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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-04-29 · Heft 17 (29.4.1843) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 17 (29.4.1843)
Date
1843-04-29
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Be » lag e zur Allgemeinen Zeitung -es Ju-enthnms No. IV. Aus Nieder-Ungarn. Lipt6 Szt. Mikl6s, den 29ten März 1843. Ein Wort -er Beherzigung an alle Freunde -er Wahrheit und-eK Friedens. ~ Liebet Wahrheit, liebet Frieden: Auch hier in einem der entlegensten von den höchsten Bergspitzen der Karpathen ein- und eben dadurch gleichsam von den civilisirtern und cultivirtern Gegenden Europas abgeschloffenen Winkel Nieder-Ungarns, thut sich seit einiger Zeit unter den Bewohnern unserer Glaubensgenossen ein regeres Leben und Streben, nach religiöser und politisch-socialer Verbesserung und Veredelung kund, welches, früher oder spater,' zur schönen, gedeihlichen Baumpflanze ersprossen, nur reife, herrliche Früchte erwarten läßt. Schon ist in der so allgemein verbreiteten A. Z. d. I. 1839 unseres hiesigen Lese-Vereins und dessen nützlichen Bestrebens, Licht und Aufklärung auch hierorts möglichst zu verbreiten, Erwähnung geschehen, — doch wir wollen ja jetzt nicht referiren, sondern bloß ein Wort der Beherzigung ergehen lassen, wozu wir jedoch Obiges als kurze Einleitung für nörhig erachteten; da — ganz wahrhaft und aufrichtig zu gestehen, und dem Verdienste seine Krone gebend — die ganze bessere Richtung > überhaupt, welche, sowie in vielen andern jüdischen Gemeinden, auch hier mehr-weniger. Gottlob, in stetem Zunehmen begriffen, worunter die Entstehung dieses unseres Lese-Vereins selbst vorzüglich hervorzuheben ist, nächst andern mehr-weniger bedeutenden Zeitumständen, geschichtlichen Erscheinungen und Verhältnissen, die die allgütige Vorsicht höchst weise vorbereiten ließ, auch der trefflichen Redaction der A. Z. d. I. vornehmlich ihr Dafein verdankt. — Dieses herrliche Blatt, schon bei seinem ersten Auftreten angenehm überraschend, und die edle Tendenz seines Bestandes beurkundend, fahrt, an geistiger Macht und Kraft immer mehr erstarkend, auch unablässig fort, auf edle, empfängliche, aber auch unbefangene Gemüther den wohlthätigsten Einfluß auszuüben, sie aus d§r lethargischen Versunkenheit zu wecken und aufzuregen, und dergestalt den ersten Impuls zu jedem Fortschritte in religiös-sittlicher und bürgerlich-socialer Beziehung zu geben. Wir sind überzeugt und können es mit Zuverlässigkeit, behaupten, daß, indem wir, von dieser geschichtlichen Wahrheit tief durchdrungen, es dem edlen und verehclichen Redacteur dieser Zeitung, Hrn. vr. Philippson, innigst und herzlkchst Dank wissen, daß er, so jetzt wie früher, keine Mühe, keine Last, und — was noch mehr sagen will — auch keine boshaft-tückischen Verleumdungen scheuend, ruhig und muthig seinen Gang auf der Bahn der Tugend und der Wahrheit fortschreitet, unb nicht ermüdet, Heil und Seegen in Israel zu verbreiten, — daß dieser herzliche Dank, diese gerechte Anerkennung des Verdienstes von einer großen, bedeutenden Anzahl Biedermänner unserer Glaubensgenossenschaft aus allen Gegenden, wohin jenes nützliche Blatt dringt und wohlthatkg wirkt, zugleich mit uns gefühlt und empfunden wird. Um so mehr und um so größer muß daher unsere Indignation einer- und unser Befremden andererseits steigen, wenn wir einerseits.sehen, wie der Redacteur des Orients, Hr. vr. Fürst, seit geraumer Zeit, so wie er bereits früher viele edle, der Oeffentlichkeit ungehörige Männer, namentlich Hrn. vr. Holdheim mit gehässiger Wuth und Raserei ansiel, nun auch später mit dem Hrn. vr. Philippson sein eben so ungescheute's, als gehässiges Spiel treibt, dessen Ruhm und Ehre fortwährend anzugreifen und zu schmälern sucht, überhaupt mit einer Art fanatischer Wuth über ihn her fällt, worin er von dem unwissendsten, fanatischsten und bloß und ausschließlich dem gemeinsten Eigennutze und der Eigenliebe fcöhnenden Polnisch -chastdischen Rebbi kaum übertroffen werden könnte; anderseits aber, wie das ganze gebildete und rechtlich-gesinnte jüdische Publicum diesen Unfug, diese Gemeinheit aller Gemeinheiten, womit Hr. vr. Fürst die jüdische Presse besudelt, und somit wahrhaft bbn» •a-'O'-ü-isn tP73Tö' üw ist, fast gleichgiltig mit ansieht, ohne seine Stimme zu erheben und seinen Unwillen wegen dieses Verfahrens öffentlich darzulegen. Aufrichtig gesprochen, sind uns beide Herren Redacteure — Hr. vr. Philippson und Hr. vr. Fürst gleich fremd, gleich persönlich unbekannt, und gleich wenig stehen sie auch nur im Entferntesten mir uns in Berührung. Unser Urtheil kann und muß daher als eines der unparteiischsten in der Welt gelten, welches bloß von reiner Liebe zur Wahrheit und vom Eifer für die Ehre und Würde des Judentums geleitet wird. Wir haben auch, vermöge der eigentlichen Tendenz unseres Lese-Vereins, bisher allen jüdischen Blättern und Zeitschriften, in deutscher oder, hebräischer Sprache abgefaßt, darunter natürlich auch dem von Hrn. vr. Fürst redigirten Orient — gleiche Theilnahme erwiesen, und allen gleiche Aufnahme bei uns gestattet. Nur jetzt, nachdem durch die östern, äußerst rauhen Ergüsse und die gleichsam bei den Haarest hergezogenen Verdächtigungen, welche sich Hr. vr. Fürst gegen Hrn. vr. Philippson fortwährend zu Schulden kommen läßt, unser sittlich-moralisches Gefühl tief verletzt — unser natürlicher Rechts- und Billigkeitssinn höchst beleidiget und gekränkt worden; — erst jetzt, sagen wir, sind alle Mitglieder unseres Vereins zusammen getreten und haben sich einstimmig dahin erklärt, nicht nur dieses Blatt — den Orient — von nun an aus unserem Kreise und Lesezirkel auszufchließen, sondern auch, daß gegenwärtige öffentliche Rüge abgefaßt und durch den Druck verbreitet werden sollte. Wir können und wollen es auch' keineswegs in Abrede stellen, daß Hr. vr. Fürst ein tüchtiger Gelehrter seines Faches ist, wie es seine zahlreichen lexicographifchen und philologischen Schriften bezeugen; auch mag er wohl noch ander- und vielseitige wissenschaftliche Bildung besitzen, und, da wir gewohnt sind, der Wissenschaft und der Gelehrsamkeit unsere völlige Achtung zu zollen, so können wir diese in dieser Beziehung natürlich auch dem Hrn. vr. Fürst nicht versagen und vorenthalten: um so schmerzlicher und betrübender muß es uns aber sein, wenn wir solche Kenntnisse, von einem 'Charakter entstellt sehen, wie solchen nur *110« tpmfisft -rN8 entwickeln und darstellen kann-und dieß um so mehr, da das Publicum vollkommen dazu berechtiget ist^ bei mehr Gelehrsamkeit auch mehr Tugend, mehr Bescheidenheit und hohe Sittlichkeit zu suchen und zu fordernd Wie ganz anwendbar und am rechten Orten gestellt wäre hier die eben so naive, als gemütliche Frage, welche der verewigte Mendelsohn in einem seiner Briefe an seinen Freund Lessi'ng hinsichtlich eines berühmten Gelehrten mit den Worten aufstellte: „Welche Wissenschaft lehret uns, die Vorurteile bestreiten? und, fahrt unser,Weltweiser fort, wenn es wahr ist, daß der Mensch zwei Seelen hat, so würde

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