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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-03-04 · Heft 9 (4.3.1843) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 9 (4.3.1843)
Date
1843-03-04
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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Beilage z«k Allgemei«en Zeitung -es Jndenthnms No. 9.*) Waren (in Mecklenburg), im Februar. — Man war bisher gewohnt, so oft über das, seit mehren Jahren unter dem gebildetem Theile der Israeliten sich kund gebende Streben, die Ocganisirung ihrer Schulen und ihres Gottesdienstes den Anforderungen der Zeit naher zu bringen, mithin aus diesen beiden Instituten Alles auszuscheiden, was sich daselbst in Folge des, größtentheils durch Bedrückungen von außen genährten, Aberglaubens und mittelalterlichen Obscurantismus festgesetzt hat, — berichtet wurde,, dasselbe nur als einen wohlthatigen Fortschritt.bezeichnet und den Beförderern desselben die gebührende Achtung und Anerkennung zollen zu sehen. Denn diejenigen, welche in dieser Beziehung anderer Ansicht waren, scheuten, wie manche Thiece das Tageslicht, eine öffentliche Protestation. Bei dem Verfasser des Aufsatzes in Nr. 4 des Orients, d. Schwerin, zu.denen gehörend', welche in dem bezeichneten Streben eine — retrograde Bewegung erkennen, hat indeß die Besorgniß, dieser Krebsgang könne weitere Kreise gewinnen und dann in seinen Folgen durchaus verderblich wirken, jene Scheu sowohl, als auch die Furcht, auf die Finger geklopft zu werden. Gottlob! überwunden — ich sage ,/Gottlob," weil ich ein Aussprechen von Seiten der Stabilität für einen nicht unbedeutenden Gewinn für die Sache des Fortschrittes halte — und er wagt es, so unberufen er auch sein mag, an die Oeffentlichkeit zu treten, die Betheiligten in dem erwähnten Blatte darauf aufmerksamen machen. Nachdem er nämlich den „geehrten Lesern des Orients" einige Mitthcilungen des Schweriner Staatskalenders — die Seelenzahl der israelitischen Gemeinden Mecklenburgs und die 1841 erschienenen Predigten von vr. Holdheim und e. A. — mit Begleitung einer Würze von einigen hohlen Phrasen und in Parenthese geschobenen Fragezeichen zum Besten gegeben, delectirt er noch mit folgendem Vorwurfe: „Unser Schulwesen macht bedeutende Rückschritte, und ein früherer .Mittheiler in Ihrem Blatte, dew von Fortschritten spricht, ist ganz im Jrrthum."— Aber wie, mein Herr, wissen Sie denn nicht, daß nur —Einer infallibel ist? Wer wird Ihnen denn*so mir nichts dir nichts, bloß auf Ihr Wort glauben? Wie konnten Sie so unbesonnen sein, jene abspcechend.e Behauptung auch nicht mit einer Silbe zu motiViren? „Wer lehren will, der gebe was." Ich will nicht glauben — so schwer es mir auch wird, mich von diesem Glauben loszusagen — daß irgend ein unlauterer Beweggrund ") Alle Beilagen werden auf Kosten ihrer Verfasser, ohne jene Aeußerung bei Ihnen hervorgerufen habe; ich will Ihnen vielmehr die nur zu lobende Absicht zuschceiben, daß Sie lediglich in Rücksicht auf das Wohl unserer Jugend die Aufmerksamkeit auf unsere Schulen lenken, und dadurch zu der Abstellung der Mängel derselben anregen wollten. Aber wie durften Sie in diesem Falle gerade dasjenige zurückhalten, worauf es am meisten am kommt, da nach dessen Kenntniß erst die Beschaffenheit der nöthigen Reform sich bestimmen laßt? Das war nicht recht, und für eine solche Mittheilung dürften Sie vergebens auf die Dankbarkeit Ihrer Landsleute rechnen. Vielleicht habe ich gerechtere Ansprüche auf dieselbe, wenn ich hier nachzuholen versuche, was Ihrerseits versäumt worden ist, und da ich von den israelitischen Schulen Mecklenburgs die genaueste Kenntniß besitze, mit einigen derselben sogar aus eigener anschauender Erfahrung bekannt bin, so wird es mir leicht, den geehrten Lesern den treuesten und zuverläßigsten Bericht darüber zu geben. — Wenn man erwägt, wie sehr die ist. Schulen in Mecklenburg bis noch vor einigen Jahren danieder lagen, indem sie fast alle nur den Händen solcher Subjekte anvectraut waren, welche ihre Befähigung weder durch eine Prüfung, noch durch ihre Leistungen dargethan, sondern ihre Anstellung lediglich der Fertigkeit im — Schächten, was noch immer, selbst in den großem Gemeinden, mit dem Lehrfache verbunden und wprin allein der Rabbiner zu prüfen verstand, zu verdanken hatten: so muß man es mit dem aufrichtigsten Danke gegen unfern ehrenwerthen Landes-Rabbiner anerkennen, daß derselbe, so bald er seine gegenwärtige Stelle eingenommen hatte, den Schulen (wir sprechen hier nur von Relkgiönsschulen) seine besondere Aufmerksamkeit und Sorgfalt widmete, und vor Allem sich bemühete, trotz der Opposition, welche dieses edle Streben hier und da noch fand, fähige und würdige, auf Gymnasien und Universitäten gebildete Lehrer anzustellen, die freilich nicht mit — Schaf und Rind, aber um so besser mit Menschen umzugehen und auf Menschen wohlthätkg zu wirken wissen. Wenn diese Veränderung bis jetzt noch nicht überall vorgenommen worden ist, so liegt das nur an localen 'Verhältnissen, indem einige Gemeinden zu klein sind, um zwei Personen — einen Lehrer und Schächter — besolden zu können; aber auch hier hat der wackere H old - heim, dem nichts so sehr, als die sittliche Veredlung und religiöse Bildung seiner Pflegebefohlenen, am Herzen liegt. Alles gethan, was bei den schwachen pecuniä- Verantwortlichkeit der Redaktion, gedruckt. Redakt.

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