Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1843)
- Date
- 1843-01-21
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
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40 Aufsatz von D., worin als nothwendiger Grundzug der Behandlung der Dienstboten, mit Bezug auf den Spruch „liebe deinen Nächsten wie dich selbst," die christliche Liebe und ein christliches Leben gefor-, dert wird. In No. 257 brachte dieselbe Dame D. den Vorschlag, einen Dienstboten-Verein „unter Leitung christlicher Frauen" zu bilden, und rief dazu christliche Damen auf. Hingegen erhob sich in No. 259 eine jüdische Hausfrau, indem sie sagte: „Abgesehen davon, daß es einen Zweck der Humanität sehr verdächtigt, wenn man bei dessen Begründung schon andere'Religions-Parteien ausschließt: scheint es doch durchaus nicht in dem Geiste der christlichen Liebe, der diesen Verein beseelen soll, gehandelt zu sein, so vielen achtbaren Hausfrauen anderer Konfession', die meistens christliche Dienstboten halten, die Aufnahme darin zu versagen, und warum? — weil ihnen Liebe „„ein göttliches, wenn auch nicht Christi Gebot"" ist." Im Verlaufe werden noch einige bittere Phrasen hinzugefügt. — In No. 2ß1 war nun sowol ein „Dank" an die „vortreffliche Israelitin" von einem Christen für ihre Bemerkung zu finden, als auch eine „Erklärung" der Dame D., worin diese sagte: „es sei wol zu hart, einem Vereine deswegen Lieblosigkeit und Intoleranz vorzuwerfen, weil er sich ausschließend aus Glaubensgenossen gebildet, . die zu irgend elnem Zweck im Geist und in der Kraft ihres Glauben's gemeinschaftlich zu wirken Vorhaben," ferner bemerkt sie, „es solle den'dienenden Mitgliedern des Vereins nie genommen sein, sich einem jüdischen Hausstande anzuschließen. Hierauf replizirte die jüdische Dame in No. 263, behauptend, von der D. ganz mißverstanden zu sein, und spricht „das feste Vertrauen zudem richtigen'Gefühl ihrer-jüdischen Glaubensschwestern, daß sie keine Dienstboten annehmen werden, welche dem Verein angehören mögen," aus. — Die Fehde ging nun in die „Neuen Hamburgischen Blätter," eine Wochenschrift, über, wo in No. 49 ein V. gegen die jüdische Dame loszog. Er sieht es 1) als eine „unerträgliche Beschränkung der persönlichen Freiheit" an, wenn „Glaubensgenossen sich nicht vereinigen sollen, um auf der Grundlage dieser ihrer Ueberzeugung irgend einen löblichen Zweck zu verfolgen;" 2) dies um so mehr, da die Zahl der Juden so klein sei, und-da 3) Hamburg ein christlicher Staat sei. Der Herr V. nimmt zuletzt noch einen stärkern Anlauf, und schimpft „auf jene unwahre und lügnerische Richtung, welche unter der Maske der Humanität und des Liberalismus, theils selbstnützige Zwecke verfolgt, theils einen heimlichen Krieg gegen Religion und Sittlichkeit führt." (Die arme jüdische Dame, wer hätte so Schreckliches in ihr versteckt geglaubt!!!) — No. 50 der gedachten Blätter brachte zwei Entgegnungen; die eine betrachtet die Sache vom praktischen Gesichtspunkt, und meint, würde,der Verein mit Gebet und Gottesdienst verbunden werden, so könnte er freilich nur christlich sein, wo nicht, so wäre es nothwendig, den Verein so groß wie möglich zu machen, also auch die jüd. Damen hinzuzuziehen, wie in Hamburg zweiMäßigkeitsvereine beständen, der eine bloß christlich, weil er zugleich gottesdienstlich ist, der andre gemischt. Der zweite Art., —r— unterzeichnet, geht auf die allgemeine Debatte schärfer ein, und zählt eine Reihe von „Verkennungen" des Herrn V. auf, namentlich daß das Christenthum gar nicht nöthig. habe „durch ewiges, peinliches Inspiziren von Uniform und Feldgeschrei" gestützt zu werden, daß die Ausschließung von Juden nur den Geist der Ausschließung auch innerhalb der christlichen Sekten fördert, daß wo ein spezielles Institut gegründet werden' soll, es frei stände, ihm ein konfessionelles Gepräge zu geben, nicht aber, wo ein solches die ganze Stadt umfassen soll. — Gegen beide Artikel rückte Herr V. in No. 51 wieder in's Feld, indem er den erstem mit „Unklarheit, Länge ff." auf ganz falsche Weise zurückweist, den letztem in seinen einzelnen Punkten zu widerlegen sucht. Es ist ein Herumwerfen im Für und Widex der einzelnen in Anwendung gekommenen Phrasen. Das Wichtigere ^kommt zuletzt, indem Herr V. seine Ansicht über die Emanzipation der Juden ausspricht, indem er letzteren Gewerbefreiheit, durchaus aber nicht volles Bürgerrecht zugesteht, da sie sonst Einfluß auf den Staat gewinnen würden, der hamburgische Staat aber ein christlicher sei. — Herr — r— ließ nicht auf sich warten, und antwortet in No. 53 und 54. Er setzt zuerst seine Ansichten über die Stellung des Judenthums und Christenthums auseinander, und widerlegt den Ausdruck: „Hamburg sei ein christlicher Staat," indem er die einzelnen Momente des Staates durchgeht, und zeigt, daß die darin gelegenen Interessen gar nicht christlich-religiöser, sondern materieller Na-