Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 99 (23.11.1839)
- Date
- 1839-11-23
- Page
- Seite 616 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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616 * ** SÜlehfytin* Und Alles ward so heimlich dort betrieben. Daß nicht ein Laut zu unsrer Kunde drangt Wenn nicht des Juden Treue uns geschützt, Hätt uns der Feind ganz unbewehrt gefunden. K a.s i mi r. Und Polens Adel ist dem Feind verbunden,. Und hat dies Wetter über uns gebracht? Melchtin. So isi's. Doch Alle nicht. Kasimir.. Die Meistens Melchtin. Ja. Kasimir. Selbst die,, so ich am nächsten mir gestellt? Melchtin. Ich kann's nicht leugnen, hier die Liste zeigt's. Kasimir.. Wie wehe thut Verrath! — Ich glaubte nichts Daß es so schmerzlich mich verwunden würde! Und wie gedenkst du,, daß wir diesen Sturm Beschwören? Melchtin.. Wol ein schweres Werk-, mein König. Wie Ihr befahlt, Hab' ich sie her beschieden, Die Herren all', die jetzt in Krakau weilen;. Sie sind versammelt, harren eures Winks. Kasimir. Was werd ich hören müssen? — Melchtin.. Doch, mein Herr,. "Hat mir der Jud' gar Manches mitgetheilt. Was nützlich wäre, selbst im schlimmsten Fall. Er ist im. Schloß, unb will sich vor Euch stellen.. Kasimir. Wie haben sich die Zeiten doch verändert! Was will die Zeit,, die furchtbare, gebären,. Daß sie den Lauf der Dinge so geändert — Beim- Juden sucht der König seine Hülfe, Und seine Diener streben ihn zu stürzen. Wohlan, führ, sie herein, mein treuer Knecht,, Und Niemand säg' von. uns, daß Kasimir. Verrather selbst hat ungehort verdammt. Doch werd' ich nimmer ihrem Trotze weichen. (Melchtin ab.) (Fortsetzung folgt-.). ReligioMsphilosophke. Skizze einer Entwickelung des Gottesbegriffes vom heutigen jüdischen Standpunkte aus. Von Br. Herzfeld In .Braunschweig. (Fortsetzung). Eine unverkennbare Analogie der Bahn des individuellen Geistes mit der des Geistes der Völker veranlaßt uns nun in dem Entwickelungsgange der Menschheit dieselben Stufen aufzuweisen, welche der Einzelne vom dunkelsten Gefühl an bis zum klarsten Selbstdewußtftin einmal behauptet hat. Diese Aufgabe wird aber wegen zweier Ursachen nur lückenhaft sich können lösen lassen. Einmal ist die Völkergeschichte von der Geschichte des Individuums darin verschieden, daß wir von einem jeden Kinde einen neuen Cursus der geistigen Entwickelung durchmachen sehen, wahrend die Kindesgeschichte der Menschheit unwiederbringlich in Vergessenheit gesenkt ist, und noch manche Lücke ihres Knaben- und selbst Jünglingsalters des Scharfsinnes aller Forscher spottet. Die zweite Schwierigkeit dagegen ist eine Aehnlichkeit beider Geschichten. Nicht an Einem Tage wird nämlich das spielende Kind ein verständiger Knabe, und ebenso nicht von Einem Tage an fühlt der Knabe sich einen Jüngling; kaum der gereifte, mit Bewußtsein und Selbstbeobach-' tung ausgerüstete Mann kann sich darüber Rechenschaft geben, wann dieser und wann jener Gedanke in ihm aufblitzte und seine bisherige Nacht erleuchtete. Ebenso wenig läßt sich kn der früheren Völkerrntwkckelung ausmitteln, wo und wann und von wem der Stoß in eine neue Richtung des Geistes ausging; nur in nebelhaften Hüllen treten ihre Phasen vor unser spates Auge, bis die .sich ermannende Geschichte die Schatten weichen heißt, und ihre^ichter, die zeitmessenden Heroen, Namen und Vaterland erhalten. Daher werde ich für die frühere Zeit,, mit Vermeidung aller kleinfügigen Theilungen und Unterabtheilungen in einem Gegenstände,. dessen Grenzen so flüssig sind,, dessen Natur der ewige Urbergang ist,, nur da Einschnitte zu machen mir erlaube, wo die kleinen Modisicationen des individuellen und des Völkerbewußtseins die frühere Gestaltung so sehr verändert haben, daß ihr. neuer Charakter sich mit Entschiedenheit herausstellt. Steigen wir nun in die Urwelt unseres individuellen Bewußtseins hinein, so sehen wir, daß das erste Gefühl in dem neugeborenen Kinde das Gefühl eines unbegrenzten Jchs ist, welchemerst sein spateres» passives LebenGrenzen,! und vermittelst dieser Form und Gestatt gkebt. Die ganze