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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-02-18 · Heft 7 (18.2.1843) · p. Seite 97

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 7 (18.2.1843)
Date
1843-02-18
Page
Seite 97 (sequence 9)
Language
German
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97 die dies nicht sind, darum nicht emanzipirt? — Wir gestehen, hier fängt der Jdeengang unsers Vf.'s an, uns immer dunkler zu werden. ' Die Juden werden nämlich, um zu beweisen, daß sie trotz ihrer ehemaligen Vortrefflichkeit heute nichts taugen (aber jene Männer sind ja fast alle Namen der Gegenwart?), mit den-klassischen-Römern und Griechen verglichen, deren Nachkommen feiges, gewinnsüchtiges Gesindel sei. — Freund, diese Bemerkung hat Ihnen irgend ein verschmitzter Rathgeber in die Feder diklirt, der sich jetzt weidlich an Ihrer Verlegenheit ergötzen wird. — Wer sind denn nun diese Nachkommen der klassischen Römer und Griechen, dieses feige, eigennützige Gesindel? Doch wohl — gute Christen? Leute, die in und mit Ihnen leben, zu denen Sie vielleicht selbst gehören? Versuchen Sie's doch, dieser ihre bürgerlichen, ihre Menschenrechte zu entziehen. — Die Juden sollen ihren alten Adel theils verloren, theils im Zerrbilde erhalten haben, „da der Bedrückte sich sehr bald seiner gemeinen Lage anpaßt und jeder höhern Gesinnungentsagt —. —, der Privilegirte (?) dagegen sich seiner Vorrechte würdig zu machen sucht." — Nehmen Sie Sich in Acht, dieser Salto mortale könnte Ihnen leicht den Hals brechen, Freund Judas! —diese Privilegirten sind eben die Enfaus gätes, die mißrathenen Söhne jener Miltiades, Aristides , Codrus und Brutus, während die Juden sich bei allem Drucke, bei aller Sklaverei fast zweier Jahrtausende, mögen Sie sagen, was Sie wollen, im Geiste frei und unbezwungen bis auf den heutigen Tag erhalten haben. — Hier wird uns also, wiewol mit dem Eingeständnisse, daß man es gegen uns verschuldet habe, gemeiner Sklavensinn zum Vorwurfe gemacht. Man halte dagegen einen andern Königsberger Artikel aus der Rh. u. M. Zeit. (Schles. Zeit. No. 20): „Allgemein ist der Wunsch, nach einer freien organischen. Entwicklung des staatlichen Lebens; jedoch findet das Streben unserer „Inländischen Zustande" alle und jede Maßregel der Regierung zu tadeln, nicht allgemeinen Anklang, weil" (also darum nur?) „es hauptsächlich von einigen vorlauten israelitischen jungen Leuten ausgeht" — O der infamen Lüge! Also sind Witt, Walesrode, Gottschalk u. s. w. Juden? — „Dieses zeigte sich besonders bei Anwesenheit G. Herwegh's, der eben nur bei dieser Parthei einen großen Enthusiasmus erregte." — O der Erbärmlichkeit! Als Herwegh nach Königsberg kam, war der berüchtigte Brief noch nicht geschrieben, und der Enthusiasmus, für Herwegh ging zuerst — von unserm großherzigen Monarchen aus. Zuverlässig haben jene Schächerseelen, unser Korrespondent an der Spitze, die jetzf aus vollem Halse rufen: Steiniget ihn! Steiniget ihn! damals im Staube kriechend aus heisern Kehlen ihr Adorate! gekrächzt, je nachdem die Berliner Windfahne stand. — Hier wird nun wider Willen den Juden das Zeugniß des feigen Sterilismus —>• ab gesprochen. — Und doch ist hier wie dort Lüge und Verleumdung! Letzterer Korrespondent verräth sich bald selber, indem er fortfährt: „Vom 1. Januar ab erscheint hier eine Regierungszeitung unter der Redaktion des Prof. Schubert, es hält aber schwer, Mitarbeiter zu finden, da mehre unserer federfertigen Professoren dieser ihre Mitwirkung versagt haben, weil sie die politisch unfreisinnigen Ansichten des Redakteurs nicht theilen u. s. w. — Nun, diese federfertigen Professoren, welche die' politisch, unfreisinnigen Ansichten der Redakt. nicht theilen, sind doch nicht etwa Juden!? — In der That, die Bornirtheit des Korresp. wird nur von seiner Bosheit übertroffen. Da derselbe nämlich von dem erhabenen und aufgeklärten Geiste eines Friedrich, .Wilhelm IV. nichts anders erwarten kann, als daß den Juden doch wohl einige Konzessionen zugeworfen werden könnten, so hat er nichts besseres zu thun, als dieselben geschwind in den Augen der Regierung auf die frechste und zugleich lächerlichste Weise als Aufwiegler und Demagogen zu verdächtigen. Wir können, auf den Geist unserer Regierung vertrauend, hiezu lachen und dergleichen erbärmliche Verläumder und die ebenso erbärmlichen Redaktoren, die ihr Blatt zum Depositum für dergleichen schwarzgalligte Exkreta herleihen müssen, von Herzen bedauern. — Wir haben unfern modernen Judas nicht besser widerlegen zu können geglaubt, als durch die Angabe eines seiner eignen Häscher, sind aber dadurch etwas zu weit abgekommen und verfolgen des erstern Taktik weiter. Um nun die fernere Unterdrückung der Juden zugleich als einen Akt wahrer Geistesgröße darzustellen, muß — Friedrich der Große herhatten, welcher, gegenüber dem Adel, der Plebs misera con- 7

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