Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 7 (18.2.1843)
- Date
- 1843-02-18
- Page
- Seite 102 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Stiche zn lassen; wiederum ein schlagender Beweis gegen die vielen Feinde Israels, welche jene fingkrte Nationalität vorschützend, den Bekenner der mosaischen Gotteinheits-Lehre als ein fremdartiges Element im Staate betrachtet und deshalb von allen Rechten, Aemtern und Würden ausgestoßen wissen wollen; wiederum endlich ein schlagender Beweis, daß der Jude immer mehr und mehr bemüht ist^ sich in jeder Beziehung der Emanzipation würdig zu zeigen, und daß er stets ernstlich nach wahrer Aufklärung strebt. Der Verf. zeigt nämlich, daß dem Juden schon von der Mischna die Feier eines doppelten Neujahrs vorgeschrieben werden: ein rein religiöses am ersten Tischrk, ein bürgerlich-politisches am erste Nissan (das Neujahr der Könige;) und daß, da dem Juden mit dem gewöhnlichen Neujahr so viele Beziehungen in bürgerlichen Verhältnissen sind, es ihm wohl ansteht, mit Beiseitsetzung aller christlich-kirchlichen Momente, den 1. Januar als ein bürgerliches Neujahr zu feiern.— Korrespondenz. Wanderung durch das Krakau'sche, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) September, 1842. Aus all dem gehet indeß so viel hervor, daß man den Standpunkt ' der Juden Galiziens falsch auffaßt, wenn man ihn (wie es so oft geschehen) bald zu hoch und schädlich, bald zu tief und bedeutungslos bezeichnet. — Die galizische Judenschast ist einmal die conditio sine qua non, der nervus rerum des Landes; sie ist der große Bewegungshebel, der alle Kräfte des Landes in Thatigkeit setzt und die zu Tage geförderten Erzeugnisse in Bewegung und Umlauf bringt. Nach Außen verbindet sie — für den Kaiserstaat wichtig genug — Galizien mit dem Herzen der Regierung, nämlich Oesterreich und Wien. Man sehe doch einmal, wer die Unmassen von Manufaktur-ErzeugOffen aus den östreichischen-deutschen Erblanden täglich und stündlich nach Galizien verführt, wer Lemberg und Wien'fast zu einer Stadt verbunden,— ob es nicht Juden waren und sind? — Man sehe aber auch doch andererseits, wer die vielen und mannichfaltigen edlern Agrikulturprodukte 'aus Galizien wieder nach den österreichischen deutschen Ländern unaufhörlich transportkrt, es sind ebenfalls Juden! — Nach Innen aber ist die galizische Judenschaft das Band, das die beiden Extreme des Landes (Edelmann und Bauer) vereiniget, ohne welches sie sich nie unmittelbar berühren könnten. Denn jeder Handelsverkehr setzt eine gewisse Gleichheit voraus, ohne welche weder Austausch noch Handel möglich ist. Nun soll der Bauer, der den Edelmann als etwas absolut Höheres, als eine Menschenklasse sui generis zu betrachten gewohnt ist, es wagen mit diesem zu unterhandeln? — mit dem Edelmanne, dem gegenüber fein ganzes Eigenthumsrecht (wenn nicht de jure, doch gewiß de facto) in Nichts aufgehet? — Und der Edelmann soll sich herab lassen, mit einem Bauern zu unterhandeln? — Nimmermehr! — Der Bauer ist gewohnt zitternd zu gehorchen, so wie der Edelmann herrisch zu befehlen; nun denke man sich einen vortheilhaften Handelsverkehr zwischen solchen zwei Kontrahenten! — Man versuche einmal die Juden aus Galizien zu verweisen! An demselben Tage werden die blühendsten Städte — eine Einöde; die besuchtesten Gegenden, — menschenleer; die jetzt nie ruhenden Straßen— Graswiesen, die Landesprodukten zu Null, selbst die kaiserlichen Gefälle auf halben Werth herabfinken, kurz, ein belebtes blühendes Ganze in traurige, tobte Trümmer zerfallen. — Man irrt aber eben so sehr, wenn man den Einfluß der Juden in Galizien als einen mißbrauchten und namentlich den auf das Landvolk als einen durchgängig schädlichen schildert, weßwegen man ihnen auch das Wohnen auf dem Lande, das Halten von Schenkwirthschaflen daselbst u. dgl. verboten hat. — Man frage doch nur unpartheiisch den Bauer, ob er mehr von seinem jüdischen Pachter oder Dorfschenker (wo es einen giebt) gedrückt wird, als von seinem christlichen Oekonomen oder Mandatarius! wer ihm mehr bei Theuerung, Krankheit, oder sonstiger Noth beizustehen bereit ist (wenn auch mitunter mit einigen Nebenabsichten auf eignen Vortheil, was jedoch den Zweck nicht im mindesten alienirt); überhaupt an wen der Bauer unter allen Verhältnissen sich zutraulicher zu wenden wagt, und man wird sich eines Bessern überzeugen. Daß dieses alles durch keinen christlichen Dorfschenker ersetzt werden kann, gehet schon aus der einfachen Betrachtung hervor, daß dieser entweder Bauer oder Edelmann sein wird, einen dritten Fall gkebts nicht. Im ersten Falle aber wird er