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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-28 · Heft 104 (28.12.1839) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 104 (28.12.1839)
Date
1839-12-28
Page
Seite 693 (sequence 9)
Language
German
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693 nicht Platz greifen soll, ist es jedoch für den unbefangenen und wahrhaft ernsten Forscher ein mißlicher Umstand, daß ihm bei näherem Eingehen fn die neueren kritischen Arbeiten oft überraschend entgegentritt, nicht allein wie leichtsinnig, sondern sogar fast wie hämisch dabesi viele, sonst ausgezeichnete Exegeten zu Werke gegangen sind, indem sie die kleinsten, leicht zu ordnenden Auffälligkeiten mit einer Härte des Urtheils ausgefaßt, die Einem das größte Mißtrauen zu ihnen selbst einflößt. Als ein ganz besonderes Beispiel, und dessen Widerlegung heben wir eine Kommentarstelle aus des genannten Bibelwerkes sechster Lieferung zum 1. B. Mos. Kap. 40. V. 1. hervor. „Unser Kap. insonders war es, welches den neueren Kritikern zur Grundlage diente, um dem ersten B. Mosch, einen spätem Ursprung nachzuweisen. Denn de? in demselben der Traum des Oberschenken den Weinbau in Aegypten zu Josephs Zeit voraussetzt, so wollte man, gestützt auf eine Stelle im Herodot 2, 77, wo derselbe sagt, es gäbe dort keine Weinstöcke (iv rfi x^QV sehr ungenau), und man trinke eine Art Bier, den Weinbau in so hohem Alter nicht statt finden lassen — folglich gehöre die ganze Erzählung einer spätem Zeit an. Wie aber, wenn Herodot dennoch den Wein in Aeg. an einer andern Stelle als vorhanden angibt? II, 36. berichtet er, daß jedem ägypt. Priester täglich nebst Gänse- und Rindfleisch auch Wein gereicht werde, (vgl. nawa tPiiniDP pN “O 47, 22), und zwar ausdrücklich Traubenwein, nicht Obst- oder Gerstenwein (SiSoza dt ocpi y.ui oivov a^int’kiv ov,) und II. 39 läßt er sie Wein bei den Opfern gebrauchen — was doch Beides einen sehr bedeutenden Verbrauch an Wein voraussetzt, eine regelmäßige Einfuhr fremden Weines in diesen Zeiten aber noch nicht zu denken ist. Was anders erweist dies nun, als daß Herodot bei dem ägypt. Volke nicht wie bei dem griechischen den Wein als gewöhnliches Gzttstnk, und deshalb den Weinbau nicht fo bedeutend wie in Asien und Griechenland vorfand, wohingegen der Wein doch vielfach gebraucht, und also auch an einzelnen Orten gebaut ward. Dies erweisen denn auch andere Schriftsteller. Nach Athenäus und Oiodor baute man die Weinrebe in mehreren Nomen des Landes, der letztere, Strabo, Plknkus sprechen von mehreren Sorten von Koptos, Fayoum, Alexandrien, von thacischem Weine rc. Diodor laßt die Einführung des Weinbaus in Aeg. sogar dem Osiris zuschreiben, also dem fabelhaftesten Alterthume.— Wie konnte man nun so kühn sein, auf jene wenigen allzubeiläusigen Worte des Herodot hin, die Autorität unsres Buches in Frage zu stellen? Hatte man nicht, selbst wenn Me diese' Gegenzeugnisse nicht gewesen, bedenken sollen, daß zwischen Joseph und Herodot über 13 Jahrhunderte verflossen, in denen bei mehrfachen politischen und religiösen Umwälzungen die Gestalt des Landes sich mehrfach verändern konnte, eben so wie jetzt wenig Wein in Aegypten gefunden wird, weil seinen Bau der Islam nicht duldet? Hätte nicht gerade der Bericht uns. Kap.', wo der Schenke unmittelbar die Weinbeeren über dem Becher zerdrückt, und ihn sofort dem Könige reicht, auf eine noch rohe Bereitungsweise deuten müssen, die das hohe Alterthum gänzlich bekundet, und die man in Palästina selbst gar nicht kannte? Setzte denn, im schlimmsten Falle, ein Weinberg des Königs einen allgemeinen Weinbau voraus?— Aber wir haben auch noch direkte Beweise, daß der Wein in Aegypten wirklich im höchsten Alterthume, und zwar auf fehr ausgebildete Weise cultkvirt wurde. Regnker, Champollkon, Wilkinson und Mknutolk haben in der Umgegend von Beni-Hassan, Theben und den großen Pyramiden Hieroglyphen, und in den Grabesgrotten Abbildungen, die sich auf die Kultur des Weinstocks beziehen,, gefunden. Diese Grabesgrotten von Beni- Hassan reichen über das Zeitalter Josephs hinaus, die in der Nähe der Pyramiden sind noch älter, Theben selbst reicht bis in das dunkelste Alterthum hinauf, und fo zeigen diese Abbildungen hinlänglich, wie hoch hinauf wir auch in Aegypten die Weinkultur zu setzen haben. Jene Abbildungen, die Wilkinson getreu wiedergkebt, zeigen den Bau der Reben an Wänden, Geländern, in Lauben und Bogengängen, (nicht aber, an Bäumen wie bei den Römern.) Die reifen Trauben (im Monat Epkphi, der am 25. Juni beginnt,) wurden in tiefe Körbe oder Kübel geschüttet, die auf dem Kopfe, f. Abb. No. 1?), oder dem Arme, auf der linken Schulter, oder auf einer Trage auf beiden Schultern zur Weinpresse getragen wurden. Die Trauben wurden theils durch Fuß - oder Handpressen gepreßt. Die Fußpresse -war ein angemessenes Gestell mit Kapital und bemalten Säulen, wobei sich die Leute an Stricken fest hielten, f. Abb. No. 2. Die Handpressen waren der Art, daß die Trauben in einen großen Sack geschüttet, und nun der Sack, entweder vermittelst einer Schleife, s. No. 3, oder mit Stöcken in einer sehr eigenthümlichen Procedur, s.-No. 4, gedreht ward, so daß der Traubensaft in ein darunter gestelltes Gefäß lief. Die Abbildungen Wilkknson's zeigen noch, wie der Wein in Jarren geschüttet, und öfters von ägyptischen Damen und Herren bis zum Uebermaße genossen ward, wie sich denn einige Gruppen zeigen, in denen betrunkene Herren von ihren Dienern heimgetragen werden. Beim Abdruck dieser Bemerkungen erhalten wir einen eige- •) Die Abbildungen selbst gestattet uns der Raum nicht zu geben, und müssen wir auf das Bibelwerk selbst verweisen.

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