Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1843)
- Date
- 1843-05-15
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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297 Frankreich. Straßburg, 27 (Privatmitth.) Das Indu^ striel alsacien, und aus ihm der Oourrier Zu Bas- Rhin enthalten folgende Notiz: „Israelitische Kunst- und Gewerbsschül.e von Mülhausen. — Wir haben kürzlich' einer interessanten Feierlichkeit beigewohnt. Es, hat sich in unserm Departement eine israelitische philantropische Gesellschaft gebildet, deren Sitz Mülhausen ist, und die.zum Zweck hat, eine gewisse Anzahl junger Leute, welche sich zur mosaischen Religion bekennen, mit handwerklichen Kenntnissen auszurüsten, um sie von der Gewohnheit des Schacherns abzubringen, das in unserm Elsasse ein nur zu oft vorkommendes Nebel ist. Eine Subskription, an welcher edelmuthige Leute aller Kommunionen Theil nehmen, hat dieser herrlichen Idee einen Anfang von Vollziehung mit schon bedeutendem Erfolge gegeben, von was sich das Publikum in dem Examen, das in seiner Gegenwart am letzt'en Mittwoch statt fand, überzeugen konnte. In dem ersten Jahre ihres Bestandes erlaubten die der israelitischen Schule dargebotenen Mittel blos, daß in dieselbe zehn Zöglinge auf dem Wege des Konkurses von den verschiedenen sich einstellenden Kandidaten ausgenommen werden konnten. Eine günstigere Sachlage hat erlaubt, daß im zweiten Jahre die Zahl der Zöglinge auf sechszehn gebracht werden konnte, und mit Freuden sah man bei dem Examen dreißig Kinder sich einstellen, um sich die neugegründeten sechs Stellen streitig zu machen. Diese Beeiferung deutet auf eine güte Zukunft und bezeugt, daß eine arme israelitische Bevölkerung oder wenigstens ein Theil derselben sich don der Nothwendigkeit der Erlangung handwerklicher Kenntnisse zu durchdringen anfängt. Die Zöglinge werden unentgeldlich in die Anstalt ausgenommen, wo sie unter der Aufsicht eines Sachwalters stehen. Mit wahrem Vergnügen haben wir diese anspruchlose Anstatt besucht,' wo wir alles in der schönsten Ordnung antrafen. Speisesäle, Schlaf- und Arbeitszimmer, Küche u. s. w., alles' fanden wir gehörig angeordnet, Und allerseits herrschte eine besondere Reinlichkeit. Den Zöglingen wird in der Anstatt selbst und während den Abendstunden Unterricht in der Religion, dem Rechnen, dem Zeichnen,! der deutschen und der . französischen Sprache ertheitt. Den Tag hindurch sind sie bei Meistern aus der Stadt in der Lehre, und so erlernt ein Jeder das von ihm erwählte Handwerk. Der Beaufsichtigungs-Ausschuß ist mit ihnen in ein dreijähriges Engagement emgegüngen, in welchem förmlich aüsgedüngen ist,' daß sie sich in den in ihrer Religion gefeierten Tagen nicht in die Werkstätten begeben werden. Es war nothwendig, daß man dieses vorenthie'lt, da diese Werkstätten nur an den von den Christen gefeierten 'Tagen geschlossen sind. Alle Handwerksmeister scheinen mit ihren jungen israelitischen Lehrlingen sehr zufrieden zu sein. Diese hatten am Tage, wo das Examen statt fand, verschiedenartige Gegenstände ausgestellt, die sie selbst verfertigt hatten. Wir bemerkten unter denselben eine gravirte Scheibe, Beinkleider, eine Mütze, eine Kaffeekanne, ein Sattelzeug, . einige ihrer typographischen Leistungen,. einen Lichtstock, ein Schloß u. s. w. Diese Arbeiten, die im Verlauf des Gründungjahres dieser Schule, erhalten worden sind, und die Antworten, welche die Zöglinge auf 'die an sie gerichteten Fragen gaben, , zeugen von befriedigenden Fortschritten und von allen Vortheilen, welche die weise Institution darbietet, deren Bestand nun für die Zukunft gesichert, ist, .denn, wir Haben die Hoffnung, daß in Gegenwart derartiger Erfolge die Unterstützung des Generalraths des Departements, des Munizipalraths und der freiwilligen Subskribenten ihr fürderhin nicht mehr fehlen.wird. Während wir diesem Examen beiwohnten, stellten wir uns selbst die Frage auf, ob eine derartige professionnelle Lehre für die meisten Kinder, die sich in unfern Primärschulen befinden, nicht derjenigen vorzuziehen sei, die sie dqrin erhalten." L. B. Pal ä st i n a. Beirut, 1. April. Die Mediz. Zentralzeitung enthält die Notiz, daß der von Sir M. Montefiore nach Jerusalem bestimmte'Arzt, vr S. Frankel, sich jetzt in der Quarantaine zu Beirut befindet,, um nach Beendigung derselben nach dem.genannten Wirkungskreis abzugehen. — Dr. Fr. ist in Mün- 20»