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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-11 · Heft 70 (11.6.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 70 (11.6.1839)
Date
1839-06-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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m. Jahrgang. Allgemeine No. VO. Zeitung -es Zudenthnms. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer aüergnädkgster Conceflion.) Leipzig, den 11. Juni 1839. Zeit«ngsnachrichte«. Metz, 20. Mai. (Privatmitth.). So ist uns denn abermals an Herrn Tsarphati eine große Hoffnung verloren gegangen. Wir hatten bei seinem ersten Auftreten die Meinung, daß er 'mit seiner Gewandheit, mit seinem scharfsinnigen Blicke wol beitragen werde, die Elemente des neuern Lebens mit dem Judenthume auszusöhnen, und, durch die Wirkung des^ Lebens und Geistes auf unsrrm Gebiete, den Weg immer sichrer und ebner zu machen, den wir zu beschreiten haben. Unterdeß hat er sich in einen erbitterten Kampf, mit einigen Mißbräuchen versenkt, die gar keine Wichtigkeit haben, und ehestens ohne alle Hülfe über den Haufen stürzen werden; er denkt nicht daran, daß diese für das Leben, für welches er doch wirken wollte, von gar keiner Bedeutung seien, und daß das Judenthum sich bereits auf die Höhe der Zeit geschwungen, ohne an dem vielleicht noch ein Paar Jahre wahrenden Verkauf der Mizwot zu scheitern, aus dem einige Groschen für Arme und Kranke fließen. Dafür erzürnt ibn der Ilmstand, daß er diesen Mizwotverkauf nicht alsbald todt geschlagen, gar sehr, und, wie alle hitzigen Naturen, spricht er sich in eine Bitterkeit und Gehässigkeit hinein, die ihn zum Fallstrick geworden. Wie will er jetzt, wo er die französischen Juden, für deren bürgerliche Mündigkeit doch jeder Tag mehrZeugniß ablegt, noch als race asiatique brandmarkt, wo er die Synagoge, die vom finanziellen Reichthum sich stets-frei gehalten, die nie liegende Güter und Ländereien, -nie Renten , Frohnen und Zehnten besessen, die daher in L?n meisten alteren Gemeinden sogar mit Schulden belastet ist, eine mLiallique nennt, wie will er jetzt noch als ein Freund derselben, als Jemand, der für ihr Wohl beseelt-ist, und begeistert wirken will, gelten wollen? Nein, er ist ein Feind derselben geworden, er hat sich in die Reihen, derer gestellt, welche, weil sie die Synagoge nicht erobern können, sie vernichten wollen — allein diese ist längst gewohnt, auch solche Pfeile von sich abprallen zu sehen. Jetzt, wo die Allgemeine Zeitung des Judenthums nie zurücksteht, auch über unsre Mängel zu berichten, auch das öffentlich zu besprechen, was als alter Schaden noch an uns haftet, jetzt, wo er also nicht mehr von „Heimlichkeit, Verborgenheit" sprechen kann, wo, nach seiner frühem' Redensart ,-,auch wir unsre schwarze Wäsche öffentlich reinigen," jetzt kann man ihm um so mehr entgegentreten, und sprechen: „Weil dir nicht der erste Wurf gelungen, stürmst du thöricht alle Ziele um!" Stuttgart, 23. Mai. Nach dem so eben erschienenen Hof» und Staats-Handbuche zählt unser Königreich 1,634,654 Menschen, worunter, 11,266 Israeliten, die kn 13 Rabbinats-Bezirke vertheilt sind. Demnach ist ungefähr der 145ste Mensch in unserm Staate israelitischer Religion. Mainz, 20. Mai. Nach öffentlichen Blattern hat, auf dem Grunde der jüngsten Verhandlung in der hessischen Ständeversammlung, Betreffs der Wahlen und Ergänzungen der israelitischen Gemeindevorstände (s. No. 66), ein zahlreicher Verein von Mitgliedern hiesiger Gemeinde, worunter sich auch viele Altgläubige befinden, eine Bittschrift an die Staatsregierung wegen Veränderung des jetzigen, jede, auch die unbedeutendste Reform beschränkenden Vorstandes, in Cirkulation gesetzt, und bereits ist dieselbe wo! von der Hälfte der Gemeindeglieder, und zwar .auch von den Hochbesteuerten unterzeichnet. Frankfurt am Main, 24. Mai. (Lcrpz. Allg. Zeit.). Die Wahlen für den durch Erlaß vom 8. März d. I. neugeschaffenen israelitischen Gemeindeausschuß (No. 86) sind vollzogen und in Folge davon, den diesfalligen Bestimmungen dieses Erlasses gemäß, von der gesammten wahlfähigen israelitischen Bürgerschaft 27 Personen durch Stimmenmehrheit als diejenigen bezeichnet worden, aus denen der Senat die neun Ausschußglieder zu ernennen hat. Sie alle gehören, wie glaubwürdig versichert wird, zu den Freunden und Beförderern des Fortschrittes; ihre Wahl soll daher den meisten sogenannten Altgläubigen höchst mißfällig sein. Wie es jedoch bei allen Meinungsnuancen gewisse Abstufungen gibt, so gäben sich diese auch unter den hier Gewählten kund. Die Bemühungen der in ihren Erwartungen so empfindlich getäuschten Altgläubigen, an deren Spitze einige der ersten Notabilitaten der hohen Finanz stehen, sollen nun vocnamllch dahin gehen, die Auswahl und Bestätigung der höchsten Staatsbehörde für Diejenigen zu erlangen, deren Ansichten mit den ihrigen im mindest grellen Widerstreite stehen. Man darf wol kaum bezweifeln, daß diese Bemühungen, sofern sie der Reaction den Weg anzubahnen bezielen möchten, vollkommen erfolglos sein werden. — Hamburg., 26. Mai. (Privatmitth.)"'). Wie oft hat sich aus Unkenntniß des Einzelnen eine falsche Ansicht •) Nicht von unserm gewöhnlichen Correspondenten. Redakt.

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