles Menschengefühl, alles Bewußtsein der Menschennatur verloren haben, um so was zu glauben, um so etwas so leichthin für „doch möglich" zu halten: das Blut eines unschuldigen Nebenmenschen im religiös-heiligem Brode zu essen. Man mache sich aber eine Vorstellung, wie weit es diese polirten, eleganten, aber doch heuchlerischen Blätter gebracht haben — mit gutem Muthe beim Frühstück solche Greuel als doch leicht möglich anzusehen, und mit keinem Wörtchen es als das nothwendigste zu bezeichnen, diese Gräßlichkeiten mit der Wurzel auszurotten. Ich erwidre nur Eines. Glaubt Ihr, daß Männer, die sich zu der Religion Mosis bekennen, und sei es nur an einem einzigen Orte, solche Dinge als religiös vornehmen können — so glaube ich auch, daß auch die Christen in den ersten Jahrhunderten alles Das verübet haben, wessen die Heiden sie beschuldigten! -- Und nun nur noch ein Notabene, die Männer, die jener Greuel beschuldigt wurden, waren solche, mit denen die nach dem Oriente kommenden europäischen Reisenden beständig verkehrten und verkehren, ihre Bälle besuchen, an ihren Tafeln speisen , ihren Damen die Cour machen ff. ff. — also durchaus keine Kabilen oder Kaffern.; Und solche herzlose, schwarze Behauptung gestattet sich die Allg. Augsb. Zeit., indem sie zugleich Folgendes bringt — Aegypten. Alexandrien, 7. April. Wir hoffen, Mehmed Ali werde bald zurückkehren und den Sommer hier verweilen. In Kahira war der kluge Greis nicht müßig. Scherif Pascha, der als Meister in der Folterkunst (durch sein Verfahren in Damaskus) auch schon in Europa bekannt ist, wurde seines Amtes entsetzt und befindet sich nun mit der ganzen Tafelrunde des Konseils in scharfer Haft. Diese, Herren sollen sich vorgeblich erlaubt haben, das Volk noch mehr auszupressen, als Mehmed Ali ihnen gestattete. Böse Zungen und wohlunterrichtete Ohren geben der Geschichte eine andere Version. Es soll sich nach ihnen um nichts geringeres als um eine Verschwörung gegen den Vizekönig und Ibrahim gehandelt haben. Ob zu Gunsten des Sultans oder Abbas Pascha's bleibt unentschieden. Scheriff Pascha sollte einst auf den Willen des Sultans entsetzt werden, Grund genug für Mehmed Ali, ihn an die Spitze einer Administration zu setzen, und wiederum Grund genug für den Türken Scheriff, seinen, Wohlthäter zu verrathen, um sich beim Padischah. beliebt zu machen. — Und den Protokollen, die von einem solchen Menschen betrieben, abgepreßt und unterzeichnet sind, kann man einen Augenblick nur einen Zoll Glauben schenken? — schenken — schenken wollen, da es sich um eine Beleidigung des Judenthums handelt! Literarische Nachrichten. Magdeburg, km Mal. (Privatmitth.) [Belletrist if.]# Occasional Poems and Rhythmical Translations in various languages. By S. M. Draclj, Esq., F. R. A. S. London: printed for the author. 1843. [Kot published.] Der Verfasser dieser, nur in hundert Exemplaren abgezogenen Gedichtsammlung , ist jedenfalls ein sehr unterrichteter und vielseitig gebildeter Mann. Das Büchlein Ist ein kleines Babel, da es hebräische, deutsche, französische, italienische und englische Gedichte enthält, theils Original,, theils Übersetzungen. Offen gesagt, haben wir nur an den englischen Gedich-