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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-31 · Heft 87 (31.8.1839) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 87 (31.8.1839)
Date
1839-08-31
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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431 setz zur bürgerlichen Ansäffigmachung befähigen, nachdem sie ihre mühevollen und durch religiöse Vorurtheile erschwerten Lehr- und Wanderjahre zurückgelegt, sich am Ende ihrer Vorbereitung nicht nur beständigen Demüthigungen, sondern auch jahrelangen, ja völligen Ausschließungen von einer geeigneten bürgerlichen Thatigkeit ausgesetzt, sehen. Dazu kommt, daß die Zeit eher Mehrung als Linderung dieser Leiden zu bringen scheint. Statt daß man die Strenge des Erziehungsedikts gemildert sieht,' werden die harten Ausnahmsgesetze nur zu oft eher geschärft und gesteigert, und von den subalternen Beamten mit einer Harte vollzogen, die, auf den Schuldigen berechnet, von dem Unschuldigen um so schwerer gefühlt wird, als der bessere Unterricht das Herz gegen krankende Behandlung empfindlicher macht. Es würde diese Beantwortung der gestellten Frage zu sehr in die Lange ziehen, wollten wir diese Behauptungen mit Beispielen aus dem Leben belegen; aber wundern würde sich dann Niemand mehr, daß so viele Juden dieses einzige von der Ehre gebotene Mittel ergreifen. Denn wahrlich, nur diese Ursache ist es, nicht aber Sucht nach Erwerb und Reichthum, wenn sie sich einer ungewissen Zukunft Preis geben, um ein Land zu bewohnen, wo alle Unterthanen nicht nur vor der Justiz, sondern auch vor der Polizei gleich sind/, Bamberg, 12. Aug. sPrkvatmitth.) Unter dem obersten Schutze Ihrer-Königlichen Hoheit der Frau Herzogin Louise in Baiern bildete sich hier vor Kurzem ein Frauenverein zur Errichtung einer Kleinkknderbewahranstalt, an deren Spitze Damen von hohem Range stehen, und zu dessen Beitritt auch Israeliten, mittels nachstehenden sehr ehrenvollen Schreibens des Herrn Medizinal-Direktors Dr. Ehr. Pfeufer, eingeladen wurden: „Verehrlkches Rabbineramt! Die. israelitische Gemeinde dahier hat sich bei jeder "Gelegenheit,- wo es dem Wohls der leidendes Menschheit galt, so ausgezeichnet*), daß der provisorische Ausschuß zur Errichtung^ einer Klemkinderbewahranstalt dem Unterzeichneten den Auftrag-gab, dieselbe zurgefälligen Theilnahrne ergebenst einzuladen. Indem sich Unterzeichneter, unter Beifügung?der^ Statuten nechst Beilagen, dieses angenehmen Auftrages entledigt, lebt er der schönen. Hoffnung, daß die vereheliche Gemeinde dieser Anstalt, . welche sich auch auf ihre Glaubensgenossen bezieht, ihre Unterstützung nicht entziehen werde. Unterzeichneter bemerkt nur noch, daß Madame Kohnstamm sich gegen denselben zur Uebernahme einer Kollekte bereit erklärt hat. Unter Versicherung der vollkommensten Hochachtung erharrend Einem Königlichen Rabbineramte ergebenster Bamberg,d.I.Aug. 1839. vr. Ehr. Pfeufer, als Konsulent der Anstalt." *) Wirklich geschieht in der hiesigen israelitischen Gemeinde bei den sehr beschränkten Mitteln der Kommune ungemein viel Gutes durch die Privatwohlthätigkert, die bei jeglichem Aufrufe zur Abhilfe möglichst hilfreiche Hand bietet, ohne Rücksicht auf öffentliche Anerkennung. In Folge dessen traten mehrere israelitische Frauen auf die Aufforderung des Rabbknen und der Vorsteher als ordentliche Mitglieder bei, andere, aber Unterzeichneten Beitrage. Preußen. Berlin, 20. Aug. (Eingesandt.) (Die Redaktion sieht sich gemüßigt, dem folgenden interessanten Berichte eine Bemerkung voranzuschicken. Bei dem schnellen, innerhalb weniger Decennien vollbrachten- Uebergange des Judenthums zu der allgemeinen Weltbildung, konnte dieser nur vermittelst einer großen Zahl von Geistern vollbracht, werden, welche, durch den innern Drang des Genius geweckt-Und gespornt, im Fluge den ganzen Bildungsgang durcheilten, und bei vernachlässigter Jugenderziehung, oft im achtzehnten Jahre noch des deutschen Lesens unkundig, nach wenigen Jahren im Besitze tiefer wissenschaftlicher Bildung, meisterlichen Styls ff. waren. Es .ist dies die Jugendgeschichw fast der meisten Juden, welche im letzten Viertel des vorigen und im ersten des jetzigen Jahrhunderts aus der Gewöhnlichkeit hervortraten. In Deutschland, bei der durchgängig auch bei den Juden trefflichen Schulbildung ist dies jetzt nur noch selten der Fall. Desto häufiger wird es noch unter den polnischen und russischen Juden sein müssen, und so stehen wir nicht an, im Folgenden von bewährtester Hand eine solche Persönlichkeit , skizziren zu. lassen.) Bei dem natürlichen Interesse, welches mich von jeher für die höhere Bildung unter den Juden.beseelt hat, war es mir stets eine erfreuliche Erscheinung, zu bemerken, daß bei der alljährlich von der hiesigen Medizinischen Fakultät gestelltenPreisaufgabe sehr häufig jüdische Studirende entweder den Preis erwerben oder doch lobend erwähnt wurden. Der im. Jahr 1838 wiederum von einem Glaubensgenossen mit ungeteiltem Lobe erworbene Preis veranlaßt mich um so mehr, des Verfassers jener Preisaufgabe, Hrn. vr. Jacob Levin aus Rußland, etwas ausführlicher zu erwähnen, als ich, unbeschadet der vielen interessanten "Bekanntschaften; die ich unter unfern Glaubensgenossen wahrend meines beinahe zwei und zwanzigjährigen Aufenthaltes in Berlin gemacht habe, dreist behaupten! darf, daß Er zu den ausgezeichnetsten, gehört, die-ich kennen.'gelernt. . Wiebeschränkt, seine erste Erziehung gewesen sein'muß, geht schon daraus - hervor, daß seinen Landsleuten . nicht nur jeoep andre Unterricht, als der im Hebräischen, fremd war, sondern daß - es bei ihnen fast für einen Abfall vom. echten Judenthum gilt, wenn man mit Deutschen in näherer'Berührung steht.. Njchts. desto wenigervermöchte er, als er das zMnzkgste Lebensjahr erreicht hatte,'-bereits verheirathet und Vater war,. dem mächtigen Drange nach höherer Ausbildung nicht langer .zu widerstehen. Mit vielem -Geschick suchte er die sich ihm bei feinen. Landsleuten und nächsten Verwandten entgegen thürmenden Schwierigkeiten, zu beseitigen und gelangte im September 1830 nach Hamburg, mit der kühnen.Idee, sich.zum medizinischen Studium, zu dem selbst die elementarischen Schulkenntnisse ihn fehlten,, vorzubereiten und dereinst in seinem Vaterlande als Arzt die Fackel der Bildung und Aufklärung anzuzünden. Mit einem/ sein ausgezeichnetes Talent fast noch überwiegenden Fleiß und Eifer erfaßte er alle , sich ihm darbie-

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