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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-08-03 · Heft 83 (3.8.1839) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 83 (3.8.1839)
Date
1839-08-03
Page
Seite 387 (sequence 15)
Language
German
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387 chm fand bei den Hebräern nicht statt, und deshalb scheint eS auch bei den Römern nach Einführung des Christenthums abgekommen zu sein. Doch hatten die Hebräer den Gebrauch, und zwar aus Hochachtung ihrer Könige, alle Gerathe, deren sie sich bei ihrem Leben bedient hatten, zu verbrennen, und selbst das Pferd zu lahmen, damit kein anderer einen Gebrauch davon machen könne, Semachot. Homiletische Literatur. (Fortsetzung.) 24) Zwei gottesdienstliche Vortrage, gehalten in der Synagoge zu Proßnitz von Hirsch B. Fasse!, Local- Rabbiner. Herausgegeben von einem Vereine junger Männer dieser Gemeinde durch E. I. Blücher« (Der Ertrag ist der dasigen Talmud-Tora-Anstalt gewidmet). Wien, 1838. gr. 8. S. 31. Was in der einen Gegend schon langst abgethan ist, damit ist man in der andern noch beschäftigt, in der dritten beginnt man erst. Bei dem ungeheuren Ländergebiete, welches die deutsch redenden Gemeinden Israels bewohnen, kann nicht überall ein gleichmäßiger Standpunkt gefunden und gefordert werden. Höchst erfreulich ist es aber um so mehr, überall Männer zu finden, die es sich als heiligste Pflicht des Lebens erachten, die entgegenstehenden Hindernisse zu überwinden, und der Würdet Bildung und dem Geschmacke in alle israelitischen Gemeinden den Eingang zu schaffen. — Der Verf. dieser Predigten sagt selbst im Vorworte, daß er bei seiner Gemeinde mit Draschst angefangen, denen er allmälig immer mehr reine Elemente beigemischt, bis er sich seine Gemeinde herauferzogen, des witzigen Drusch im Gotteshause sich zu entschlagen, und an wahren gottesdienstlichen Dortragen Gefallen zu finden. Wie sehr dies Wurzel geschlagen, welchen Eindruck es gemacht, ersieht man aus der Art der Herausgabe dieser 2 Predigten, wie sie auf dem Titel namhaft gemacht worden. Es werden wol noch Andere folgen. Die beiden Pr. sind am vergangenen Neujahrs- und Schlußfefte gehalten, und entlehnen ihre Texte dem Propheten Jona. Die erste beantwortet die Frage: „Wer ist jetzt der Prophet des Herrn?" die zweite bespricht: „Die Kunst zu leben und die Kunst zu sterben." — Wir können dem Redner nur unfern Beifall zu erkennen geben. Selbst die Lektüre seiner Reden erbaut mannigfach, und prägt eine religiöse Lebensweisheit ein. Nur mangelt es noch an Concentration, an Einfachheit und Strenge des ’ Gedankenfadens. 25) Gotteshaus und Gemeinde in ihrer gegenseitigen Beziehung. Zwei Reden, gehalten am 17.. Schebat (1. Febr. 1839) 5599 zur Einweihung der neuen Synagoge in Demmen, und am folgenden Tage, als am Sabbat Jitro, von Salomon Pleßner, Religionslehrer. Berlin. 1839. gr. 8. S. 40. Ueber die Feierlichkeit, bei welcher diese' beiden Reden gehalten worden, ward schon in dieser Ztg. berichtet, und der Erfolg, den dieselben bei allen Hörern gehabt, besprochen. Obgleich aber der Verf. fast auf jeder Seite auch dieser beiden Gelegenheitsreden auf originelle, naive Weise und oft bei der unbedeutendsten Gelegenheit seine eigenen, früheren Reden citirt, so daß man sich diese Citate unwillkürlich in den Text der Rede, etwa neben den Citaten auS der heiligen Schrift, denkt: so wollen wir doch die vorliegenden unabhängig für sich betrachten, da sie eben Gelegenheitsreden sind, und wir der homiletischen Sammlung des Verfassers die nächsten Nummern dieser Reihe von Referaten gewidmet haben. Denken wir uns daher einen Leser, der noch nie eine Pleßner'sche Rede gelesen, und diese beiden in die Hand bekommt: was wird ihm daran auffallen? Zunächst wird ec die empsindungs- und gedankenreiche Sprache bemerken, die den klaren Ausdruck dessen, was dem Redner bewegt, was ihn zu sagen drängt, darbietet und die den routinirten Redner, so wie den bewußten Denker bezeugt — alsdann aber das Geschmacklose, Jncorcekte einer Menge von angewenderen Ausdrücken, von Wendungen und Satzbildungen, z. B. auf der ersten Seite: „die Sprache vermag dem Andrange der Empfindung nur gleichsam einen schmalen Ritz (!) durch jenes Bibelwort zu brechen (!)" — einen Ritz brechen, an welche Landschaft erinnert dies wol? S. 12 „den Klammen der Sinnlichkeit sich entwinden." Ebendas, „ich möchte die Stunde des Todes die Stunde des größten Tempelbesuches (soll wohl heißen: des Besuches des größten Tempels?) nennen, als sie uns von der Erde zum Himmel ruft," als für da oder weil, wie auch S. 15 das. „eine kalte, hi »starren de (!) Naturbeschauung", und viele andere. — Alsdann wird sich ihm die streng logische Form der Reden auffällig machen, und hinwiederum das oftmalige Hineinzwängen von Beiläufigkeiten, die nicht hergehöcen, die nur den Prunk, ich meine nicht den Wort-, sondern den bibelgelehrten Prunk vermehren, und den Zuhörer abziehen und verwirren, z. B. (S. 10) die Schöpfung des Menschen 1 M. B. 2, 7 und das Verbot im Paradiese ib. 16 zu der Offenbarung Gottes auf Sinai; die Erinnerung an den Tod S. 12. Die Erklärung des Schaubrodes rc. S. 18 rc., der Anmerkungen gar nicht zu gedenken, welche eine Einweihungscede zugleich zu einer gelehrten Abhandlung machen sollen. — Ist so der Leser mit der Form fertig, so wird er an den Gedankenstoff gehen. Hier wird er erst die eigenste Erscheinung der Pleßner'schen Reden gewahr werden: eine tiefe, wahrhaft intensive Innigkeit des religiösen Denkens und Fuhlens, mit einer auffallenden und in Erstaunen setzenden Beschränktheit der Ansichten, mit einer fast wittkührlich scheinenden Hingebung an den Autoritätsglauben, * der sich nicht dahin bestimmt, an die Aussprüche der Altvordern fest zuhalten, sondern aus ihnen noch eine beschranktere Ansicht zu deduciren, als sie geben sollten, als sie ihrer Umgebung, ihrer Aufstellung nach geben sollten — wie man zu sagen pflegt: katholischer als der Papst, orthodoxer als die Orthodoxie. ES wird diesem Leser scheinen, als ob Herr Pl. auf der zweiten Seite bedauert, was er auf den ersten den Bedürfnissen der Gegenwart geopfert hat, er selbst, unbestreitbar ein Produkt der Neuern Zeit, denn sonst könnte er nicht so predigen wol-

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