Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 77 (27.6.1839)
- Date
- 1839-06-27
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2L2 hier das Herrschende; daS Einzelwesen das Untergeordnete, das nur als Glied des Ganzen, und in ihm, Werth und Bedeutung hat. Zn diesem Geiste finden wir denn auch -die ganze philosophische Richtung und Strebung nach jenem Ideal, aus dem Ideal. Aber es existirt nvch eine Offenbarung entgegengesetzter Natur; und diese lehrt den absoluten Werth eines persönlichen Individuum als Abbild eines höchsten persönlichen Geistes, eines Individuums in eminentester Bedeutung, das sich als seinen Schöpfer dem Menschen zu erkennen gegeben hat; nicht zwar als Ideal im Sinne unsers Recesenten, wol aber als Original im Sinne des Malers, aber als eines solchen, über das kein Bildnerer idealistre so lange, und soviel er wolle, hinaus kann, das er nicht einmal zu erreichen im Stande ist. Hiermit ist nun grade einer der hervorragendsten Gegensätze bezeichnet, in dem die Offenbarung zu jener Religion „nach der Idee" sich befindet. Zn der Offenbarung ist von keinem Ideale,, als einer Wesenheit, die Rede; sondern von einem concreten Wesen, einer Person; und wenn nach Jenem das menschliche Individuum in dem Begriffe, in dem Geschlechts, oder Staatsorganismus untergeht: kommt in diesem'eben umgekehrt der Staat,, das Collectiv, als Mittel fürs Individuum, als Bedingung seiner völligen Ausbildung zu einem freigeistigen, * *) gottahnlichen Wesen zur Anschauung. Dieß aber ist zugleich ein Gegensatz, der sich zwischen den beiden erhabensten Persönlichkeiten des ALterthumes, zwischen Plato und Aristoteles, Nachweisen laßt, wie ich solches in der Abhandlung „der Gottesstaat" in der wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie, (Jahrgang 1837) versucht habe. Erde und Himmel, Geist und Leib, Physisches und Ethisches sind eingeschlossen und umgrenzt von dem AUthiere, das uns selbst unsre Seele giebt **) — das ist Ideal des •) Ein neuer geistvoller Schriftsteller möchte gern diesem Worte feine Würde wieder geben: wer würde ihm nicht - willig darin folgen? Es ist schade, daß eine Composirion. der Art , von Geist'und Freiheit, in. solchen MiSkredit kommen konnte. Es müssen manche Namen.wieder, zu Ehren gebracht werden; wir wollens auch mit diesem Horte, versuchen. — *9) Ilofrsv, «5 (ftte JIqojt(xqx( , XttßöVy d'nsQ urj toys tov nayrng aujj.u sutyv%ov ov iny/uve rctvrä yt tyov tqvtio xal Plato. Aristoteles läßt noch eine kleine Stelle an dem' Weltall-Eie offen für den eigentlichen Himmel. Ihm wird wieder das moralische Individuum zu etwas mehr,/als einer Zahl, und die Würde der Person tritt mit der Ehre des freien Geistes in ihr Recht ein. Seine Lehre von dem organischen BildungSprincipe, der Entelechie, die mit der Idee Platons einige Aehnlichkeit hat, wird überflügelt von seiner Ahnung eines, der Entelechie äußerlichen, Wesens, dem Geiste, Nus, das im kleinen wie im gro- . ßen Organismus die Rolle des Unbekannten, des Fremdlings, spielt, von dem aber doch am Ende die Hauptsache abhangt, und der der Schlußstein im Gewölbe, der Eckstein des großen und kleinen Baues ist, ohne welchen jenes einstürzt, und diese einer zwar höheren Mechanik, allem doch einer Mechanik unter dem eisernen Scepter der Nothwendigkeit anheim fallen. Dieser Fremdling aber, den der Grieche ahnte, den er aus der Unvollendbarkeit seines wohlgebildeten Systemes nach der Strenge seiner Schlußweise fodert, war, ihm unbewußt, langst einem armen Emir, der aus Mesopotamien wegen sakrilegischen Frevels flüchten mußt-, offenbart, und dieser lehrte jenen Geoffenbartendey der Herr Recensent der allgemeinen Literaturzeitung noch heute gern gegen sein Ideal vertauschen möchte! Aber mit uns wird ihm das kaum — gewiß nicht! gelingen. Dieß erledige das erste Bedenken, das km Interesse deS Judenthums hier erörtert worden, und bilde den Uebergang zu dem zweiten, über das verwerfende Urtheil desselben Herrn Recensenten in der folgenden Nummer jener Literaturzeitung (No. 39) über die Vorstellung vom Volke Gottes, als eines „üngö etlichen Gedankens."— £«■ xaXX(ovn\ Socrates. — Pbilebus, (de anima mundi). Bipont. IV. 24(5.47. Dagegen: 6 d'k vovg soizty lyyiytgd-at, ovoCct ug ovda xcu ou (f&tCoeqS-ca (de anima.) Ferner, und zwar, noch nachdrücklicher, der Gegensatz: &vq«0-^y instaiiycu xal d-etov Etvai uovovj vom Nus zur Psyche. Aristoteles, de gen. anim. II., 3. Rrdactcur: vr. L. Philippfsa. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I, B Hirsch fetd.