Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 69 (8.6.1839)
- Date
- 1839-06-08
- Page
- Seite 279 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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279 Folgende sieben Verse von Genesis 24, 1—10 werden dem Brautig am am Sonnabend vorgelesen, und in die arabische Sprache übersetzt. 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Mrr s z ü g e. Aus dem Panorama des Universums. Prag. Hause und Söhne. Der alte Iudenfrievhof in Prag und seine Sagen. ^Schluß.) Unter den Rabbis, die im Bet Chaim begraben liegen, ist einer der ausgezeichnetsten M o rda chai Mei scl. °) Er hatte sich große Verdienste um die Judenstadt erworben, denn das jüdische Rathhaus, das Spital, da6^warme Frauenbad. die Claussynagoge sind sein Werk. Die Führer aus dem Judenfriedhofe lasten, wenn sie von Rabbi Meisel erzählen^ nie den Umstand aus, Laß er „die Judenstadt habe pfiastern lasten." Jedem, der auf dem Judenfriedhofe wandelt, wird die Menge von Steinchen und Scherben auffallen , die auf manchem oft ganz einfachen Grabsteine liegt. Er kann überzeugt sein, daß der unter diesem Steine Ruhende ein frommer, gotteSfürchtiger Israelit war. Die Juden bauen auf die Wirksamkeit der Fürbitte solcher Verstorbenen bei Jehovah, und um diese Fürbitte zu erlangen, legen sie Steine auf ihr Grab. Sonst ward Geld auf diesen Grabsteiüen geopfert, und von demselben Oel für die SchabbeSlampen der armen Israeliten angekaufr. Hieraus mag wot die Sage entsprungen sein, daß ein Grabstein dieses Friedhofes ehemals jeden Freirag Oel ausgeschwitzt habe, weil unter demselben eine Matrone ihren Lodesschlaf sst)lief, welche atlfreitäglich die Armen mit Oel beschenkt hatte. Die verschiedenen Zeichen, welche auf den Grabsteinen angebracht sind, deuten entweder den Namen des Verstorbenen oder den Stamm, welchem derselbe angehörte, an. So bedeuten die zwei Hände ven Stamm Aaron, die Kanne den Sta.nlin Lcvi, die Weintraube den Srmnm Israel, ein Löwe besagt, daß der unter diesem Zeichen Begrabene Löw, ein Fisch, daß er Fischeles oder Karpeles, ein Huhn, daß er Hahn geheißen u. s. s. Auf einem Grabsteine sieht man sehr kunstlos eine menschliche Gestalt cingemeißelt, zu deren Seiten zwei Hähne stehen. Der hier begrabene heißt Händel. Die Sage aber behauptet, daß hier eine Ehebrecherin begraben sei, der zur Strafe ihrer Sünde Hühner die Augen ausgehackt hätten. Auf einem andern Grabsteine steht man einen Jüngling und eine Jungfrau eingehauen. ES soll ein Brautpaar darunter ruhen, welches am Hochzeitstage vom Lodeöcngel dahingerafft worden war. Nicht unerwähnt dürfen wir den Grabstein der Sara Katz lai?en, obwol sein Nimbus hohen Alterthums bereits erlosch. Eine unrichtige Lesark der Grabschrift hatte 'zu dem Glauben verleitet, daß dieser Grabstein bereits aus dem Jahre 606 rühre. Der Leser barte sich bloö'um ein Jahrtausend geirrt, denn der Grabstein gehört dem Jahre 1606 an. Daraus ergibt sich ganz einfach der Schluß, daß er nicht der älteste Stein dieses Friedhofes sei. Ueber das 2llter des Bet Chaim läßt sich nicht'das geringste mit Bestimmtheit anführen, doch ward dieser Leichenacker wol bald, nachdem den prager Juden die heutige Judenstadt zum Wohnsitze angewiesen worden war (1098), angelegt. 2lls unter Karl IV. viele jüdische Baustellen für die UniversitatSschulen in Beschlag genommen, und den dadurch beeinträchtigten Juven zur Entschädigung der noch heut nach ihnen benannte.Judengarten geschenkt worden war, legten die Juden auch dort einen Friedhof an. Später verließen sie wieder ihre Häuser im Judengarten, übertrugen die Steine von dem dortigen Friedhofe auf den alten, und setzten *) Meises,„war kein Rabbine, sondern ein Handelsmann, der sich «wu1 reichen Manne emporgeschwungen, der aber seines ReichchuiiiS sich auf die edelste Weise bediente, und vielen Geschlechtern r»m Muster sich aufstellte, tlntcr den aufgezählten Gebäuden, die er auf seine Koste« errichten ließ, fehlt noch die schöne, nach ihm benannte Mei» selsynagoge. Redakt. ‘