Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 77 (27.6.1839)
- Date
- 1839-06-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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in. Jahrgang. Allgemeine No. w. Zeitung -es Zu-ent-ums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Käni»». Sächsischer allergnädigster Eoncrffion.) Leipzig, den 27. Zum 1839. Zeitungsnachri ch teu. Magdeburg, 15. Juni. Hr. Dr. Riesser in Bokkenheim har uns so eben folgende Erklärung zukommen laffen: Da ein in No. 61 dieses Blattes „zum Ergötzen der Leser", abgedruckter Artikel des Frankfurter Journals vom 2. Mai ~~ aus Kurhessen vom 29. April datirt und die Gleichstellung der Israeliten, in Kurhessen, so wie den behaupteten Antheil des Roth sch ild'schen Hauses an diesem Erfolge betreffend —- eben daselbst mehrfache .Verunglimpfungen erfahren hat, so halte ich mich zu der Erklärung verpflichtet, daß ich der Verfasser jenes Artikels bin,, daß er mithin dort mit Unrecht der Redaktion des Journals oder deren Clienten — ein Ausdruck, dessen Sinn ich freilich hier nicht zu fassen vermag — zugeschrieben wird. Es versteht sich demnach von selbst, daß ich jede Art von moralischer Verantwortlichkeit für dessen Absicht, wie für jedes Wort des Inhalts übernehme. Den Artikel gegen die Verdächtigung und Verdrehung feiner Tendenz zu vertheidigen, halte ich für überflüssig. Ich überlasse es jedem Leser, ob. ec darin mit dem Herrn Redakteur dieser Zeitung ein „Drehen und Wenden" entdecken, ob er „Halbheiten," „Hinterpförtchen," Concessionen sei es gegen das Frankfurter Journal oder gegen sonst Jemanden — darin finden will, oder ob er die einfache Absicht zu erkennen weiß, eine bedeutungsvolle Tharsache vor Mißdeutung zu schützen, dabei aber der Wahrheit nach allen Seiten hm ihr Recht zu lassen. Bocken heim, den 28. Mai 1839. G. Riesser, Dr. - Die Redaktion hat hierzu nur kurz zu bemerken, daß wo von einem Riesser die Rede ist, an keine „Halbheit" zu denken ist, nur daß uns der Artikel in seiner Stellung mitten in Unserer Diskussion, und ohne die, gewohnte Bestimmtheit Rießer's abgefaßt, die-Veranlassung geben mußte, ihn in solchem Lichte zu sehen. Uebrigens thut dies zur Sache Nichts. Wir entbieten unserm Rießer stets den Gruß der freundschaftlichsten Verehrung!- Seesen, 5. Juni. (Privatmitth.). Der unermüdliche Eifer des Hrn. Dr. W.ohlwill hat in kurzer Zeit die Reorganisation unseres Gottesdienstes vollendet. Er ließ zu diesem Behufe die sämmtlichen Gemeindeglieder im Locale der Jacobson's Schule zusammenkommen, stellte ihnen die Nothwendigkeit des Vorzunehmenden vor, und nicht eine Stimme ließ sich dagegen vernehmen. Ein Chor wurde organisirt, zu welchen die Schule den Diskant und Alt liefert, Tenor und Baß von jungen Leuten aus der Gemeinde gesungen werden. Die Gebete sind fast alle beibehalten, nur einige deutsche Gesänge 'mit Orgelbegleitung — eine alte Einrichtung der Jakobsonsschule — eingeschaltet. Das würdevolle Ein- und Ausheben der Tora, die Entfernung des Namensaufrufens, die gediegene Predigt des Dr. Wohlwill, die voUkonImne Ruhe, das richtige Einfallen der. Gemeinde an bestimmten Stellen, das Ornat oes Vörbeters, die gleichmäßige Kopfbedeckung mit Käppchen, ein Choral mit Orgelbegleitung zum Schlüsse des Gottesdienstes — machen ein Ensemble, welches nichts zu wünschen übrig läßt, und erweist, daß, ohne das Alte.zu verwerfen, unser Gottesdienst ein solcher werden kann, daß er sich würdig jedem andern an die Seite stellen mag. M. E. Lengerich, 10. Juni. (Privatmktth.) Wir haben ein Wochenfest gefeiert, wie es in wenigen Städten Preußens gefeiert sein mag. Wenn ich etwas später darüber berichte,. so geschah dies/ um den ersten Eindruck zu mildern. Was unsere Feier erhöhte, ist nichts Seltenes, wol aber das Wie. Es wurde in der hiesigen Synagoge, die eine der schönsten Weftphalens zu nennen ist, die Konfirmation mit dem Feste vereinigt. Sie werden einige nähere Worte, zur Anfeuerung andrer Gemeinden um uns, darüber gestatten. — Nach dem Schachrit-Gebete wurde ein vierstimmiges Lied gesungen, während dessen die Konfirmanden,, 1 Knabe und 3 Mädchen, sich vor die heit. Lade begaben. Nach einer kurzen Anrede an die Konfirmanden begann unser würdiger Lehrer Steinmetz die Religionsprüfung, die sich sehr bald nicht als auswendig gelernte, im Munde der Kinder bedeutungslos klingende Phrasen zu erkennen gab, und dennoch ertheilten die Konf. richtige, bestimmte Antworten, die mit dem vom Referenten geprüften Leitfaden des H. 'St. wörtlich gar nicht übereinkamen; hiezu gesellte sich eine Fülle von den herrlichsten Bibel- und Talmudsprüchen, welche der Knabe im Urtexte anführte. Nach dem Beschlüsse dieser Katechese, und einer kurzen Anrede, worauf die Eltern den Konf. ihren Segen ertheklten, führte Hr. Steinmetz in einer höchst gediegenen Predigt, diesen Glauben und diese Lehre, wie er sich selbst ausdrückte, noch einmal vor „in ihrer Reinheit und Herrlichkeit," und verband dies auf geschickte Meise mit dem Feste des Tages. Aber als er nun mit dem Feuer einer wahren Beredtfamkeit darauf hinzeigte, was. uns als Bekenner des