Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 13 (1.4.1843)
- Date
- 1843-04-01
- Page
- Seite 208 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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208: raelitischen Relkgionslehre gebe, vermöge seiner Kürze dieses Bild kräftig der Jugend in.die Seele pflanze, und vermöge seiner Wohlfeilheit in alle Hände gebracht werde. Durch zweckmäßige Einrichtung ist dieser Katechismus den stufenmäßigen Kursen angepaßt. Wir ersuchen die Herren Rabbiner und Lehrer diesen in 10 Hauptstücke nebst einem Anhang von Bibelver- 'sen zerfallenden Katechismus zu prüfen und demnächst ‘in die Schulen einzuführen. Nekrologs Am Schlüsse dieser Nummer trifft der folgende Nekrolog bei uns ein, der uns eben so tief, wie unerwartet erschütterte. Posen. In dieser Woche entschlummerte nach mehrtägigem Krankenlager der prakt. Arzt Dr. Nathan Lippmann, einziger Sohn des hiesigen achtbaren Vorstehers der Waisen-Ansialt, ^)errn Peter Lippmann, im 33sten Lebensjahre. Der Verblichene gehörte zu den seltnem, ausgezeichneten Persönlichkeiten. Seine Kenntnisse waren umfassend, alle Zweige der Wissenschaften hatten beigetragen, seinen Geist zu bilden und auf vielen Gebieten, menschlicher Erkenntniß glänzen zu lassen. Von der liebenswürdigsten geselligen Bildung, mit der er oft große Kreise zu fesseln verstand, sehr beredt, produktiv — auch in diesen Blättern finden sich Aufsätze von ihm, und schrieb er einen zierlichen, abgerundeten Styl — hat er auch der Sache des Judenthums seinen Eifer gewidmet; seine Biographie Caro's ist gelungen, seiye Bevorwortung des im verwichenen Jahre dem hiesigen Konnte abgeforderten Gutachtens war meisterhaft abgefaßt. Er besaß,einen feinen Kunstgeschmack, einen offenen Sinn für alles Schöne und Edle. Bei der Beschaffenheit der hiesigen Gemeinde konnte er der Jugend, die an ihm hing, ästhetischen Sinn zu wecken streben, der sich zuletzt auch wieder im Religiösen bewährt. In seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis leistete er Vorzügliches. Die allgemeine Theilnahme bekundete sich sowol wahrend seines Krankenlagers, als auch beim Leichenbegangniß, und leicht kann ein Todesfall nicht eine so allgemeine Erschütterung bewirkt haben. Außer den vielen religiösen Innungen folgten auch die Waisenknaben und eine zahlreiche Schuljugend dem theuern Verklärten trotz ungünstiger Witterung zur Gruft. — Um den Verewigten trauten die tief gebeugten Eltern, die den Stolz ihrer Familie, den Schmuck ihres Greisenhauptes, den Trost und die Stütze ihres Alters verloren; trauert eine junge Wittwe, die ihm noch kein Jahr verehlicht war; die ganze Gemeinde, der dieser aus ihrem Schooße hervorgegangene Mann zur Zierde gereichte. Die in dieser Woche gewöhnlichen Festlichkeiten (Purim) unterblieben diesmal. Es wird nächstens eine Biographie und das Bildniß des Verklärten erschein. Möge es möglich werden, durch reichen Erlös eine wohlthätige Stiftung, die seinen Namen trüge, zu schaffen. vr. A Wiener. So weit unser Korrespondent. Wir sagten oben, daß uns dieser Todesfall tief erschütterte — er raubte dem Unterzeichneten den theuersten Universitatsfreund! Wir fanden uns, als ich eben die Universität betrat, und als ich nach 4z. Jahren von Berlin abreiste,, stand er am Postwagen, und winkte mir ein letztes Lebewohl zu. Während dieser Zeit, obschon verschieden an Studien, verging kein Tag gegenseitiger geistiger Mittheilung. Der Verstorbene hatte an Allem Interesse, und folgte mit Aufmerksamkeit meinen philologischen und theologischen Arbeiten; bei meinem Interesse für Naturwissenschaften und Medizin vergalt er die Gaben reichlich. Aber dies nicht allein; alle Stunden der Erholung haben wir gemeinsam genossen, alle Sorgen trugen wir gemeinschaftlich,, wir hat-- ten Beide zu kämpfen, und halfen uns Beide, wo wir es vermochten. Sein Gemüth war so reich, sein Geist so stark, sein Wahlspruch: nihil liumani a me alienum pulo. Doch der Verlust ist noch zu frisch, um schon Blumen der Erinnerung auf sein frühes Grab zu streuen! — Möge die Abfassung seiner Biographie in die rechtem Hände fallen. ' Der Ikedaktenr. Berrchtigun g. InNo. 12. S. 191. Z. 2. v. u. in der Anm. des Redakteurs ist ein Druckfehler stehen?geblieben, der falsch verstanden werden könnte, nämlich „wichtig" für.„richtig." Es soll nämlich..dort darauf hingcwiesen werden, daß trotz aller guten Unterrichtsanstalten in Deutschland die Israeliten nicht zur bürgerlichen Gleichstellung gelangen.. Druck von Z. B. Hirfchfeld. Mit einer literarischen Beilage. .