Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 79 (6.7.1839)
- Date
- 1839-07-06
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Zeitungsnachrichten. . •!” SfirtetiFrt. <b ftä >?1.-Mas^ (DrkMDttE) Äle wMMfche Insel dieses Namens, die größte von den sechs den Niederländern gehörigen Eilanden, eigentlich ein unfruchtbarer Felsen, aber durch den Fleiß der Bewohner zu einem reichen Besitzthum geworden , deren Hauptstadt Willemstadt heißt, hat unter ihrer ungefähr 1400 Seelen erreichenden Einwohnerzahl auch beinahe 900 Israeliten. Die Zahl der letztern war allerdings in frühem Zeiten größer, und hat sich durch Auswanderungen und Krankheiten vermindert. Sie wohnen, außer einigen Plantagen-Besitzern in Willemstadt. Mehrere von ihnen gehören zu den vornehmsten Handelsherrn der Insel, die Meisten besitzen einen ehrenvollen' Ruf, und Mehrere zeichnen sich durch ihre Bildung und Sprachkenntnisse vortheilhaft aus. Die Gemeinde ist, weil nur wenige hochdeutsche Israeliten auf der Insel sich befinden, portugiesisch, und stehen an ihrer Spitze ein correspondirendcs Mitglied der holländischen Haupt-Commission für die israelitischen Angelegenheiten, zwei Parnassim, zwei Assessoren und ein Kassirer. Die Gemeinde besitzt zwei Synagogen, die eine in Willemstadt, von nicht gewöhnlicher Schönheit der Form, und eine-andere im Hafen St. Barbara, die aber, weil jetzt wenige Israeliten auf dieser Seite wohnen, geschloffen ist. Die Jugend genießt gemeinschaftlichen Unterricht in einer Schule; auch wird bei Begräbnissen'ein angemessener Vortrag gehalten. Für die kirchlichen Verrichtungen werden recht würoige Beamte besoldet, so wie die Gemeinde auch nicht unterlaßt, für die Armen hinlänglich zu sorgen. . Türkei. Konstantinopel, 8. Mai. Der griechische, der armenische und der katholische Patriarch, so wie auch der jüdische, Oberrabine wurden vorige Woche zum Reis-Effendi eingeladen, der ihnen eröffnete, der Sultan habe befohlen, künftig ein jährliches Kontingent von 3000 Rekruten aus. der Bevölkerung der Rayahs für den Dienst der Armee auszuheben, und zwar sollten aus denselben Pionnier-Compagnieen, eine für jedes Regiment des türkischen Heers, formirt werden, gegen Bezug desselben Soldes wie die mohammedanischen Soldaten und unter Zusage der Entlassung nach fünfjähriger Dienstzeit. Nachdem die Prälaten und der Oberrabbine den Vollzug des großherrlichcn Befehls pflichtschuldigst versprochen und dem Minister demüthig den Saum feines Kleides geküßt hatten, zogen sie sich ins Vorzimmer zurück-, und machten hier unter sich aus, daß die Griechen und die Armenier je 1000, die Katholiken und die Juden je 500 Mann stellen sollten. Die Ansinnung der hohen Pforte hat unter den Rayahs die größte Bestürzung bereitet, aber bis jetzt hatte der griechische Patriarch allein den Muth, Gegenvorstellungen zu wagen und auf das unpolitische dieser Maaßregel aufmerksam zu machen. Ehe er, so lautete seine Remonstration, die Verantwortlichkeit für die Folgen eines Schrittes übernähme, würde ec lieber seine Entlassung einsendcn. Es sei noch frisch im Andenken des Divans, daß in Folge des vor zwei Jahren gemachten Versuchs, 1000 griechische Rekruten für die Flotte auszuheben, über 17000 ihreis Landsleute, von panischem Schrecken ergriffen, aus der Türkei auswanderten un-b sich in Griechenland, Rußland und Oesterreich niedecllHm. Suchten die OttsMörden diese neue Maaßregel geltend zu machen, so fei eine noch größere Auswanderung der Griechen zu besorgen. (A. Attg. Ztg.) . Niederlande. Aus dem Haag, 8. Juni. (Privatmitth.) Da Sie -den Anordnungen, welche in verschiedenen Ländern hinsichtlich der Beschneidmng bestehen, im Augenblicke einige Aufmerksamkeit zuzuwenden scheinen, so erlaube ich mir die Bemerkung, daß durch einen königl. Beschluß vom 30. Juni 1820 in allen Synagogensprengeln unsers Königreichs hiefür eine besondere Kommission bestimmt ist, welche diejenigen, die sich zu Beschneidern bestimmen, einem geordneten theoretischen Examen unterwirft. Nach einer Verordnung vom 12. Juli 1838 muß nach Ablegung dieses Examens der Kandidat in Gegenwart von' zwei Mitgliedern der Kommission drei. Beschneidungen verrichten, bevor er zur freien Ausübung jener Function zugelassen wird. Dennoch aber müssen bei jeder Beschneidung zwei Chirurgen gegenwärtig sein. — Jener Kommissionen bestehen jetzt 10 in den verschiedenen Synagogenressorts, eine jede besteht aus fünf Mitgliedern, von denen eines der zeitige Gemeinde-Aelteste, eines ein Arzt oder Chirurg ist. Desterreich. Prag, 2. Juni. (Privatmitth.) Die Hindernisse, welche der definitiven Anstellung des Dr. Michael Sachs entgegen standen, sind nun beseitigt, indem ihm allerhöchsten Orts ein Dispens rücksichtlich seiner Geburt als Ausländer und seiner nicht im Jnlande zucückgelegten Studien ertheilt,- und er zugleich als vierter Rabbine bei der Prager Gemeinde angestellt wurde. Die hohen Otts angeordnete feierliche Installirung desselben als Prediger im neuen Bethause wird zur Freude der ganzen Gemeinde nächstens Statt finden, und soll seiner Zeit darüber berichtet werden. — Rücksichtlich Rappoports sollen such einige Umstande erhoben haben, die seine Berufung züc Stelle eines ersten Rabbinen in Prag um einige Zeit verzögern dürften; es laßt sich aber bei der bekannten Geneigtheit unserer hohen Behörden, einem aus einem tiefgefühlten Bedürfnisse hervorgegangenen Wunsche der Gemeinde "nach Möglichkeit zu willfahren, auch in dieser Angelegenheit einem endlichen günstigen Resultate mit vollem Vertrauen entgegen sehen.- Deutschland. Heidelberg, 12. Juni. Wir theilen hier wörtlich die Petition' mit, welche der Vorsteher der hiesigen jüdischen Gemeinde, im Namen derselben, an die badische Abgeordnetenkammer gerichtet hat: Höchstansehnliche Stande-Versammlung! Hohe zweite Kammer! Seit Jahrtausenden war es unser Geschick, Recht suchen zu müssen in allen Ländern, wo wir Juden lebten. Wie es uns geworden, zeigen die Blätter der Geschichte!- — Durch alle Jahre vergangener Zeiten hat man uns unterdrückt, und seit die christ-