Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 67 (4.6.1839)
- Date
- 1839-06-04
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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272 fen eröffnet, durch den der Geisteshauch einströmen wird— Algier, das sich europaisirende Algier*). *) Wir erinnern nur an -aS jüngst berichtete'Faktum, daß der Oberrabbine von Algier so eben in Paris dem Könige ein moralisches Werk überreichte, und an die Schulen, welche, nach frühem Berichten, unter den Algier'schen Juden ausblühen. Briefe des Herrn Dr. L o e lv e ans dem Oriente. Fünfter Brief. fzb nsrpn 3S3 ■nay ■ rroari Chebron, den 6. August 1838.' Der Weg von Jerusalem nach Chebron wird für sehr gefährlich gehalten; ich machte ihn ohne Begleitung doch, Gon sei Dank, ohne daß mir etwas UebleS begegnet wäre. — Das Grab Rackel's liegt auf dem Wege, wo man nach Bet lechem hinlenkt. ES ist ein viereckiges Häuschen mit einer schönen Kuppel, in der Mitte ist daS Grab, ungefähr in dieser Form sten Speisen. Ich fand hier die Gemeinde rein auserkoren. Alle scheinen eö ftd) besonders zur Pflicht gemacht zu haben, einen Reisenden nie aus seiner Tasche zehren zu lasten, und die Vornehmsten der Stadt sind zuweilen ganze Tage beschäftigt, ihm Alles zu erleichtern und den Aufenthalt in ihrer Mitte angenehm zu machen. Am ersten Abend besuchte mich ein alter Mann, Mose Meist! aus Wilna, der in den schönen Wiffenschaften bewandert ist, und auch schon mehre kleine Werke herausgegeben hat. Dieser Mann wurde in der Jugend wegen seines Scharfsinnes Napoleon vorgestcllt, und eben hätte feine Carriere glänzend werden können, als'ihm die Idee einkam, nach Palästina zu gehen. ES ist eine einzige Empfindung, in solcher Umgebung von den Heroen deutscher Literatur, von Schiller, von Lessing und vor allen von Herder sich unterhalten zu können!;-Am andern Tage suchte ich wieder berühmte Gräber auf,' und zwar zuerst das des Abner. ' Es befindet sich in der Stadt, in einem Haust, das einem Araber angehört, und obschon Ibrahim Pascha verboten hat, irgend Kafar sTrinkgeld) zu nehmen, so hält doch dieser Mann das Grtrb verschlosten, 'und erzwingt auch von dem armen Israeliten, der eS besuchen will, Geld dafür. Wir gingen eine Stiege abwärts, und befanden uns in einem geräumigen Zimmer, das die Form eines ParallclogramS hat, und in der entferntesten Ecke stand das Grab. ES ist etwas höher als Rachcl'S, aber von derselben Form, und mit unzähligen Inschriften-der Reisenden bedeckt. Von hier wendete ich mich nach dem mrt weißem GipS bedeckt, auf den mehre Tausend hebräische Namen geschrieben sind. Ich ließ Bet lechem zur Linken liegen, und ging gerades WegS nach Chebron, dem einst gepriesenen Aufenthalt unserö Stammerster Besuch war bei dem Prediger loci friratt 3*1), ich hatte einen Brief für ihn von Rabbi Israel in Jerusalem. Man wies mir sogleich ein schönes Zimmer an, und bewirthete mich mit bejüdisthen Begräbnißplatze, und erstaunte, als ich hier durchaus keine Form irgend eines Grabes fand. Ungeformte Steine lagen einer neben dem andern, und diese Steine, sagte mein Begleiter, sind die eigentlichen Grabsteine. Auch schreibt man, aus einem ihm unbekannten Grunde, nie den'Namen des Verstorbenen auf irgend ein Grab, und noch nie ist in Chebron irgend eine solche Inschrift gefunden worden. Man zeigt hier eine schone Höhle, in welcher mehre -,1312 auSgegraben sind; in einem derselben soll der Schofet Atniel den Kenaö ruhen, und in einer andern schönen Höhle mit 'pS'D besuchte ich das Grab Jsai'S. Dann wandte ich mich zur berühm-' ren Machpcla-Höhle. Vor derselben sieht man eine große Moschee , die der Lage nach am äußern Ende des Feldes liegt. Die Eingänge zu dieser Moschee sind auf mehren Stufen, und auf der ersten Stufe, zur Linken des ersten Einganges, ist das Grabmal des berühmten Ramban. Ein Europäer wird auf keine Bedingung hier eingelassen; und weiter kann man nur bis zum zweiten Eingänge gelangen. Hier sieht man ein Loch, welches ungefähr die Breite cimfr Hand hat. Aus diesem Loche kam vor einiger Zeit eine Kahe wieder heraus, welche man in das Grabmal der Rut (wenn ich nicht irre).geworfen, die sich eine Strecke außerhalb der Stadt befindet. Man behauptet daher, daß diese Höhle von bedeutender Größe sei. Man erzählt sich hier unter den Israeliten, und Muselmännern viele Geschichten, wie Abraham den Israeliten in Visionen erscheint und sie auö großen Gefahren rettet. Von den wichtigsten, welche mir von glaubwürdigen Männern mitgetheilt wurden, möge Eine hier Platz finden. Man führte mich zu einer Thür, in die ein rundes Loch geschnitten war, so groß, daß man eine Hand.bequem durchstecken kann. Dann begann der Erzähler: „Vor vielen Jahren ließ der Scheck) daS Oberhaupt der Israeliten rufen, und forderte eine bedeutende Summe Geldes, die ihm noch obendrein in einer gewissen Münzforte bezahlt werden müsse, die durchaus nicht aufzurreiben war. Dies geschah in der Absicht, alle Israeliten hinrichlen zu lapen. Indessen brachte ein unbekannter Mann alles Geld in der bestimmten Münze herbei, und zählte ev einem Israeliten zu, indem er seine Hand durch diese Oeffnung steckte. — Aehnliche Geschichten werden'hier zu Lausenden erzählt. Chebron ist eine kleine Gemeinde, die nur zwei" Synagogen für die Deutschen und eine für die Portugiesen hat. Sie leben in friedlicher Eintracht und wohnen fast alle in einem Hofe beisammen. Die Wohnungen sind sehr klein, aber reinlich und anständig. Die Israeliten dürfen auch außerhalb dieses Platzes wohnen, doch machen nur sehr wenige von dieser Erlaubniß Gebrauch. — Als Ibrahim Pascha Syrien eingenommen hatte, erlaubte er seinen Soldaten, diese Stadt zu plündern. Nicht nur, daß nun die größten Sehandrhaten an den Israeliten verübt wurden, die Araber gaben auch noch fälschlich an, daß sie die Schätze der entsiohenen Moslems in Bewahrung hatten. »Man stellte Ibrahim Pascha vor, daß die Israeliten hier Europäer seien, und doch nicht die geringste Schuld an einer Empörung hätten, aber seine Antwort lautere, daß er seine Befehle nicht zurücknehmen könne, und daß man nur forrfahren solle zu thun, was mqn wünsche. — Kaum glaublich ist eS, wie diese Leute sich an Leiden aller Art gewöhnen; wohl hätten einige gern daS Land verlassen, wenn sie die Mittel dazu gehabt hätten, im Allgemeinen aber wollen doch diese Menschen lieber an jedem Tage tausend Todesgefahren auögesetzt sein, als daS Land der Heiligkeit, wie sie sagen, verlassen. (Schluß folgt.) Bemerkungen. Die eingetroffene Widerlegung der Herrn L-R. Hirsch gegen die Bertheidigung des Herrn Kohn wird ehestens abgedruckt. Herr Lkebermann Beerb zu Guhrau hat uns 20 Thlr. zugefandt, mit der Bestimmung, 10 Thlr. für die unglücklichen Israeliten in Aafed und Tibecias nach Amsterdam zu besorgen, 10 Thlr. für die jüdisch-theologische Fakultät zu reserviren. Die Redaktion. Redacteur; vr. L. Philippson. — Verlag von BaumgärtnerS Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.