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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-18 · Heft 73 (18.6.1839) · p. Seite 296

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 73 (18.6.1839)
Date
1839-06-18
Page
Seite 296 (sequence 4)
Language
German
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296 Literarischer Salon. (Fortsetzung.) Die-Schriften Philo's und die Hilfsmittel zur Kenntnis derselben und des Philonismus überhaupt. Unter den dem Gelehrten längst bekannten Schriften Philo'S sind zehn derselben für die Kenntniß des jüdisch-hellenistischen Geistes, so wie für jüdische Religionsphilosophie, höchst wichtig und unentbehrlich, hingegen sind acht derselben nur von untergeordnetem oder höchstens archäologischem Interesse. Die Wichtigen ’• T1)s , ßtciis y.oöuonoitctg> über die Wcltschöpfung nach Mose's. Z. vo MOV teotov (älriyoQftu, die Allegorien der heiligen Gesetze. 3. nEql' xoiv %£Qovßi[j., über die Cherubim. 4. jov to yjlnov z(ß xqeCitovi. (piXstv IniTifhaOacüber das Streben dev Geringen dem Bessern nachzustellen. 5. ot taQsmov to d-siov, daß Gott unveränderlich sei. 6. tteqI avy/Jatw oicdsy.rtov, über die Verwirrung der Sprachen. 7. ntol änoixiag, über die Auswanderung (Abraham's). 8. hg 6 twv &eiwv TiQayy.cauiV xkrjQovoiuog, wer der Erbe der göttlichen Dinge. 9. tisqi tpvyaötoV) über die Exulanten. 10. nsnl tov ■O-aont^nrovg aivai Tovg dvtiQovg, über die von Gott gesandten Traume. Die acht bekannten aber minder wichtigen Schriften .Philo'S sind: I. 7isQl^ßQar(lu) über Abraham. 2. naql Mcocrawg, über Moje. 3. nt(n {.lovaQyiag, über die Alleinherrschaft. 4. Taivava- (p£QO/utvü)v t(g TQia yivrj tiov ch'y.u Xoyiov, über die Suruckfuhrungen auf die drei Gattungen der zehn Gebote. 5. naql uO-Xiov xal Inmfiibjv, über Strafen und Vergeltungen. 6. navra anovdtuov ttlvai 'IXevQ-eqov y daß jeder Freie rechtschaffen. 7. 7isQi ßiov d-tb)or]TLxoü, von dem beschaulichen Leben. 8. Nkpl aipxbaaytecg xog/uov, über die Unvergänglichkeit der Welt. Die beste Ausgabe dieser sämmtlichen Schriften ist die pom Engländer Mangey im vorigen Jahrhundert besorgte (London, 1742) in zwei Foliobänden; denn eine spätere Ausgabe von Pfeiffer (Erlangen, 1785) in fünf Bänden ist unvollendet geblieben. Seit zwanzig Jahren aber sind noch manche Schriften Philo'S aufgefunden worden, so daß selbst die Mangey'sche Ausgabe noch mangelhaft erscheint. Der jetzige Kardinal Angelo Majo, der früher im Dienste der Propaganda in Rom die Handschriften deS Vatican durchmusterte, gab zu Mailand im Jahre 1818 noch folgende aufgcfundenen philonischcn Schriften: lieber das Laubenfest (de cophini fasto); über die Verehrung gegen Eltern' (de colendis parentibus), und zwar griechisch und lateinisch heraus. Aus einer armenischen Uebersetzung des dreizehnten Jahrhunderts gab Au ehe r, unter dem Titel: Pliilonis paralipomena armena, noch folgende philonische Schriften heraus: de p^ovidentia; de animalihus; ferner Kommentare zu Genesis und Exodus, so wie drei Sermons, heraus. Dieses Werk erschien bloS lateinisch, und zwar in Venedig im Jahre 1822 und 1826. In der Ausgabe von Richter (Leipzig, 1828, in acht Bänden) sind auch die aufgefundenen Schriften mit ausgenommen worden. Eine Besprechung der Schriften Philo'S findet man: Fabric. Hort. Bibi. gr. IV. 721; Kreuzer: zur Kritik der Schriften des Juden Philo (eingernckt in den Studien und Kritiken" 1832, erstes Heft); Dähne: Bemerkungen über die Schriften Philo'S (das. 1833, viertes Heft). Ueber einige hebräische Uebertragungen habe ich im vorigen Jahrgange (No. 42. 92. 132. im lit. Salon) gesprochen; es wäre zu wünschen,, daß ein tüchtiger Kenner des Griechischen und Hebräischen es unter-- nehmen möge, sämmtliche Schriftdenkmals Philo'S für die große Masse der Juden ins Hebräische zu übertragen. Der .Erste, der sich für die Schriften Philo'S interessirte und sie unter unsere Glaubensgenossen zu verbreiten strebte war der jüdische Philolog David Provenzale Meor Enajim 183b. 194b.), und der erste, der ihn Rabbi nannte, war Jehuda MuScato in.fcinem1589 herausgekommenen Nefuzot Jehuda (2b. 87a. 125b, 132a. 171b. 225a.) wie schon Dr. Zunz längst bemerkte (3esurun 230). Ueber die Sprachanschauung Philo's findet man Treffliches und Gediegenes gesammelt in Delitzsch'S Jesurun (92 ff.), wodurch seine Exegese eine historische Basis erhält. Ueber die Verwandtschaft der ^chilenischen Allegoreme mit der Hagada in den Talmuden und Midraschim hat bereits der als .Uebersetzer Philo's hier oft gerühmte Flxsch in seinen Uebertragungcn Manches nachgewiesen, aber von den Leistungen des Or. Frankel zu Dresden über den jüdischen Hellenismus erwarten wir noch bedeutende Aufschlüsse. Zusatz vom Redakteur. Unser Freunds (der Abfasser unsres Literarischen Salon ist bekanntlich l>r. Fürst) wird uns zur obigen Piece einen Zusatz gestatten. Mit der obigen Aufstellung der Philonianischen Schriften können wir uns nicht ganz einverstanden erklären, da z. B. das Leben Mosis von Philo gerade sein berühmtestes und wichtigstes ist. Wir wiederholen daher hier in der Kürze einen Gedanken, den wir an einem andern Orte (Pred. und Schnlmag. Bd. II. S. 316 ff.) über die Anordnung der philonianischen Schriften weitläufiger ausgeführt. Die meisten und vorzüglichsten Schriften Philo's bilden einen fortlaufenden Commentar über die fünf Bücher Mosis, und lassen sich so skizziren: naol rtjg Mioaiiog xoa/uonoitag „über die Weltschöpfung nach Moscö" über 1 B. Mos. Kap. 1; vopcov faqtov ulfojyoq(cu „Allegorieen. der heil. Gesetze" Buch 1 über 1B.M. Kap. 2, Buch 2 über das. Kap. 3. V. 8—19; 7teqI tcov Xsqovßifj, „über den Cherub" über das. Kap. 3, V. 24; neql (bv' teoovyoudv 'AßeX te xal Kdiv „über die Opfer Abels und Kailis"^ über das. Kap. 4 V. 2; neqi tov to yEiqov to xqeittovi <pi).alv inirCiHodai „daß der Schlechtere dem Bessern nachzustellen liebt" über das. V. 8—15; naol yacogyiag xal (pvxovqyCag tov N(Ss „über Noah's Ackerbau und Pflanzung" über das. Kap. 9. V. 20; nsol fx^ür\g xal tov ^avrypE vwe „über Trunkenheit Noah's" über das. K. 9 V. 24 bis 27; naql yiydvxcov „über die Riesen" dass Kap. 6 V. 1-4 wozu auch oh aTQamov to OtTov ,,ba§ Gort unveränderlich;" ntql ovyyvaacog JiaXfr.Tcov „über die Verwirrung der Sprachen" über das. Kap. II, VerS 1—9. Alle diese Schriften machten, wie es scheint, schon von Philo selbst angeordnet, einen Band aus. Der zweite Band hat als Einleitung das Werk „über Abraham," weil darin die Grundsätze seiner Interpretation gegeben werden; dieser folgt TTtol dnoixCag „über die Auswandrung A's zu 1B. Mos. Kap. 12 V. 1; naol rijg atg tk nqonatdavpiaTu avvoSov „über die Vereinigung zur Erlernung der Lehre" zu das. Kap. 16 V^I. 2; ntql (fvydöov „tibcr Flüchtlinge" (eine Schrift, die bei Eusebius den Titel naql cpvyrjg xal evqeoscos „über Flucht und Wiederfinden" heißt, woraus Hieronymus, lesend naql (pv- GEtog de natura et inventione macht,) zu das. Kap.^ 16 VerS 6—14; tieqI tov hg 6 Ttbv Deu&v npay^icltiov xirjaovouog „wer der Erbe der göttlichen Dinge sei?" zu das. Kap. 15. — AlS zweiter Abschnitt dieses Bandes ist anzusehen „über Joseph" zu das. Kap. 37—47, 11 mit dnn Anhänge „daß die Träume von Gott gesandt werden" namentlich über Kap. 28, 12ff. Hierauf folgt der dritte Band der Philonianischen Schriften, welcher über das geschriebene Gesetz handelt. (Fortsetzung folgt.) Redakteur: Dr. L. Philipps,,«. — Verlag von Baumgartners Buchhandlung. - Druck von I. B. Hirfchfeld.

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