Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 17 (29.4.1843)
- Date
- 1843-04-29
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225299--05185-3235822- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ich fragen: Wir haben sehr viele Wissenschaften für die Seele des Verstandes, welche Wissenschaft aber ist fu£j die Seele des Herzens?" Ja! wenn e^s sich hier nurbloß, um Vorurtheile, die doch mitunter auch unschädlicher Axt. und Beschaffen heit/ftin können, und nicht vielmehr leider um absolute Untugenden handelte! — Wie wir dazu kommen, uns richterliches Urtheil und Zurechtweisungen anzumaßen? dürfte mit scheinbarem Grunde gefragt werden — allein ^"nkr: NU2NN ab könnten wir mit Recht entgegnen; denn ist hier nicht das höchste, das edelste Gut, das wir als Israeliten besitzen können, und darnach so viele edle Kräfte in Israel jetzt — -gottlob — mehr -als sonst ringen und streben, der Ruhm und die Ehre Israels, der geistig-religiöse Fortschritt desselben leider aufs Spiel gesetzt und in augenscheinlicher Gefahr, bei solchem unmoralischen Treiben und Wüthen eines öffentlichen jüdischen Blattes, von und für Juden geschrieben und redigict?? — Hier ist zumal ein großer-'.üiöfi bibTi zu besorgen, ViVn .«riö n*ip»ra*i ^Li^pb^N Wenn schön ohne dieß die weit größere-Mehrheit unserer christlichen Mitbrüder von. einer Menge Vorurtheile gegen uns Israeliten eingenommen ist, u'n^ unter andern auch vornehmlich unfern Neid, unsere' Unverträglichkeit, unsere Zanksucht und Rechthaberei, unser Nichtnebensichbestehenlassen — vielleicht Nicht ganz mit.. Unrecht — als die erheblichsten Einwürfe gegen unsere sittliche Bildung hervorheben; , so sollte dieß wenigstens jetzt, in unserm geistig aufgeklärten Zeitalter, eben so faktisch als theoretisch mit aller Energie des Geistes zurückgewiesen werden können;, sollte am allerwenigsten bei und zwischen Gelehrten'und Männern der Wissenschaft, zumal, wenn selbe die jüdische Presse beherrschen, und daher dazu berufen sind, .sich und dem ganzen Judenthume in und mit sich Ehre, und Achtung zu verschaffen, Statt finden und Gültigkeit haben können. Warum wir ferner erst jetzt und nicht früher schon gegen Hrn. vr. Fürst ausgetreten, und unfern Abscheu und Widerwillen gegen sein Verführen mit Hrn. vr. Philippson öffentlich zu erkennen gegeben Haben? — ist wohl die zweite Frage, die an uns gerichtet werden dürfte;— wogegen wir aber erwidern, daß wir doch bisher stets der Meinung und der Hoffnung lebten: Hr. vr. Fürst werde mit seinen Schimpf- und Scheltwotten gegen Hrn. vr. Philippson doch einmal bald zu Ende kommen, und gleichsam sich selbst erschöpfen, und dieß zwar um so eher, als Hr. vr. Philippson nur äußerst selten — und auch dann nur — in Berücksichtigung des Umstandes, daß er doch wohl stets der angegriffene, beleidigte, also herausgeforderte Theil war— mäßig und gelinde genug gegen seinen Gegner aufgetreten ist. Nun wir aber sehen, daß Hr. vr. Fürst trotz dem nicht ermüdet, seine bittere Galle mit den unanständigsten Manieren gegen Hrn. vr. Philippson auszuschütten, und letztlich sogar eine ganze Pfütze von Galle aus seinem Inneren ableitete, womit er fanatisch wird und ohne die mindeste Rücksicht des Rechts und des Anstandes um sich herwirft, so konnten wir nicht länger anstehen.- Im Sinne des bekannten Gebetleins:'„Gott schütze mich nur vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will ich mich schon selber schützen" ist es nur zu bedauern, daß eben ein Blatt, dem eigenen Schooße des Judenthums entquollen, welches auch zugleich jüdische Wissenschaft und Verhältnisse bespricht, durch boshaft-picante Stichnamen als: Judenredacteur, Judenkönig rc., so wie durch sein ganzes sinn- und gewissenloses Treiben und Wüthen ge- Bernhard Nofenthal, Meü. vr. u.,Honorar- Adolph Schlesinger, Baruch Mauksch, (L.8.) gey den Hrn. vr. Philippson uns so sehr vbpbl Whh öTb^ST ‘Wi macht, was wohl andere hundert Blätter und Zeitschriften, von offenkundigen Judenfeinden zu Lage gefördert, sicherlich nicht vermocht hätten- — Auch haben wir ferner dßßwegen bis jetzt Anstand genommen, öffentlich gegen Hrn. vr. Fürst aufzutreten, weil wir der Meinung und der Hoffnung waren, daß andere gewichtigere und also dazu mehr berufene Stimmen sich öffentlich erheben werden, um diesen Unfug und Mißbrauch, welchen der Hr. Redacteur des Drients mit dem von ihm redigirten Blatte stiftet tnbttii-n - *,yüb öiöh ' ©np zu rügen und zu besprechen; wir warteten aber bis nun vergeblich darauf—•pNi b“ip VN im DlrsTa “pai Sttip — da dachten und beschlossen wir, nri-tb bmian ■psus tnpws. — Es ergeht nun auch hiecmst unser brüderlicher Aufruf und unsere freundliche Bitte an alle Freunde Israels, die zugleich Freunde der Wahrheit, des Rechts und des Fortschrittes.sind, daß sie mit uns Hand in Hand gehen mögen, zur Unterdrückung und Verstopfung jener von Gift und Galle übersprudelnden, unlautern Quelle des Hasses und des Neides, welche Hr. vr. Fürst in seinem übrigens lcsenswerthen Blatte unwürdig geöffnet — so wie zur Ehrenrettung der Unschuld und des ganzen Hauses Israels. — Ja so lange der Hr. vr. Fürst nicht unterlaßt, dieses sonst nützliche, jüdische Blatt durch Einschiebsel von gemeinen Persönlichkeiten und schmutzigen Verleumdungen aller Art, sich selbst und somit auch das ganze Jüdenthum zu beflecken und zu verunglimpfen— insolange.ist es auch, unseres Erachtens, Pflicht und Schuldigkeit eines jeden bana*1 12, dem es um das allseitige Wohl seiner Glaubensgenossenschaft ein Ernst ist, diesem Blatte alle und jede Unterstützung sowohl an Geld als auch an schriftlichen Beiträgen zu entziehen, damit nicht Msec Geld, unsereMuße, unser Wissen und unser Streben einem, in seiner dermaligen Gestalt dem gesammten Judenthume nur Schande, Schmach und, Unheil drohenden. Blatte verschwendet werden, und die herrlichen Ausbeuten einer göttlichen Vernunft und eines eisernen Fleißes nicht durch so einen unsaubern Kanal ferner fließen mögen. — IbNl^ pabN Nb Nbii es gibt, .Gott fei Dank! heutiger Zeit doch schon Celebcitäten genug in Israel, welche mit ihrer gründlichen Gelehrsamkeit auch reine Herzensbildung, wahre Aufklärung— kurz alle jene schönen und herrlichen Tugenden und Eigenschaften verbinden, welche sie würdig, machen, eine Redaction irgend eines Blattes zum Wohle und zum Frommen Israels zu leiten, dem wir auch, von Liebe zur Wahrheit, zur Menschheit und zu Israel beseelt, alle mögliche Unterstützung jeglicher Art yngedeihen lassen mögen. .— Und nun zu Ihnen, hochzuverehrender Hr. vr. und Rabbiner Philippson! Nehmen Sie hiermit die Versicherung unserer aufrichtigen Liebe, Freundschaft und Hochachtung, und fahren Sie nur. wohlgemuth und im lohnenden Bewußtsein Ihrer edeln, guten Sachefort durch Ihr würdiges, gemeinnütziges Blgtt Israel zu belehren und zu beglücken, geistig-religiös zu erheben, und politisch-bürgerlich zu vertreten; scheuen Sie nicht die kleinen unmachtigen Wespenstiche, welche Ihnen der Neid und die Scheelsucht je dann und wann versetzen, bewahren Sie auch in Zukunft Ihre mäßige, würdige Haltung, und begegnen Sie solchen kleinlichen Schmähungen und Lästerungen bloß — mit stillschweigender Verachtung — Wahrheit besteht — Lüge vergeht — und somit Gott befohlen! — ^bysi'cus des. Liptauer Comitats. Jakob Nnger, Ausschußmänner. Leon Adler, VeremssSecretakr^ Druck von I. B. Hirschfcld.