Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 9 (4.3.1843)
- Date
- 1843-03-04
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
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2 ren Mitteln der Gemeinden möglich^ war, um den alten, verderblichen Schlendrian zu.verbannen. — Was die (innere Einrichtung der)Schulen>.7die/ Lehrgegenstände 'u. .s. w> betrifft, so soll vorläufig — ein, über alles , Einzelne sich erstreckendes, Referat behalte ich mir zu " einer andern Gelegenheit vor — nur erwähnt werden, daß, nach einer Verordnung des isr. Oberrathes vom Oktober 1841, die zweckmäßigsten Lehrbücher (Herxheimer, Flehinger, Zunz, Mannheim) eingeführt sind, und die Zöglinge, Knaben sowohl als Mädchen, mit den Grundsätzen ihres Glaubens auf eine Weise bekannt gemacht werden, welche die Bürgschaft gewahrt, daß ihnen — und das ist ja der Zweck alles Religionsunterrichts — wenn sie einst selbstständig ins Leben eintreten, die, in Geist und Herz aufgenommenen, reinen Lehren der Moral und Pflicht der Leitfaden ihres Wandels sein werden. Und das verspricht dem Staate treue Bürger und der Gesellschaft gute Menschen! — Man wahne aber nicht, daß bei diesem Unterricht der Religionslehre etwa die alten, ehrwürdigen Quellen unseres Glaubens hintangesetzt werden; das Uebersetzen der heiligen Schrift, so wie, aus Rücksicht auf den öffentlichen Gottesdienst, der wichtigsten Gebete und die Grammatik gehören vielmehr mit zu den Haup.tgegenstanden des Unterrichts, und besteht hierbei die Abweichung von den frühem Schulen nur in der Methode. Die heutige Methode aber, alles Mechanische verwerfend und stets auf den Sinn des Erlernten dringend, nimmt dennoch eine weit kürzere Zeit in Anspruch, als die fühere, bei welcher, zumal bei der Unfähigkeit der Lehrer, von denen der größte Theil, trotz allem Umsichwerfen mit hebräischen Floskeln, kein Iota hebräisch verstand, der Schüler nicht einmal richtig lesen, lernte. — Mit dem zurückgelegten Alter von 14z Jahren werden Knaben und Mädchen, nach vorhergegangener Prüfung in den Glaubenslehren und feierlicher Ein- -segnung an heiliger Statte, aus der Schule entlassen.' — Nun, mein Herr, habe ich nicht ganz treu referirt? Das sind doch die „Rückschritte," die Sie meinen, und wovon Sie in der Angst Ihres Herzens ein Aufhebens machen, als wenn das Judenthum in den letzten .Zügen läge? Mich plagt die Neugierde sonst nicht, aber — ich läugne es nicht — was Sie für einen Fortschritt erklären, möchte ich wahrlich gern wissen. „Das ist eine äußerliche, fremde, ja feindliche Ansicht — sagt der wackere Rießer in seiner neuesten Broschüre, — welche nur das Starre, Unveränderliche, jeder Entwickelung Abgestorbene und darum in der That Leblose als das Judenthum, und jede geistige Regung, welche von wirklichem Leben zeugt, als eine Abirrung von demselben betrachtet." — Ich bin gewiß, daß jeder Wohlmeinende, der im Judenthum einem „geistigen Sein" huldigt, sich der bezeichneten „Rückschritte" im Grund seiner Seele freuen, und sich durchaus nicht durch das Geschrei eines Mannes irre machen lassen wird, der, als zur Hefe des Volkes gehörend — und wie diese über jede edle, ihrem' Verstände fern liegende Bestrebung urthcklt, ist bekannt — sich selbst bezeichnet. Ist Ihnen ja Hr. 0r. Marcus der „einzige Gebildete" in Schwerin; er§o.... Mit dieser Phrase hätten wir uns, weil sie über Ihre Bildungsstufe nicht in Zweifel läßt, in der That befreunden können, wäre es uns nicht unangenehm gewesen — da doch einmal die „gebildeten Juden Schwerins aufgezählt werden — den Namen eines Mannes zu vermissen, der sich in der literarischen Welt bereits einen bleibenden Nus. gegründet hat. Jndeß mag es, bei Lichte betrachtet, wohl ganz gleichgültig sein, von — Ihnen übersehen zu werden, und deshalb wollen wir nicht weiter darüber rechten, zumal da hier, bevor ich schließe und mit dem Wunsche einer baldigen Besserung von Ihnen scheide, noch ein. anderer Punkt zur Sprache gebracht zu.werden verdient, der nicht minder als Ihre „Rückschritte" von Ihren hellen Ansichten Zeugnis zu geben im Stande ist: ich meine den Vorwurf des Jndifserentismus, den Sie dem 0r. Marcus, zu machen wagen. Himmel, wie kann man doch so verblendet fein! Wie kann man mit Gewalt die Augen zu-! drücken, um durchaus nicht sehen zu wollen! Wie viele Beispiele des edelsten, uneigennützigsten Slrebens des vr. Marcus zur Hebung und Förderung des Wohles seiner Glaubensgenossen könnte ich Ihnen anfübrcn, wenn ich nicht befürchten müßte, Ihren schwachen Augen durch so viel Licht zu schaden! Nur einige will ich Ihnen nennen. Wer war es, der den, des besten Fortganges sich erfreuenden Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Israeliten Mecklenburgs ins Leben ries? Wer war es, der unsre hoheLandcs-Regkerung wiederholentlrch auf unsre kirchlichen Verhältnisse aufmerksam machte, bis denselben eine gesetzliche Grundlage, gegeben wurde? Wer anders, als der edle Marcus, auf welchen wft mit Recht stolz sein dürfen? Und trotz dem entblöden Sie sich nicht, denselben desJndifferentismus zu zeihen? Man weiß wahrlich nicht, ob man Ihren.Verstand beklagen, oder über Ihre Bosheit staunen soll. Wollte Gott, wir hätten recht viele solcher Jndifferentisten! Es würde gewiß in jeder Hinsicht bald besser um uns stehen. — Uebcigens schmähen Sie so viel Sic wollen; Hr. Dr. Holdheim ist gerade der Mann, der d-as Schmähen und Einreden blinder Zeloten am wenigsten.berücksichtigt und. sich dadurch irre machen laßt. Er' wird den einmal betretenen Weg weiter verfolgen, und die Zeit, wo man denselben allgemein als den richtigen erkennen wird, bleibt nicht aus. k. G. Druck von I. B. Hirschfcld.