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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-06-04 · Heft 68 (4.6.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 68 (4.6.1839)
Date
1839-06-04
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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in. Jahrgang. Allgemeine No. 68. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit König». Sächsischer allerqnadigsier Conceffion.) Leipzig, den 6. Juni 1839. Zeitungsnachrichten. Berlin, 26. Mai. Vor einiger Zeit enthielt die Augsb. Mg. Zeit, von hier unterm 30. April einen durch und durch perfiden Artikel, der, sich stützend auf die (nun bald zur Entscheidung kommende) Angelegenheit des Herrn Di'. Geiger, zuerst das Sachverhältniß dieser letztem ganz entstellte, alsdann das Promemorial, welches einige Breslauer gegen die Wahl des Dr. Geiger zum Rabbinats-Assessor in Breslau bei den Behörden einreichten, höchlichst rühmte, und unter Anderm folgende Stelle aus demselben anführte: „Denn das ist und bleibt das Grundwesen des Judenthums, daß seine Bekenner festhalten mit strengem Ernst die Eeremonien, die Verordnungen und die Gesetze, wie sie von den Rabbinen und Lehrern mit erhabener Autorität gefügt und befohlen sind. Und das ist der Gcundzug und die Wesenheit des Judenthums, daß der menschliche Geist sich niemals erkühne, auch die kleinste Satzung und auch das unscheinbarste Gebot, welches geheiligt und geordnet ist durch die Autorität, durch die Tradition und durch den Gebrauch, zu betasten, zu verletzen, oder gar, dem Prinzips nach, zu zerstören. Und es sind die Bücher und Schriften gleichsam kanonisch vorhanden, in welchen ausgezeichnet ist die Lehre und das Gesetz; und diese Schriften, namentlich die Mischna und Gomam, sind für uns heilige Bücher, Quellen der Lehre und Quellen der religiösen Ceremonien. Also ist das Judenthum äußerlich gefügt, daß die Vorschriften der in der Synagoge recipicten Rabbinen gleiche Kraft haben mit den Lehren im alten Testament." — Hierauf nun fußend, giebt der Abfasser des Artikels zwar zu, daß manche Gebildete dieses Glaubensbekenntniß nicht unterschreiben würden, daß aber dennoch diese in der Minderheit seien, und gegen die „unendlich überwiegende Mehrzahl" nicht aufkommen können. Mit vollendeter Malice schließt dann der Artikel: „So lange dies Verhaltniß sich nicht von innen heraus ändert, wird auch das Bestreben wohlwollender Regierungen, Ständeversammlungen und Schriftsteller, die wirkliche und wahrhafte Etnancipation der Juden, welche nur in der eigenen Bildung der letzteren und in der öffentlichen Meinung über sie eine feste Grundlage finden kann, zu bewirken, vergeblich/, und die Mythe vom ewigen Juden eine schauderhafte Wahrheit bleiben." Wie sich voraussehen ließ, .wurde dieser Artikel von vielen deutschen Blattern mit Begierde ausgenommen. — Bald darauf erschien aber in einigen Blättern eine kräftige Ent-' gegnung, welche das geheime Spiel des Abfassers jenes Artikels offen darlegte, und ihm jeden Kredit nahm. Sie lautete folgendermaßen: „Das Franks. Journal.und andere Blätter entlehnten der Augsb. Allg. Zeitung einen Artikel, (Berlin vom 30. April), welcher die Verhältnisse der Juden in Breslau und in Deutschland überhaupt so unrichtig darstellt und so gehässige Schlüsse daraus zieht, daß wir vqn der Unparteilichkeit der verehrlichen Redaktion überzeugt sind: sie werde auch der Berichtigung jener Angaben, wie der Zurückweisung jener Insinuationen, einen Platz in ihrem vielgelesenen Blatte einräumen. Zuvörderst muß bemerkt werden, daß die Schrift, welche im Namen eines, nichts weniger als die Mehrzahl bildenden, Theils der israelitischen Gemeinde zu Breslau gegen den verdienstvollen Dr. Geiger übergeben ward, den bekannten Joel Jacoby zum Verfasser hat, dessen Tendenz das Publikum hinlänglich kennt, und dessen Schriften von jeher die „Klagen der Juden", mehr veranlaßten, als aussprachen. Wenn nun dieser Mann feine Komittenten sagen laßt: .„das ist der Grundzug und die Wahrheit des Judenthums, daß der menschliche Geist sich niemals erkühne, auch die kleinste Satzung und aüch das unscheinbarste Gebot, welches geheiligt und geürdnet ist durch die Tradition und durch den Gebrauch, zu betasten, zu verletzen, oder gar dem Prinzips nach zu Zerstören," und „daß die Vorschriften der, in der Synagoge rezipicten, Rabbinen gleiche Kraft haben mit den Lehren im alten Testament," so wird doch das wol nicht über den Charakter des Judenthums entscheiden sollen? Kennt das Publikum Herrn Jacoby und seine Weise nicht genug, und ist es nicht überflüssig, auch nur ein Wort darüber zu verlieren? Was den Streit betrifft, so ist es ungefähr derselbe, wie der, welcher im Schooße der kathol. Kirche mit allen von der Strenge der alten Kirchensatzungen abweichenden Lehrern (etwa jetzt gegen die Hermesianer) geführt wird, und dem nicht unähnlich, der in Zürich, bei Gelegenheit der Berufung des Dr.' Strauß, so viele Leidenschaften weniger aüfregte, als erkennen ließ. Wie nun der Korrespondent eines öffentlichen Blattes, das. seine Leser fast jeden Tag von jenen ärgerlichen Zwistigkeiten, so wie von den die Welt erfüllenden religiösen Streitigkeiten in Rheinpreußen und in Baiern in Kenntniß setzen muß, wie ein solcher Korrespondent sich so sehr darüber wundern, und den Juden alle Ansprüche-auf deutsches Bürgerrecht übsprechen mag, weil Aehnliches auch bei ihnen, im verjüngten Maßstabe, stattfindet, ist eben so unbegreiflich, als der damit verbundene Ausspruch, „während alles fortschreite, und namentlich unter den Christen, die Katholiken wie die Protestanten, das Prinzip des'

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