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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-23 · Heft 99 (23.11.1839) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 99 (23.11.1839)
Date
1839-11-23
Page
Seite 614 (sequence 10)
Language
German
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614 Zum greisen Vater in der Dunkelheit, Dein Schritt sich lenken — oder wird hinan. Wo Dein verlangend Ähnlichst harrt ein Herrscher, Mit seiner Krone auf dem hohen Haupt, Zum Königsschloß Dein Fuß den Weg betreten? (Pause.) Du schweigst — liegt kn dem Schweigen Deine Antwort? — Ach, wie beredt ist solch ein Schweigen doch! Estecka. Frag' nicht, Ben-Joseph, sei nicht grausam, Freund — Vermag mein Herz sich, selbst Antwort zu geben? — Ben-J oseph. Esterka, weißt Du noch, ist Dic's bewußt, Als wir aus Frankfurt an dem Main entflohen, Ich eine Waise, Du das einz'ge Kind, das aus dem Brand dem Vater war verblieben, Er selbst ein schwacher Greis, wir zart an Jahren — Auf meinem Rücken trug ich Dich hinauf Auf steilen Pfaden oft, durch das Gebüsch Macht ich uns Bahn mit den zerrißnen Händen, Mein Mantel deckte Dich vor'm Thau der Nacht, Am frühen Morgen war ich vor der Sonne Hinaus, um Brod für eu'r Begehr zu suchen, Ich hungerte, und bracht' die Gabe euch, Und sah mit Freudenthränen eure Freude, Und wenn der Bauer mich mit Füßen trat, Die Hunde hetzte auf den Judenknaben, Brod, schrie ich, für Esterka und Ben-Himmel! Und ließ nickt ab, bis ich es euch errungen — Esterka. Und kannst Du glauben, daß ich's je pergäßel Ben-Joseph. Und weißt Du, wie in jener Stadt am Lech Die schwarze Pest mit Todesschwingen kam, Und Dich, den Vater auf das Lager warf — Geflohen waren alle Stadtbewohner, Selbst unsre Brüder waren ausgewandert. Die Tobten lagen auf den Straßen frei, Die Kranken waren einsam uud verlassen. Und wer sich nahte, war des Tod's gewiß — Ich wich von dannen nicht, ich blieb gebannt An's Lager, nicht Gefahr verjagte mich. Ich küßt' hinweg den Tod von Euren Lippen, Bis in die Brust das Leben kehrte wieder — Esterka. B-n-J°ftph — Ben-Joseph. Da wardst, Esterka, Du mein Eigenthum, Mehr wie ein Kind der.Mutter angehört, x Gehörst Du mir — ja, bist mein Eigenthum. — > Esterka. Nimm mich, Ben-Joseph, und entflieh mit mir, Und mag das Herz, das undankbare, brechen! Ben-Joseph. Nicht so, Estecka, kennst du mich so schlecht? So viel ich zahle Tage meines Lebens, Zahl' ich der Opfer, die mein Sein gebracht — Ich bin drauf stolz, verlange keins dafür- Doch da ich lassen soll mein Eigenthum, Soll ich nicht wissen, wo. es bleiben wird? Esterka, Schwester, sprich es offen aus, Liebst du den König? liebst du Kasimir? Hast du geprüft das leicht bestochne Herz: Jst's nicht der Glanz der Krone, der dich blendet? Este rka. Ben-Joseph —» B-en-Joseph. Schau, wir stehn am Augenblick, Am ernsten, der Entscheidung — laß zuvor Es abgethan sein zwischen beiden uns: . Eröffne mir dein Herz, und sprich es aus — Esterka. Ja, Tag soll's werden zwischen mir und dir — Der König liebt mich — hattest du gesehn, Wie er sein Auge auf mich heftete, AuS dem der Strom des reinsten Lebens quillt, .Wie er das Wort, das innigste, gewählt. Mit sanfter Glut das Herz mir zu umfangen. Den Seufzer, der der bangen Lipp' entflog, Hältst du das Wort der Liebe selbst vernommen — Und o, Ben-Joseph, ob ich liebe ihn? Wenn Liebe ist, was mir des Herzens Schlag Verdoppelt dreifach, wenn sein Schritt mir naht. Wenn Liebe ist das namenlose Weh, Das mich ergreift, so er von dannen geht, Das stumm' Entzücken, wenn er zu mir spricht. Das leise Beben, wenn die Hand er faßt, Das wache Traumen, das mich stets umfängt. Und wie ein seltsam Wogen mich umkreist — So lieb' ich ihn — sei's selbst zu eignem Schmerz! Ben-Joseph (zu sich.) So nimm denn Abschied, Freude meines Lebens, Und lege dich in die bereite Gruft — Esterka (ergreift den Arm Ben-Josephs.) Mein Bruder, stutze, halte mich, mein Bruder! O, trotz der Liebe, , die mein Wesen füllt,

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