Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 89 (14.9.1839)
- Date
- 1839-09-14
- Page
- Seite 470 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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470 5) d'Ni-Mi in fünf Strophen; 6) iiw nbV’lr: *h\ Das fast nur aus den Wiederholungen weniger Phrasen besteht. — Das erste Hineinlegen eines Knaben in die Wiege pflegt am Sabbat zu geschehen. Alsdann begiebt sich, wenn Schacharit zu Ende ist, der Vorbeter in die Wohnung, wo das Kind sich befindet, spricht “ito ST1,' den Priestersegen, Vihi noam, den Abschnitt Genes. 24, 1 bis 4 Nebst Targum, und einige Verse; nimmt einen Pentateuch und spricht vier Wünsche aus, daß der Knabe den Inhalt lernen und befolgen möge. Darauf folgt ein Mi scheberach knd Ps. 128, 5. 6. Be! einem Mädchen findet nur dieses letztere statt. — Wird der Synagoge eine neue Gesetztolle geschenkt, rezitirt man: 1) dr-ii) bab i-n?3TN, 2) •■ms “57370 (Gad), 3) anaa Ü3> ^3i2-> in fünf Sttophen., und bei der Ankunft an der Synagoge noch Pst 118; 19—29. Sowol für solcbe als-für andere freudigen Ereigniffe enthalt der Avignonsche Seder, wohl größtentheils um in der Synagoge abgesungen zu werden, noch folgende Piutim, fast alle nach der Melodie französischer Lieder gedichtet: 1) b^ln Nri8, 2) ‘’Sibi* bla mrrnJi (zu Vaihi binsoa), 3) N2NN 4) "sb '»bip rrÄee, 5) “pbia nach „les filiou de Tarascon,“ 6) trftbtf trtö nbbndr, ' 7) -nm 'ttb Jrrnm (f. oben Sabbat und Neumond), 8) N73W3 bD •’nbia 9) W:ba aiM nns, 10) s-d^k, 1 11) “pia bfcOib bDä, 12) ^-'rildebZd *>äb br>2 ^18, sammtlich von Gad Ravel; ferner 13) bab 14) 3^^733 15) i22b?3 bbtid, 16) p^b pu)^, 17) ^13, 18) 19) üntf vpia rv;», 20) br<b NN',8, 21) ^733> 22) trbais “57312, alle unbedeutend; 23) brr (Jacob Lunel), 24) 1*1737152% 25) “5^:11^73 , wozu noch die vier schon erwähnten: “5172:3 ■*» und litnphi-i (für Pesach), nsi brrn (für Sabbat Chanuka), rrin “i^a, womit der Seder schließt. — Ungeachtet nun der Ritus, von dessen Einzelnheiten die bisherige Uebersicht ein Bild geben wollte, den Anfangs genannten vier Orten gemeinschaftlich angehört, wie dies auch die in Avignon gedruckten Gebetbücher besagen, so scheint doch in manchen Punkten eine Verschiedenheit obzuwalten, die vielleicht am stärksten hinsichtlich der Gemeinde von Carpentras gilt. Denn es giebt in der That Ritualien nach dem Brauch von Carpentras; auch werden, in der Approbation des Mi' Elia Israel die im Jahre 1764 ertheilt wurde, „sowol die Bücher. Nach dem Ritus vyn Carpentras als die nach dem Ritus von Avignon" aufgeführt. Ueberdieß herrscht selbst in. den gleichzeitigin Avignon-erschienenen Gebetbüchern nicht durchaus Gleichförmigkeit, ja »bei manchen Anlässen wird angemerkt, daß dies in l'Jsle, jenes in Carpentras Brauch sei. An letzterm Orte.werden z. B. Ps. 30 und Ps. 103 nach dem Hodu ausgelassen, und die Techinna am Fasttage Gedalia im Frühgottesdienst ist trn'tt bfi^N "]b (statt W173). Bei verschiedenen ausschmückenden Piutim, selbst bei größeren Sachen, als Klagegesangen und Selicha's, herrscht oft eine reiche Auswahl, in den Ritualien durch “1N8 (ein anderes) angemerkt, und man darf nicht voraussetzcn, daß in den verschiedenen Gemeinden sich hierin jedes auf gleiche Art fixirt habe. Ueberhaupl hat jeder Ritus, auch der provenzale, und insonderheit bevor dessen Gebetbücher durch den Druck stabil und Gemeingut geworden, im Verlauf der Zeit mitunter wichtige Veränderungen erlitten, wobei natürlich zwischen verschiedenen Localitaten das Schwanken nicht zu vermeiden ist. Diese Aenderungen bestehen in der Verdrängung älterer Sachen, der Aufnahme neuerer oder fremder Piutim und Gebetsformeln, dem Abküczen und dem sich Anschmiegen an den jüngern sefardischen Ritus den vielleicht Localrabbinen begünstigten. Eine sichere Spur hiervon ist die Einführung des spanischen Baruch scheamar und der spanischen Hoschana- Ordnung. Trotz dem bewahrt dieser Rirus so viel des eigenthümlichen neuen, und einen solchen Schatz der herrlichsten religiösen Poesien, daß mit gleicher Lust das Gemüth sich in die heiligsten Tiefen der Andacht versenkt, und der Gedanke die fernen Höhen erforscht, wo Germanisches und Sefardisches sich vereint wiedersinden. Allerdings bleibt die Grundlage des provenzalen Ritus der altere spanische; aber manches hiervon ist zugleich alt französisch, z. B. die poetischen Reschujot, die Rezitirung des 2bi2 nnfia* im Morgengebet, des NÄ273 nach dem Maarib (vgl. Kerem chemed Th. 3.'S. 200). Anderes, was sich zugleich als alt im Gegensätze zu dem Sefardischen geltend machen darf, ist germanisch; so das Baruch scheamar, das Dbiitfb '1*7 “jvo im Maarib, das eine Jekum purkan, das Offt schalom am Schlüsse des Tischgebets, die Targumim am Pesach und Wochenfest. Ja sogar in den poetischen Zuthaten, obivol von den altfranzösischen und germanischen völlig verschieden) offenbart sich,'was ihren Charakter betrifft, die alrete reiche Entwickelung und vollkommen gegliederte Bildung, worin der römische, der germanische und der provenzale Ritus übet den sefardischen heroorragen. Man betrachte nur das ausgebildete Jozec der Sabbate und Festtage,' den vollen Ausbau der poetischen Tal und Geschem. Die Sed'er Tekkot im Musaf des Neujahrfestes, den ausgeprägten Bau dev wie SaUlenordnungen anzuschauenden Selichvt. Ueberall erblickt man einen einfachen Reichthüm, mit wenigen Ausnahmen edlen Stil und wahre Poesie; das Wort, erläutert sich durch die süße Empfindung, die es weckt, ohne Hälft