Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 102 (14.12.1839)
- Date
- 1839-12-14
- Page
- Seite 668 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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668 (tcn Welf nicht erwähnt), zu.den Psalmen und zuHiob in der amslcrdamcr rabbinischen Bibel von 2724. ES war übrigens unser Obadia auS Cesona in Italien gebürtig, war 149t zu Rom deS berühmten Reuchlin Lehrer im Hebräischen und starb 1050- Ueber seine übrigen Werke ol Wolf bibl. 1. 939. °) Indem wir nun nach dieser literarhistorischen Abschweifung zu unserem Buche zurückkehren, wollen wir schließlich einige Stellen daraus mittheilen, bei deren Auswahl uns besonders die Originalität der Ansicht, , oder ein sehr häufig erscheinender richtiger, grammatischer Lact, oder sonst etwas, das uns frappirt hat, leis rete und wobei wir unfern Tadel ebenso unverhohlen alö unsre Beisiimmung aussprechen wollen. Die scheinbar unmoralische Handlung Abrahams, daß er (Gen. XII., 13) seine Gemahlin für seine Schwester auSgab, erklärt unser Verf. mit Obadia Sfvrnv dahin, daß Abraham wol eingesehen habe, die ägyptischen Fürsten würden ihn, wenn er wirklich als Gatte erschiene, sicher tödren, weil sie keine Hoffnung eines freiwilligen Abtritts der Sarah hegen könnten, während sie ihn als Bruder freundlicher behandeln und sich in gewöhnlicher Art nm seine und seiner Schwester Gunst bewerben würden, so daß er wahrend besten Zeit gewinnen könnte, wieder nach Palästina zurückzukebren. —. Ebenso sucht Vers, unsre Ahnfrau Sara zu rechtfertigen, daß sie (Gen. XXI, 10) die Vertreibung desJümael verlange, damit er nicht mir ihrem Sohne Isaak erbe (ki lo jirasch im beni). Zuerst führt uns Verf. die sehr scharfsinnige Unterscheidung S. D. Luzzato's zwischen jirasch und nachal vor, daß nämlich letzteres nur heiße: „ein Erbrheil erhalten, mit andern ein Erbgut tbeilen" wahrend erstcreö die Bedeutung habe: „sich aneignen, in Besitz nehmen, sich zum Universalerben machen." Beides wird durch Bibelstellen (die anzuführen der Raum verbietet) genügend erwiesen: ebenso auch daß daS Wörtchen im die Bedeutung „gegen" habe, so daß dann der Sinn des Satzeö sich folgendermaßen' herauSsieltt; „er soll sich nicht zum Alleinerben gegen Isaak machen" und daß also Sara den JSmael nicht zu Gunsten ihres SohncS um sein Erbtheil brigen wollte. Unser Verf. aber bringt daö Wort jarasch, oder dessen eigentliche Wurzel rasch und rosck, Haupt, zusammen (vgl. Pappenheims Synonymik) und übersetzt: „er solle nicht gebieterisch verfahren mit Isaak." Er. stützt sich hiebei erstens darauf, daß Sara gar Nichts von Gütern erwähne, noch sonst etwas, was auf deu Begriff erben hindeute, und daß zweitens das vorhergehende Verspotten JsaakS durch Jömael der Sara solche Befürchtungen habe cinfiößen können. — Richtig cinscheint uns die Ansicht des Verf. in Exod. I, 10 das alah min haarez nicht wie gewöhnlich geschieht, zu übersetzen, „sie werden hinaus ziehn aus dem Lande," da dieß wirklich mit dem Vorhergehenden in Pharaos Rede nicht zusammenhängt, sondern alah in der Bedeutung „aufkommen, emporkommen" und das min, wie auch andcrSwv geschieht, als ComparalivuS zu nehmen, so daß cö heißt: sic werden emporkommen über (mehr, als) daS Land. — Die traditionelle Interpretation Jarchi'S, daß Exod'. 1,22, der Befehl Pharaos nicht allein den jüdischen, sondern auch den ägyptischen Kindern gegolten habe, rechtfertigt Verf. dadurch, daß das Won ziwa, wenn eS mit lamed tonstruirt werde, nicht heiße „Jemandem" sondern „in Betreff Jemandes" befehlen; waS durch mehrfache Bibclstellen erwiesen wird. — Abweichend von der Meinung tzeö Dr. Fürst in Concordanz sub voce vajoel nimmt Verf. mir Pappcnheim cl stark sein, als Stamm an, und faßt joei als Bekräftigung einer Sache durch That oder festen Vorsatz an, und zwar um hiedurch die rabbinischc Interpretation der Stelle (Exod. II, 21) „ Mose habe geschworen," zu rechtfertigen: bester gefällt uns die Fürstsche Ableitung von waal, in der Bedeutung deS Begehrens, WollenS volo, p'ovluycu, wollen. Sehr scharfsinnig begründet der Verf. die rabbinischc Erklärung der Stelle zExvd. IV, 21) in der Grammatik. Es sagen nämlich die Rabbinen, Moseö habe sich bei der Beschneidung seines Sohnes verspätet: nun heißt der Text: „wajehi baderech bamalon:" mit Sfvrno erklärt nun Verf., und beweist durch Parcrllclstellen, daß wajehi mir folgendem bet „sich beschäftigen, sich verweilen bei etwas" bedeutet und malon leitet er nicht von lun „übernachlen", sondern von mul, Beschneiden, ab. — Einen sehr fein nuancirten Unterschied giebt Verf. nach Bechai bei Gelegenheit des Wortes mvrascha in Exod VI, 8: er nimmt endlich an, cs unterscheide sich von jeruscha darin, daß ev ein Wiedervererben bezeichne und daher sehr richtig hier'gesagt sei, da keiner der Auswanderndcn selbst daö Land besaß / sondern es an die Nachkommen vererbte. Denselben feinen Unterschied findet Vers, auch, wenn eö von der Lehre hcißr: „tora ziwa lanu Mosche morascha " da das Gesetz nicht dem empfangenden Geschlechre als ewiger Besitz, sondern zur Vererbung gegeben wc/rd. — In Exod. XU, 13 will Verf. auf den Chaldäer gestützt das pasach nicht mir „überschreiten" sondern mit „verschonen" übersetzt wissen, damit, sagt er, ein unnützer Anthropomorphismus vermieden werde. Vielleicht ist diese Meinung nicht ganz falsch. Die talmudische Deutung, daß aus den Worten. (Exod. Xlll, 7) welo jeraöh lach chamez hervorgehn, „der Anblick des fremden Gesäuerten sei erlaubt" sucht Verf. darin zu begründen, daß lach sehr häufig mit schelach gleich bedeutend sei, und auch vom Chaldäer mit dilech übersetzt werde, so daß eö auch hier nicht etwa der Uittivu» graeous gleich dem Ablativüs fei, sondern Genitivbedcutung habe, das Cigenthum bezeichnend. Bei Gelegenheit der Stelle (Exod. XIII, 17), wo es beißt: pen jenachem haam und wo Verf. die Idee an scheinbaren Zweifel Gottes zurückweist, erklärt er mir Bechai und vielen andern das pen nicht als „.vielleicht" sondern als ,-damit nicht" und giebt zugleich die sehr tichtige etymologische Ableitung eines unbekannten Gelehrten, daß die Grundbedeutung des Wortes die des Hinwegräumens, Wcgschaffenö sei und mit panah in panili habajit und ähnlichen Stellen zusammenhänge. Sehr scharfsinnig scheint uns die (Exod. XX, 10) bei den Worten Schabbat laadonai gegebene Etymologie des Wortes Schabbat von schub zurückkehren, so daß es ein Tag der Rückkehr in sich, der inneren Prüfung, der Besinnung, also ein Schubbat laadonai ein Besinnungstag für göttliche Dinge, ein rag der Rückkehr zu Gott, also ein Tag der Erbauung und des GesctzstudiumS sei und daß also daö rabbinischc Dictum: „die Sabbate sind Israel nur gegeben worden, um sich mit dem Gesetz zu beschäftigen in der Etymologie des Wortes feinen Ursprung hat. Dies wären ungefähr einige Stellen aus vielen, die uns bei der Durchlesung dieses in allen Partieen interessanten Werkes ausgefallen sind. Gern hatten wir mehrere mitgerheilr, abcrrheilö die Raumbeschrankrhcit, rheils die Schwierigkeit, gerade größere selbstständige Mcinungscnrwickelungen aus dem recht fließenden, aber gedrängtem Hebräisch ins Deutsche zu übertragen, ohne dabei weitschweifig zu werden, hat es unS verboten. Wir nehmen nun von dem Buche mir dem Wunsche Abschied. eö möge eine solche Verbreitung finden, alö es in jeder Beziehung verdient, und besonders in der, daß eS nach langem Scheintodtähnlichen Winterschlaf der jüdischen Exegetik daö erste Frühlingsblümchen war, und zugleich hegen wir die Hoffnung, eö werde nicht lange verwaist auf den Fluren stehen, sondern bald freundliche Gespielen sich an reihen. •) Nach Delitzsch Z. Geschichte der j'üd. Poesie S. 71, schrieunser Obadia auch wissenschaftliche Werke in lateinischer Sprache und starb 1523. Druck von Z. B. Hirfchfeld.